Corporate Governance: Welche Erwartungen sich im Fall Hoeneß stellen

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Corporate Governance: Welche Erwartungen sich im Fall Hoeneß stellen

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Gegen den Präsidenten des FC Bayern München Uli Hoeneß ist Anklage erhoben worden.

Im März werden die Steuervergehen von FC Bayern München-Präsident Uli Hoeneß vor Gericht verhandelt. Mit der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens stellt sich vor allem die Frage: Was ist der richtige Weg im Umgang mit dieser Affäre?

Gegen den Präsidenten des FC Bayern München Uli Hoeneß ist Anklage erhoben worden. Es geht hier an dieser Stelle nicht um den Menschen Hoeneß, seine unleugbaren Erfolge und Verdienste, sondern um die Frage: „Was ist der richtige Weg im Umgang mit dieser Affäre“? Auch für Hoeneß gilt die Unschuldsvermutung In dubio pro reo (lat. „Im Zweifel für den Angeklagten“) bis zum Schluss. Was ihn angeht, wäre er aus Sicht des Autors gut beraten, gerade wegen seiner Verdienste seine Ämter beim FC Bayern für einige Zeit bis zur Klärung des Vorganges ruhen zu lassen.

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Eine solche klare Entscheidung wäre auch im Interesse des Clubs und seiner Spieler, da diese Angelegenheit sicherlich auch in den nächsten Monaten noch mediale Wellen schlagen wird. Des weiteren wäre es auch ein klares Signal innerhalb einer Sportart, die in den letzten Monaten immer wieder für Schlagzeilen sorgte durch manipulierte Spiele und Wettskandale.

Der FC Bayern ist aber nicht nur ein eingetragener Verein mit Uli Hoeneß als Präsident, sondern auch eine AG, ebenfalls mit Herrn Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender. Er übt nicht nur eine Kontrollfunktion aus, sondern unterliegt somit auch dem KonTraG, dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich.

Solange die Vorwürfe gegen Herrn Honess nicht abschliessend geklärt sind, wird dessen Verbleib als Vorsitzender des Aufsichtsrates der FC Bayern München AG wird durch Spezialisten für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität wie Robert Kilian, Vorsitzender des Deutschen Chapters der Association of Certified Fraud Examiners e.V. als höchst problematisch eingestuft.

Wie aber gehen die weiteren Wirtschaftsbeteiligten wie z.B. auch Sponsoren und Aktionäre mit dieser Affäre um? So ist der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG einvernehmlich der Meinung, dass Uli Hoeneß das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG trotz der nun erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens weiter ausüben soll.

Uli Hoeneß muss vor Gericht Der Schachzug der Räte

In der Steuer-Affäre um Uli Hoeneß, den Präsidenten des FC Bayern München, reicht der prominent besetzte Aufsichtsrat des Bundesligisten den Druck nach der Anklageerhebung weiter an seinen Vorsitzenden.

Uli Hoeneß Quelle: dpa

Ein eiligst eingeholtes Rechtsgutachten betont, dass die im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG vertretenen Vorstandsmitglieder von deutschen Groß-Unternehmen für eine "zero tolerance"-Politik gegenüber Herrn Hoeneß sorgen müssten, fehlerhaft sei. Eine solche Verpflichtung gebe es selbst in börsennotierten Aktiengesellschaften nicht, und schon gar nicht gebe es sie im Hinblick auf Pflichtverletzungen im Privatbereich.

Des weiteren sehe das Gesetz für Mitglieder des Aufsichtsrats kein Amtsverbot wegen einer strafrechtlichen Verurteilung vor. Im Gegenteil: so gebe es hinreichend Beispiele für Fälle, in denen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder selbst börsennotierter Gesellschaften ihr Mandant behalten haben, obwohl diesen Vorwürfe gemacht wurden, in anderen Lebensbereichen strafrechtliche Pflichten verletzt zu haben. Auch dies ist wieder juristisch richtig.

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Aber ist es ethisch?

Dieser Frage müssen sich verschiedene Mitglieder des Aufsichtsrates, auch angesichts ihrer Verantwortung in ihren Unternehmen und deren Mitarbeitern gegenüber, stellen: Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender der Adidas AG, Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, Timotheus Höttges, Vorstand Finanzen und Controlling der Deutschen Telekom AG, Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und der Porsche Automobil Holding SE.

Sowohl die Audi AG als auch die Adidas AG kontrollieren jeweils 9,1% der Anteile der FC Bayern München AG, sind also direkt eingebunden. Und die Sponsoren Volkswagen und Deutsche Telekom  sowie Audi und Porsche machen bei dem Thema „Corporate Governance“ intern auch keine Kompromisse.

Ob hier nicht die Glaubwürdigkeit einer eigenen Corporate-Governance-Politik untergraben wird, ist die zentrale Frage, die durch das Rechtsgutachten nicht abgedeckt wurde. Diese Frage gilt es schnellstens zu beantworten, auch um eine Bagatellisierung solcher Vorgänge potentieller Oberschichtenkriminalität entgegenzuwirken. Ansonsten drängt sich der Verdacht auf, dass Corporate Governance für die Kleinen ein Fallbeil und für die Großen ein Feigenblatt ist.

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