Das Geschäft mit den Adelstiteln: Was der Billig-Baron aus dem Internet taugt

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Das Geschäft mit den Adelstiteln: Was der Billig-Baron aus dem Internet taugt

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Gräfin, Baron oder Junker: Einen Adelstitel gibt es schon für kleines Geld im Internet.

von Lisa Oenning

Für zwölf Euro können Verbraucher im Internet Adelstitel kaufen – die Händler versprechen private und berufliche Vorteile. Was die Namenszusätze den Käufern wirklich bringen und was der echte Adel davon hält.

Alle Tische im Restaurant sind reserviert. Doch sobald Sie einen Platz fordern, wird ein Tisch frei. Im Hotel gibt es beim Check-In plötzlich einen höheren Service zum gleichen Preis. Und im Flugzeug sitzen Sie zwar anfangs in der zweiten Klasse – aber als das Bordpersonal Ihren Namen erfährt, führt es Sie sofort in die First Class.

Um diese Sonderbehandlung zu genießen, muss man offenbar nicht einmal eine Person des öffentlichen Lebens oder der Chef eines großen Unternehmens sein: Es genügt, einen Adelstitel für kleines Geld im Internet zu kaufen. Zumindest wollen die zahlreichen Anbieter dieser Titel das Glauben machen. "Sie werden die Vorzüge des Titels Graf zu schätzen lernen", wirbt ein Anbieter bei Amazon, der nicht nur dort mehrere Titel verkauft, sondern auch auf anderen Internetseiten immer wieder als Betreiber im Impressum aufgeführt ist.

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Große Auswahl zum kleinen Preis

Die Auswahl im World Wide Web ist groß: Egal ob deutsche, irische oder schottische Namenszusätze – Titel wie Graf von Wilhelmsburg, Lord of Kerry oder Herzog von Meranien sind nicht nur in diversen Internetshops, sondern auch auf den Marktplätzen Ebay und Amazon schon ab zwölf Euro erhältlich. Zum Titel des niederen Adel dazu gibt es bei den meistern Händlern das Wappen auf einer Urkunde, eine historische Karte, angeblich gesellschaftliche Vorteile und bei manchen Anbietern auch "historisch authentische Dokumente".

Denn viele Verkäufer werben damit, dass es sich bei den speziellen Namenszusätzen um "echte Titel vormals real existierender Familien" handelt, die solange ruhen, bis jemand anderes sie beanspruche. "Dadurch, dass wir diesen Titel anbieten und es außer uns keinen Rechteinhaber an den Namen gibt, können wir Sie in den Kreis der Adelstitelträger aufnehmen", wirbt der Anbieter, der auf mehreren Plattformen Titel vertreibt. Auf die Anfrage, woher er die Rechte für die Titel hat, hat er trotz mehrfacher Anrufe und E-Mails bis Redaktionsschluss nicht geantwortet.

Die Betreiber des Internetshops adelstitel-kauf.eu versichern auf unsere Anfrage, dass sie nur Namen von Adelsgeschlechtern nutzen, die keine lebenden Nachkommen mehr haben. "Viele der Namen werden als Markenname beim Patentamt angemeldet. Somit ist der Erwerb dieser Adelstitel und Namen durch uns erklärt", heißt es in einer schriftlichen Antwort. Zahlen über Umsätze und Bestellhäufigkeit wollen die Betreiber nicht nennen. Nur so viel: "Es bestellen mehrere Personen in der Woche Adelstitel bei uns."

Die meisten Anbieter sichern sich rechtlich ab, indem sie darauf verweisen, dass die Titel allenfalls als Zusatz zum bürgerlichen Namen genannt werden dürfen. "Die echten Titel sind nur durch Adoption, Heirat oder Erbfolge erlangbar."

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Warum Kunden nur mit einem schnöden „Prof.“ oder „Dr.“ begrüßen, wo es doch so schöne Titel wie „Baronesse“, „Lord“ oder „Kurfürstin“ gibt? Karstadt jedenfalls übt sich in standesgemäßer Ansprache.

Eingang des Karstadt-Warenhauses in Düsseldorf Quelle: dpa

Dass der Adel heute keinen vorberechtigten Stand mehr hat, das verschweigen viele Anbieter. Seit Inkrafttreten der Weimarer Verfassung im Jahr 1919, durch die der Adel als vorberechtigter Stand abgeschafft wurde, gibt es den Adelstitel als Namensteil, der anderen Rechtsregeln als bürgerliche Namen unterliegt, nicht mehr. "Seit der Aufhebung des Adels sind die Titel nun Bestandteile des bürgerlichen Namens wie Meier und Müller es sind. Sie unterliegen den gleichen Rechtsregeln", sagt Rechtsanwalt Karl Friedrich Dumoulin, der sich in seiner Dissertation mit der Adelsbezeichnung im deutschen und ausländischen Recht befasst hat.

Soll also heißen: Bürgerliche Namen werden durch Adoption, Heirat oder Erbfolge weitergegeben – und genauso funktioniert die Weitergabe von Adelstiteln. Während in Österreich die Adelstitel vollkommen abgeschafft wurden, ist es in Großbritannien üblich, dass nur der Erstgeborene den adeligen Namenszusatz erhält.

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Ein Doktorand setzt sich bei der Titelverleihung den Doktorhut auf Quelle: dpa

Michael Hartmann, früherer Professor für Elite- und Organisationssoziologie an der TU Darmstadt, schätzt, dass es in Deutschland noch 80.000 Angehörige mit angeborenem Adelstitel gibt. Dass der Adelstitel in Deutschland noch vorkommt, ist das Ergebnis eines historischen Kompromisses: "Man ließ den Angehörigen des vormaligen Adels zumindest ihre Bezeichnung, um sie nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen", weiß Dumoulin. Schließlich waren sie es über Jahrhunderte gewohnt, einer exklusiven sozialen Gruppe anzugehören, die über ihre Mitmenschen herrschte und eine Vielzahl an Vorrechten genoss.

Auch heute noch gibt es adelige Familien, die in der Öffentlichkeit als eine eigenständige soziale Schicht wahrgenommen und hoch angesehen werden. Laut Hartmann trifft dieses Phänomen vor allem noch auf den Hochadel zu, der an seinen alten Strukturen festhalte, getreu dem Motto "Hektar kommt zu Hektar". "Es ist immer noch üblich, dass die reichen Adelsangehörigen mit einem hohen Grundbesitz untereinander Ehen schließen", sagt Hartmann.

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