Erbschaftsstreit: Wenn das Erbe aus Familien Feinde macht

Erbschaftsstreit: Wenn das Erbe aus Familien Feinde macht

Übers Erben wird in Deutschland nicht gern gesprochen. Die Autorin und Journalistin Julia Friedrichs tut es trotzdem. Die Ergebnisse ihrer Recherche hinterlassen ein unbehagliches Gefühl.

Eine gewaltige Erbschaftswelle rollt auf Deutschland zu: Zwischen zwei und vier Billionen Euro werden in den nächsten Jahren den Besitzer wechseln. Das Erbe der Wirtschaftswundergeneration wird weitergereicht. Es entsteht die reichste Erbengeneration aller Zeiten. Doch die Erbschaften sind ausgesprochen ungleich verteilt. Hinter den objektiven Zahlen verbirgt sich eine gigantische Unwucht. Denn einige wenige erben riesige Vermögen, viele nur überschaubare Beträge, und ein großer Teil - etwa die Hälfte der Bevölkerung - wird überhaupt nichts erben, vor allem im Osten.

Julia Friedrichs (35) veranschaulicht die Ungleichheit der Vermögen in ihrem Buch „Wir Erben“ an einem plastischen Beispiel: Auf einer Party werden zehn Kekse per Los an Kinder verteilt. Das erste Kind darf sich allein sechs Kekse nehmen - es steht für den reichsten Teil der Bevölkerung. Die Kinder mit den schlechten Losnummern sechs bis zehn bekommen nur ein Zehntel des letzten Kekses. Was wird aus einem Land, in dem ein Großteil des Reichtums vererbt wird? Widerspricht solch mühelos erlangtes Vermögen, das allein dem Zufall der Geburt entspringt, nicht dem Leistungsgedanken, einem Fundament unserer Demokratie? Sind wir auf dem besten Weg in einen „feudalistischen Kapitalismus“? Und droht eine solche Erbengesellschaft nicht zu erstarren, ihren Ansporn und ihre Vitalität zu verlieren? Das sind brennende Fragen, die eigentlich alle angehen.

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Umso erstaunlicher ist, dass über das Erben in der Öffentlichkeit nicht gerne gesprochen wird. Es ist ein heißes Eisen. Das wird Julia Friedrichs bei ihrer zweijährigen Recherche immer wieder klar. Die Journalistin kennt sich aus. Vor ein paar Jahren schrieb sie ein Buch über die Elite, die Mächtigen von morgen. Schon da machte sie die Erfahrung, dass Reichtum im Gegensatz zu Armut in Deutschland kaum erfasst ist, sondern sich die wirklich Vermögenden von der Allgemeinheit abschotten. Bei ihrem Versuch, mit reichen Erben in Kontakt zu kommen, sammelt Friedrichs reihenweise Absagen.

Wie Betriebsnachfolger ihren Steuervorteil selbst berechnen können

  • 1. Schritt: Betriebsvermögen ermitteln

    Das Betriebsvermögen entspricht dem letzten Jahresgewinn x 14.

    Der Faktor 14 ist der sogenannte Kapitalisierungsfaktor, der für jedes Steuerjahr vom Bundesfinanzministerium bestimmt wird.

  • 2. Schritt: Steuerpflichtiges Vermögen ermitteln

    Das steuerpflichtige Vermögen entspricht dem Betriebsvermögen, abzüglich der 85 % Verschonungsbetrag. Künftig soll es ab einem Betriebsvermögen von 20 Millionen Euro eine sogenannte Bedürfnisprüfung geben. Wird dabei festgestellt, dass das Unternehmen durch Steuerschuld auf die Übertragung (Erbe oder Schenkung) gefährdet wäre, soll die Steuerzahlung auch gestundet werden.

  • 3. Schritt: Steuerschuld berechnen

    Die Steuerschuld ergibt sich aus dem steuerpflichtigen Vermögen minus 150.000 Euro Abzugsbetrag. Der Abzugsbetrag von 150.000 Euro ist degressiv. Bleiben nach Abzug der 85 Prozent höchstens 150.000 Euro übrig, greift er voll. Bei höherem Rest, von diesem 150.000 Euro abziehen, durch zwei teilen, diesen Betrag von 150.000 Euro abziehen und das Ergebnis als Abzugsbetrag nehmen.

  • 4. Schritt: Höhe der endgültigen Steuer berechnen

    Von der in Schritt drei ermittelten Steuerschuld muss nur noch der persönliche Freibetrag abgezogen werden. Das Ergebnis ist endgültig zu versteuern. Der persönliche Freibetrag beträgt zum Beispiel für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 500.000 Euro, für Kinder 400.000 Euro Die Steuersätze liegen in ihrer Steuerklasse bei sieben Prozent (bis 75.000 Euro), elf Prozent bis 300.000 Euro, 15 Prozent bis 600.000 Euro und 19 Prozent bis sechs Millionen Euro.

Einer der wenigen, die sich stellen, ist Roger Klüh, Sohn des millionenschweren Düsseldorfer Multidienstleisters Josef Klüh. Der Junior war als Teenager mal mit Stéphanie von Monaco liiert, arbeitete jahrelang in der Firma seines Vaters mit, jetzt macht er etwas Eigenes: Er will mit seinem Speedboot einen neuen Rekord aufstellen. Das ist sein Lebensprojekt.

Sinnstiftung scheint ein Hauptproblem reicher Erben zu sein. Viele werden von den Eltern instrumentalisiert, stehen ein Leben lang in deren Schatten, einige zerbrechen daran, wie Friedrichs überzeugend am eher deprimierenden Schicksal des Rockefeller-Clans zeigt. Ein Mann wie der dm-Drogeriemarktunternehmer Götz Werner hat deshalb dem Dynastiegedanken abgeschworen. Seine Kinder bekommen nur einen Bruchteil seines Vermögens, das meiste ging in eine Stiftung. Doch eine solche Haltung ist sehr selten.

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Fast alle Eltern wollen ihr Vermögen möglichst ungeschmälert an den Nachwuchs weitergeben - und wenig Steuern zahlen. Die Erbschaftssteuer ist auch bei weniger Vermögenden unpopulär, ein Grund, warum sich die Parteien nicht richtig daran trauen, obwohl sie die Schieflage sehr wohl erkennen. Erben verändert Menschen. Das zeigt Friedrichs in vielen eindrucksvollen Porträts.

Manchen hilft es in einer schwierigen Situation, sie gewinnen Freiheit. Viele aber entzweit es auch, manchmal gehen die erbitterten Streitigkeiten bis zum Mord. Erben verändert aber auch die Gesellschaft. Und nicht unbedingt zum Guten. Der Ausblick auf eine Rentiersgesellschaft, in der ein Teil der Jugend durch die „fütternde Hand“ der Alten lebt, während die anderen sich so durchwursteln, ist nicht besonders prickelnd. Friedrichs Buch ist eine Aufforderung, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Man muss es nur wollen.

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