Bankgeheimnis: Die weltweite Jagd auf Steuersünder

Bankgeheimnis: Die weltweite Jagd auf Steuersünder

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Fürstentum Monaco: Schätzungen zufolge horten Deutsche in Steuerparadiesen wie dem Fürstentum 485 Milliarden Euro

Ob Schweiz, Monaco oder Karibik: Das Bankgeheimnis steht weltweit vor dem Aus. Tausende Steuerflüchtlinge und Inhaber von Schwarzgeld-Konten planen deshalb Selbstanzeigen – und hoffen auf eine neue Steueramnestie. Was Anleger erwartet, was noch erlaubt ist.

Der Leser mit dem schwäbischen Akzent ist hörbar nervös und hat gleich mehrere Fragen. „Welche Länder liefern denn künftig Informationen über Bankkonten nach Deutschland?“, will er wissen. Und ob schon feststehe, wann es so weit sei? Den Grund für sein Interesse verrät der Mann nicht. Nur so viel: Er rufe im Auftrag eines Bekannten an.

Wie dem – vermeintlichen – Bekannten des Schwaben ergeht es derzeit Tausenden Anlegern. Seit Steuerparadiese von der Schweiz bis Singapur im März angekündigt haben, ihre strengen Bankgeheimnisse aufzuweichen, geht unter Steuerhinterziehern die Angst um, dass ihre heimlichen Konten und Depots im Ausland entdeckt werden. Dann drohen hohe Steuernachzahlungen und empfindliche Strafen.

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Zahlreiche Betroffene denken deshalb jetzt darüber nach, sich selbst anzuzeigen. Auf diese Weise kämen sie zumindest straffrei davon. „Das Interesse an Beratungen zu Selbstanzeigen ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen“, berichtet Steueranwalt Jörg Alvermann von der Kanzlei Streck Mack Schwedhelm. Er rät Mandanten, die aktuellen Entwicklungen zum Anlass zu nehmen, reinen Tisch zu machen: „Das Entdeckungsrisiko ist bereits massiv gestiegen und wird weiter steigen.“

Weltweite Allianz zur Jagd auf Steuerflüchtlinge

Es geht um viel Geld: Einer Schätzung der Unternehmensberatung BBW zufolge bunkern deutsche Steuerflüchtlinge 485 Milliarden Euro im Ausland. Ein Großteil davon liegt in den bisherigen Alpenbastionen Schweiz, Liechtenstein und Österreich. Noch Anfang 2008 glaubten viele, Schwarzgeld sei dort sicher, das Bankgeheimnis zwischen Zürich und Wien schien unantastbar. Und besonders Vorsichtige, die sich im zusammenwachsenden Europa doch nicht mehr sicher fühlten, brachten ihr Geld eben nach Singapur, Hongkong oder auf die Cayman Islands in der Karibik.

Doch dann standen im Februar 2008 plötzlich Steuerfahnder vor der Tür des damaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel. Die Razzia in Köln-Marienburg war der Auftakt zu einer weltweiten Fahndungswelle gegen Tausende Kunden der Vaduzer LGT-Bank, die der Öffentlichkeit vor Augen führte, dass betuchte Anleger im großen Stil vor der Steuer flüchten – und dass Banken aus Steuerparadiesen ihnen bereitwillig dabei helfen. Da die Finanzkrise zeitgleich riesige Löcher in die Staatshaushalte riss, formierte sich schnell eine internationale Allianz zur Jagd auf Steuerflüchtlinge und zum Kampf gegen Steueroasen.

Bereits vergangenen September war deshalb absehbar, dass das Schweizer Bankgeheimnis vor dem Aus steht. Nur sechs Monate später ist es so weit: Die Schweiz und zahlreiche andere Finanzzentren haben angekündigt, enger mit ausländischen Steuerfahndern zu kooperieren. „Dass es so schnell geht, hat selbst Fachleute überrascht“, sagt Steueranwalt Alvermann.

Mit ihren schnellen Zugeständnissen wollten die Finanzzentren verhindern, auf einer Liste unkooperativer Länder zu landen, denen harte Sanktionen von USA und Europäischer Union (EU) drohen. Das misslang: Die 20 mächtigsten Staats- und Regierungschefs (G20) ließen die gefürchtete Liste Anfang April von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichen und verkündeten in der Abschlusserklärung zum Londoner Weltfinanzgipfel: „Die Ära der Bankgeheimnisse ist vorbei.“

Immerhin fanden sich die Schweiz & Co. nur auf dem grauen Teil der „schwarzen Liste“ wieder. Die Botschaft war klar: Den Versprechen müssen bald Taten folgen. Der schwarze Teil bestand zunächst aus vier Staaten, doch am 7. April sicherten auch Costa Rica, die Philippinen, Uruguay und Malaysia flugs eine engere Kooperation zu – und wurden daraufhin von der OECD von der schwarzen in die graue Zone der Liste befördert.

Angst vor der OECD-Liste

Die Liste war auf heftige Kritik gestoßen. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich verärgert, dass sein Land als OECD-Mitglied nicht vor der Veröffentlichung informiert worden war. Zudem seien die Kriterien für die Unterscheidung „weißer“, „grauer“ und „schwarzer“ Staaten schwammig. Wohl wahr: Britische Territorien wie die Kanalinsel Jersey und die Isle of Man sind „weiß“, obwohl sie erst wenige internationale Abkommen abgeschlossen haben. Und die chinesisch verwalteten Finanzzentren Macao und Hongkong, die bisher keine Zugeständnisse, sondern nur Versprechungen gemacht haben, stehen gar nicht auf der Liste.

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