Cognis: Schulden machen

Es begann schon schlecht: Ausgerechnet am 11. September 2001, dem Tag des Terrors, wollten die Finanzinvestoren Permira und Goldman Sachs den Kauf von Cognis, der ehemaligen Henkel-Chemie, besiegeln. Der Düsseldorfer Konzern trennte sich von seinem Chemiegeschäft, da es nicht mehr ins Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoff-Portfolio passte. Im November war der Vertrag perfekt. Ziel der Investoren war es damals, Cognis binnen drei bis vier Jahren an die Börse zu bringen.

Sechs Jahre später gehört die ehemalige Henkel-Chemie freilich immer noch zu Permira und Goldman Sachs. Den angekündigten Börsengang hat es nie gegeben. Ein Verkauf ist vor einigen Monaten am Preis gescheitert; als potenzielle Interessenten galten Konzerne wie BASF und Dow Chemical sowie die Finanzinvestoren Blackstone, Bain und Apollo. Die Gewinne des Unternehmens fallen derzeit – trotz guter Chemiekonjunktur – eher mäßig aus. Und das, obwohl die Monheimer einer durchaus pfiffigen Idee folgen: Cognis verarbeitet nachwachsende Rohstoffe wie Kokos- oder Palmöl zu Zwischenprodukten für die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie – dazu zählen etwa cholesterinsenkende Pflanzensterine, wie sie in der Margarine „Becel pro-activ“ enthalten sind. Warum schwächelt Cognis trotzdem? Ein wichtiger Grund: Die Investoren haben dem Unternehmen zu Beginn ihres Engagements hohe finanzielle Belastungen auferlegt. 2,5 Milliarden Euro zahlten Permira und Goldman Sachs vor sechs Jahren für Cognis. Davon kamen aber nur 450 Millionen Euro aus eigenen Mitteln – den Rest bürdeten sie dem Unternehmen als Schulden auf. Sie gönnten ihren Kapitalgebern Sonderdividenden und finanzierten diese über neue Anleihen. Nebenher strichen Goldman und Permira noch Beratungshonorare in Millionenhöhe ein. „Die rasche Rekapitalisierung war im Interesse der Finanzinvestoren, aber die dadurch resultierende Verschuldung birgt eben auch Risiken für das Unternehmen und seine Beschäftigten“, sagt Betriebsratschef Thomas Hergarten, der das Engagement von Permira und Goldman „kritisch“ sieht. Cognis mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro musste kurz nach der Übernahme durch die Finanzinvestoren Kredite in Höhe von 1,8 Milliarden Euro bedienen. Bald fielen Verluste an, die stolze Eigenkapitalquote von deutlich über 30 Prozent sank kontinuierlich. Schließlich hatte Cognis zeitweise mehr Schulden als Vermögen. Thomas Jetter, der bei Permira verantwortliche Partner, wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf das Unternehmen finanziell ausgeblutet zu haben: „Das operative Geschäft wurde nicht belastet. Unter unserer Ägide ist sogar mehr investiert worden als zu Henkel-Zeiten.“ „Ich hatte nie das Gefühl, wir hätten ein Liquiditätsproblem“, sagt auch Vorstandschef Antonio Trius. „Die Investitionen waren immer signifikant höher als die Sachanlagen-Abschreibungen.“ In den vergangenen Jahren seien mehr als ein Dutzend neue Anlagen gebaut worden. Potenzielle Käufer konnte dies freilich nicht überzeugen, mehr als drei Milliarden Euro – wie von Permira und Goldman gefordert – zu bezahlen. Zumal Cognis 2005 einen Verlust von 136 Millionen Euro auswies. Nun will sich Cognis von zwei schwächeren Geschäftsbereichen trennen, um das Unternehmen doch noch verkaufen zu können. Übrig bleibt dann vor allem das wachstumsträchtige Kerngeschäft mit der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie. In der Branche heißt es, dass Degussa und Rhodia interessiert sein könnten. Betriebsratschef Hergarten hofft allerdings immer noch auf einen Börsengang: „Das ist für die Mitarbeiter allemal besser als ein Verkauf an weitere Finanzinvestoren oder einen Käufer aus der Branche, der dann gleich wieder Synergien heben will. Und ein anderer Finanzinvestor möchte sein Geld gleich wieder rekapitalisieren. Das kennen wir ja nun schon.“

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