Erbrecht 2010: Das neue Testament

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Testament - der letzte Wille: 85 Prozent der Testamente enthalten Fehler und Widersprüche

von Daniel Schönwitz

Am 1. Januar 2010 tritt das neue Erbrecht in Kraft – ein guter Anlass, endlich das Familienerbe zu regeln. Denn wer frühzeitig Vermögen überträgt und ein wasserdichtes Testament verfasst, erspart seinen Lieben Ärger mit ungeliebten Verwandten und dem Fiskus. Was Familien wissen sollten.

Manch einer würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was nach seinem Tod geschieht. Da zerren Verwandte einander vor Gericht, fechten Testamente an oder räumen heimlich die Wohnung des Verstorbenen leer – 27 Prozent der Erbfälle lösen Streitigkeiten in der Familie aus, ergab eine Umfrage der Anwaltsvereinigung Deutsches Forum für Erbrecht.

Miese Tricks, Klagen und Intrigen sind keineswegs notorisch zerstrittenen Sippschaften vorbehalten. Zoff gibt’s auch in zuvor friedlich-harmonischen Familien. Gerade Geschwister werden oft zu unerbittlichen Kontrahenten: „Nach dem Tod eines Elternteils brechen häufig jahrelang unterdrückte Konflikte hervor“, sagt Psychologie-Professor Hartmut Kasten von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Geschwister leben in einer unbewussten Rivalität um die Gunst der Eltern. Viele empfinden Neid oder Eifersucht, ohne sich das klarzumachen“, erklärt Kasten. Fühlten sie sich auch noch beim Erbe benachteiligt, käme es schnell zu einem „wahren Hauen und Stechen“ um den Nachlass.

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Schuld sind in der Regel aber nicht nur Emotionen. Meist bereiten gravierende Fehler des Verstorbenen den Boden für solche Familienfehden. Ob aus Schludrigkeit oder weil es unangenehm ist, sich mit dem eigenen Tod zu befassen: Viele machen kein Testament oder leisten sich bei dessen Formulierung grobe Schnitzer. Zudem versäumen es Familienoberhäupter oft, die Familie einzubinden. Wer die Vermögensübergabe im stillen Kämmerlein plant, hinterlässt anstelle guter Erinnerungen aber vielfach unklare Regelungen, böse Überraschungen und jede Menge Konfliktpotenzial.

Neues Erbrecht hat weitreichende Folgen

Das vom 1. Januar 2010 an geltende neue Erbrecht schafft jetzt neue Möglichkeiten, Konflikten vorzubeugen. So können zum Beispiel Eltern durch Schenkungen sicherstellen, dass das Vermögen tatsächlich bei denen landet, für die es gedacht ist. Familien sollten die Reform zum Anlass nehmen, endlich über den Nachlass zu reden oder bereits verfasste Testamente zu überprüfen – und auf diese Weise dafür sorgen, dass der Letzte Wille mehr wert ist als das Papier, auf dem er steht.

Testament: 85 Prozent enthalten Fehler und Widersprüche

Die wichtigste Änderung am 1. Januar: Schenkungen in den letzten zehn Jahren vor dem Tod gehören nicht mehr voll zum Erbe. Das klingt unspektakulär, hat wegen des komplexen deutschen Erbrechts aber weitreichende Folgen. Ein Beispiel: Wenn ein Vater seiner Tochter ein Haus schenkte, musste er bisher hoffen, dass er noch mindestens zehn Jahre lebt. Denn ein Tod vor Ablauf der Frist hätte dazu geführt, dass das Haus trotzdem voll zu seinem Erbe zählt – mit der Folge, dass enge Verwandte von der Tochter im Streitfall einen Anteil fordern könnten.

Ursache ist das strenge „Pflichtteilsrecht“, demzufolge engen Angehörigen – in erster Linie Ehegatten und Kindern – auch dann ein Teil des Erbes zusteht, wenn der Verstorbene sie im Testament nicht bedacht hat. Dieser „Pflichtteil“ variiert je nach Zahl enger Angehöriger (siehe Beispiele oben) und gilt eben nicht nur für den Nachlass selbst, sondern auch für Schenkungen innerhalb der Zehnjahresfrist.

Neues "Abschmelzmodell"

Wenn das Haus im Beispielfall 500.000 Euro wert wäre und der Verstorbene neben der Tochter einen enterbten Sohn hinterließe, könnte dieser von seiner Schwester 125.000 Euro fordern. Hinzu kämen Pflichtteilsansprüche auf den Nachlass selbst.

Doch mit der Zehnjahresphase ist in knapp drei Wochen Schluss. Bei Todesfällen ab Januar greift das neue „Abschmelzmodell“: Nur Schenkungen im Jahr vor dem Tod zählen dann voll zum Erbe. Geschenke im zweiten Jahr fließen nur noch zu 90 Prozent ein, solche im dritten Jahr zu 80 Prozent – und wenn im elften Jahr vor dem Tod geschenkt wurde, zählt das schließlich gar nicht mehr. „Das ist ein erheblicher Fortschritt“, sagt Claus-Henrik Horn, Fachanwalt für Erbrecht in Düsseldorf. „Auch für Betagte lohnt es sich jetzt, durch vorzeitige Schenkungen dafür zu sorgen, dass das Vermögen wirklich da landet, wo es hin soll.“

Anwälte sehen Reform positiv

Stephan Scherer, Partner der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz, bewertet die Abkehr vom Alles-oder-nichts-Prinzip ebenfalls „rundweg positiv“. „Das Problem beim Pflichtteil ist, dass Erben ihn umgehend auszahlen müssen“, so Scherer. Selbst wohlhabende Erben von Immobilien oder Unternehmen seien dafür aber oft nicht liquide genug. „Durch die Reform sinkt die Gefahr, dass Erben eine zu Lebzeiten übertragene Firma oder Immobilie verkaufen müssen, um den Pflichtteil auszuzahlen.“

Dass der Pflichtteil eingeklagt wird, ist beileibe keine Seltenheit. Besonders konfliktträchtig sind Erbfälle, bei denen der oder die Verstorbene zum zweiten Mal verheiratet war und Kinder aus erster Ehe hinterlässt. „In solchen Fällen war der Verstorbene oft das einzige Bindeglied“, sagt Psychologe Kasten. Wenn er nicht mehr da sei, gebe es schnell Streit zwischen den Kindern auf der einen und der Stiefmutter oder dem Stiefvater auf der anderen Seite.

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