Erbschaftsteuer-Streit: Bund mahnt verfassungsfeste Reform an

Erbschaftsteuer-Streit: Bund mahnt verfassungsfeste Reform an

Bund und Länder ringen weiter um die neuen Verschonungsregeln für Firmenerben. Zumindest die SPD-Länder stehen hinter dem Konzept Schäubles. Der Bund ist aber offen für andere Lösungen, wenn sie rechtssicher sind.

Das Bundesfinanzministerium hält in den Verhandlungen über eine Erbschaftsteuerreform trotz Kritik aus der Wirtschaft und der Union vorerst an seinen Plänen fest. „Wir benötigen eine verfassungsfeste Lösung und dürfen nicht ein viertes Mal in Karlsruhe scheitern“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Meister (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Für den deutschen Mittelstand und die Familienunternehmen sei eine nicht angreifbare Regelung zur Verschonung von Firmenerben wichtig. Ein erneut negatives Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnte für die Unternehmen am Ende schlechter ausfallen. Die Länder und Koalitionsfraktionen seien aufgerufen, bessere Ideen vorzulegen. „Wir wehren uns nicht dagegen, schlauer zu werden“, sagte Meister.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember die Verschonung von Firmenerben grundsätzlich gebilligt, wenn diese das Unternehmen einige Jahre weiterführen und Arbeitsplätze erhalten. Karlsruhe fordert aber strengere Regeln - etwa eine „Bedürfnisprüfung“. Firmenerben müssen also nachweisen, dass sie die Erbschaft- oder Schenkungsteuer nicht verkraften, um vom Fiskus verschont zu werden.

Wie Betriebsnachfolger ihren Steuervorteil selbst berechnen können

  • 1. Schritt: Betriebsvermögen ermitteln

    Das Betriebsvermögen entspricht dem letzten Jahresgewinn x 14.

    Der Faktor 14 ist der sogenannte Kapitalisierungsfaktor, der für jedes Steuerjahr vom Bundesfinanzministerium bestimmt wird.

  • 2. Schritt: Steuerpflichtiges Vermögen ermitteln

    Das steuerpflichtige Vermögen entspricht dem Betriebsvermögen, abzüglich der 85 % Verschonungsbetrag. Künftig soll es ab einem Betriebsvermögen von 20 Millionen Euro eine sogenannte Bedürfnisprüfung geben. Wird dabei festgestellt, dass das Unternehmen durch Steuerschuld auf die Übertragung (Erbe oder Schenkung) gefährdet wäre, soll die Steuerzahlung auch gestundet werden.

  • 3. Schritt: Steuerschuld berechnen

    Die Steuerschuld ergibt sich aus dem steuerpflichtigen Vermögen minus 150.000 Euro Abzugsbetrag. Der Abzugsbetrag von 150.000 Euro ist degressiv. Bleiben nach Abzug der 85 Prozent höchstens 150.000 Euro übrig, greift er voll. Bei höherem Rest, von diesem 150.000 Euro abziehen, durch zwei teilen, diesen Betrag von 150.000 Euro abziehen und das Ergebnis als Abzugsbetrag nehmen.

  • 4. Schritt: Höhe der endgültigen Steuer berechnen

    Von der in Schritt drei ermittelten Steuerschuld muss nur noch der persönliche Freibetrag abgezogen werden. Das Ergebnis ist endgültig zu versteuern. Der persönliche Freibetrag beträgt zum Beispiel für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 500.000 Euro, für Kinder 400.000 Euro Die Steuersätze liegen in ihrer Steuerklasse bei sieben Prozent (bis 75.000 Euro), elf Prozent bis 300.000 Euro, 15 Prozent bis 600.000 Euro und 19 Prozent bis sechs Millionen Euro.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plant die Pflicht zur „Bedürfnisprüfung“ ab einer Freigrenze von 20 Millionen Euro je Erbfall. Dabei soll privates Vermögen bis zur Hälfte für die Steuer herangezogen werden. Auch soll es eine Bagatellgrenze von einer Million Euro für kleine Unternehmen geben, die den Erhalt der Arbeitsplätze nicht nachweisen müssen. Gegen die Pläne laufen Wirtschaftsverbände, die CSU und Teile der CDU Sturm. Aber auch die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg hat erhebliche Einwände. Für 7. Mai hat Schäuble seine Länderkollegen zu erneuten Beratungen eingeladen.

Würden bei einem Unternehmenswert von 3 Milliarden Euro und 300 Gesellschaftern gleiche Anteile von je 10 Millionen Euro vererbt, wäre bei Heranziehung des Unternehmenswertes - wie Kritiker fordern - eine „Bedürfnisprüfung“ in jedem einzelnen Erbfall fällig. Das Finanzamt müsste jeweils prüfen, ob das Drei-Milliarden-Unternehmen in der Lage ist, drei Millionen Euro Erbschaftsteuer zu zahlen, sagte Meister. Kann es das, gibt es keine Verschonung.

„Wir reden nach unserem Ansatz über die geerbten 10 Millionen und unsere Kritiker über die drei Milliarden“, sagte Meister. Aus dem Unternehmen heraus solle aber nie Erbschaftsteuer gezahlt werden, da Betrieb und Arbeitnehmer ja geschützt werden müssten: „Wir schauen daher ab einer gewissen Grenze beim Erben hin, ob der eigentlich verschont werden muss.“ Und alles, was nicht begünstigtes unternehmerisches Vermögen sei, müsse zur Zahlung der Erbschaftsteuer herangezogen werden: „Jeder, der sagt, ich möchte das nicht, muss dann eben das unternehmerische Vermögen belasten.“

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Umstritten ist auch Schäubles Ansatz, den Wert als Freigrenze zu definieren. Bei einer Freigrenze würde die gesamte ererbte Summe steuerpflichtig, wenn sich nach der Bedürfnisprüfung keine Verschonung ergibt. Bei einem Freibetrag wäre es nur die Summe, die oberhalb dieses Grenzwerts liegt. Meister verweist auf folgendes Beispiel: Erbt jemand 1 Milliarde Barvermögen, muss er etwa 300 Millionen Euro Erbschaftsteuer zahlen. Erbt jemand 1 Milliarde Unternehmensvermögen, gäbe es auf jeden Fall eine Bedürfnisprüfung - egal ob die Grenze bei 20 oder 100 Millionen Euro liegen würde. Müsste der Erbe Steuern zahlen, könnte er bei einem Freibetrag für die ersten 20 oder 100 Millionen eine Verschonung geltend machen. „Dann würde das Bundesverfassungsgericht mit Sicherheit sagen: Warum wird jemand, der offenkundig nicht zu begünstigen ist, trotzdem teilweise verschont?“ Karlsruhe könnte eine offensichtliche Ungleichbehandlung ausmachen und das Gesetz erneut kippen.

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