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Anleihentausch: Verklagen Sie Griechenland!

von Kerstin Dämon

Wer griechische Anleihen in seinem Besitz hatte, guckte nach dem Schuldenschnitt in die Röhre - das Geld war futsch. Doch Anleger können es sich zumindest teilweise zurückzuholen. Wir erklären, wie.

Fangfrage 1: "Darf ich meinen Nachbarn mitbringen?"

Verbraucherschützer raten dazu, einen Zeugen mit zum Gespräch zu nehmen. Eine unabhängige Person kann hinterher bezeugen, was besprochen wurde. Wenn das dem Berater nicht passt oder er versucht, dies zu verhindern, sollten Kunden misstrauisch werden.

Bild: dpa

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) tüftelte seit Monaten an einem Weg für Griechenlandanleger, ihr Geld zurückzuholen. Wer nämlich vor Ausbruch der europäischen Schuldenkrise auf griechische Staatsanleihen gesetzt hat, verlor bei der mehr oder weniger freiwilligen Umschuldung, also dem Schuldenschnitt, mitunter eine ganze Menge Geld. Die DSW spricht von immensen Verlusten. Dem Tausch widersprechen konnten Privatanleger nicht. Die privaten Gläubiger mussten auf 53,5 Prozent des Nennwertes der von ihnen gezeichneten Staatsanleihen verzichten, sagt Dirk Unrau, DSW-Landesgeschäftsführer für Hamburg und Schleswig-Holstein. Für die restlichen 46,5 Prozent des Nennwertes bekamen die Gläubiger neue Staatsanleihen und Schuldscheine. "Wirtschaftlich war dies für die Anleger äußerst nachteilig, da insbesondere die neuen Staatsanleihen eine Laufzeit von 10 bis 30 Jahren haben", so Unrau.

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Appell an die Banken

Unrau ärgert sich aber nicht nur über das schlechte Geschäft, dass Anleger mit den "alten" Griechenlandbonds gemacht haben. Ihn stört auch die steuerliche Behandlung der jetzt fällig gewordenen ESFS-Papiere, die von den Steuerbehörden als Finanzinnovation bewertet würden. Da viele Banken den Einstandskurs dieser Papiere mit Null Euro angeben, müssten die betroffenen Anleger den vollen Verkaufspreis versteuern. Wer für Null Euro kauft und für 20 Euro verkauft, hat schließlich 20 Euro Gewinn gemacht. "Wir können nur an die Banken appellieren, die ihren Kunden diese "Null-Lösung" zumuten, endlich damit aufzuhören und den ersten Kurs als Einstandspreis zu übernehmen", so Unrau.

Erste Klagen schon im Juli

Was die Zwangsumschuldung bei griechischen Anleihen anbelangt, prüfte die DSW bereits im Juli die Klagemöglichkeiten für Betroffene. Kurz darauf flatterten der Commerzbank die ersten Klagen ins Haus. Wer beweisen konnte, dass er sichere Anlageprodukte haben wollte und vom Berater die spekulativen Griechenlandanleihen aufgeschwätzt bekam, der hatte schon vor drei Monaten gute Chancen auf eine Entschädigung. Wer allerdings Zertifikate und Aktien im Depot hatte, hatte durchaus Probleme, nachzuweisen, dass er ein sicherheitsorientierter Rentenanleger ist.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (Sdk) hat bereits Ende Mai eine Klage vor dem obersten Verwaltungsgerichtshof in Griechenland eingereicht. Aktuell prüft die Sdk Klageansätze gegen die Depotbanken sowie eine internationale Schiedsgerichtsklage. "Wir haben uns in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, dem Ansatz der Kanzlei CLLB zu vertrauen, da dieser unser am aussichtsreichsten erscheint", sagt Daniel Bauer von der SdK.

Die auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Münchner Kanzlei CLLB Rechtsanwälte hat in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl von Anlegern Argentinischer Staatsanleihen gerichtlich vertreten. Die Kanzlei prüft, ob Anleger, wie im Falle der Commerzbank, falsch beraten worden sind. Außerdem prüfen die Rechtsanwälte, ob der vereinbarte Schuldenschnitt überhaupt mit den deutsch- griechischen Investitionsschutzabkommen vereinbar ist.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.10.2012, 13:45 UhrMoneyControl

    Ich halt's nicht aus!
    Da wird ein Schuldenschnitt gemacht, damit Griechenland entlastet wird und dann soll dagegen geklagt werden, damit Griechenland seine Schulden nun doch - in Form von Strafe - zahlen muss. Dann hätte man sich den Schuldenschnitt auch sparen können...
    Und da Griechenland nicht zahlen kann, wer finanziert das? Ich vermute mal wieder die Deutschen, u.a. die Kläger.
    Merkt ihr eigentlich noch was?!

  • 05.10.2012, 23:12 UhrAlfred_Neumann

    Liebe Leute, wer ein ganz, ganz wenig wirtschaftlichen Sachverstand hat, muss wissen, dass die europäischen Staaten - von den Bundesrepublik bis zu Griechenland - bankrott sind. Da wird nichts an wohl gut gemeinten, aber völlig aus den Fugen geratenen Sozialsystemen korrigiert, die wir uns einfach nicht mehr leisten können, sondern nur die Kreditkarte gezückt und die Schulden weitergerollt. Wer so saublöd ist, dafür Geld herzugeben, ist selbst schuld ! DAS ist die simple Erklärung der so mysterieusen Schuldenkrise. Scheck- und Wechselreiterei funktionieren halt nicht lange, der Schneeball holt alle ein.

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