ATU: Forsches Tempo

Nicht, dass Karsten Engel etwas gegen schönes Wetter hätte, aber der zurückliegende milde Winter hat den Chef von Auto-Teile-Unger (ATU) fast zur Verzweiflung getrieben. Mangels Schnee wollte kaum jemand Winterreifen kaufen. Die übrig gebliebenen wird Engel wohl in der nächsten Saison an den Mann bringen müssen.

Bezahlt hat er sie schon, weshalb das Ergebnis der Autozubehör- und Werkstattkette für 2006 um einen zweistelligen Millionenbetrag niedriger ausfiel als geplant. Genaue Umsatzprognosen will sich Engel deshalb künftig verkneifen. Dennoch: Dem Expansionstempo von ATU soll der Rückschlag nicht ernsthaft schaden. In diesem Jahr entsteht die erste Filiale in der Schweiz. In fünf anderen europäischen Ländern ist die Kette bereits vertreten. Bis 2013 soll das ATU-Netz von derzeit 600 auf 1000 Filialen wachsen. Der Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), in deren Besitz ATU seit Sommer 2004 ist, kann das forsche Tempo nur Recht sein. Man sei „sehr zufrieden“ heißt es bei KKR. In ein bis zwei Jahren könne die Autowerkstattkette reif für die Börse sein, auch wenn KKR das offiziell nicht bestätigen will. Eigentlich sollte ATU schon seit 2004 gelistet sein. So sah es zumindest der Plan des damaligen Haupteigners Doughty Hanson vor – ebenfalls ein Finanzinvestor. Obwohl das Unternehmen eine beeindruckende Wachstumsstory und glänzende Perspektiven vorzuweisen hatte, klappte es im Juni 2004 nicht mit dem geplanten Börsendebut. In letzter Minute sagte Doughty Hanson ab. Hintergrund: Großinvestoren wie Fondsmanager und Pensionskassen, die die Aktie zeichnen sollten, saßen 2004 am längeren Hebel. Sie diktierten die Preise der neuen Aktien fast nach Belieben und zwangen etliche Börsenaspiranten, sich billig zu verkaufen. Doughty Hanson hatte ATU 2002 von Gründer Peter Unger dem Vernehmen nach für rund 600 Millionen Euro übernommen und wollte 2004 den Einsatz durch den Börsengang glatt verdoppeln. Das war zu viel. Die institutionellen Investoren stießen sich an den hohen Finanzschulden von 894 Millionen Euro bei nur 1,1 Milliarden Euro Jahresumsatz, die zum Großteil aus dem mit Fremdkapital finanzierten Kauf durch Doughty Hanson stammten. Die Finanzinvestoren bürden diese Schulden in der Regel den gekauften Unternehmen auf. Außerdem hatte Doughty Hanson – anders als KKR heute – an der Börse einen schlechten Ruf; viele seiner Emissionen waren kurz nach dem Gang aufs Parkett ins Trudeln geraten. Doughty fand schließlich in KKR einen Käufer aus der eigenen Zunft. KKR bezahlte 1,45 Milliarden Euro und damit mehr, als in der damaligen Anti-Doughty-Stimmung im günstigsten Fall an der Börse hätte erlöst werden können. Allerdings wurde die Schuldenlast durch den erneuten Verkauf nicht eben kleiner: So erhöhten die Kosten des gescheiterten IPOs, im wesentlichen Gebühren für Banken, Investor-Relations-Agenturen und Anwälte die Schulden zunächst um weitere 72 Millionen Euro auf 965 Millionen Euro. Derzeit beträgt die Gesamtschuldenlast noch etwa 714 Millionen Euro. ATU-Geschäftsführer Engel lässt dennoch nichts auf den angelsächsischen Investor kommen. Vor allem die KKR-Beratungstochter Capstone habe dem Unternehmen auf die Sprünge geholfen, sagt Engel. So verordneten die Berater dem Unternehmen ein neues EDV-System, dessen Einsatz die Lagerhaltungskosten um 15 Prozent senkte. Capstone stellte auch den Kontakt zu der US-Werkstattkette Autozone her, an der KKR lange Jahre beteiligt war und die ein beeindruckendes Wachstums hingelegt hatte. „Von Autozone konnten wir einiges lernen“, sagt Engel. Außerdem habe ATU durch das globale Netzwerk des Finanzinvestors auch im Einkauf profitiert. Der hohe Schuldenberg dagegen macht Engel erstaunlich wenig Sorgen. „Unser Wachstum wird ausschließlich aus dem Cashflow finanziert“. Und bei der Tilgung, sagt Engel, liege man sogar deutlich über Plan und werde das wohl auch in diesem Jahr wieder schaffen. „Wir werden 2007 wieder einen Rekordumsatz haben“, sagt der Firmenchef. „Wir sind schon jetzt 3,5 Prozent über Vorjahr.“ Schon wieder eine Prognose. So ganz kann er es nicht lassen.

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