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EU-Studie: Verbraucherkredite im Internet sind zu undurchsichtig

von Katharina Schneider Quelle: Handelsblatt Online

Wer einen Kreditvertrag im Internet abschließt, sollte vorsichtig sein. Eine Studie der EU-Kommission zeigt, dass bei 70 Prozent der Online-Kreditanbieter, wichtige Informationen zu Kosten und Zinsen fehlen.

Wer sich von einem Unternehmen im Internet Geld leiht, sollte die Bedingungen sorgsam prüfen. Quelle: gms
Wer sich von einem Unternehmen im Internet Geld leiht, sollte die Bedingungen sorgsam prüfen. Quelle: gms

DüsseldorfGründe, einen Kredit aufzunehmen, gibt es viele: die neue Küche, der neue Riesen-Fernseher, eine Weltreise. Im Internet werben zahlreiche Unternehmen mit vermeintlich günstigen Kredit-Angeboten. Doch wer einen solchen Kredit abschließen will, sollte vorsichtig sein.

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Eine EU-weite Untersuchung solcher Websites und ihrer Angebote hat nun gezeigt, dass Kunden bevor sie den Kreditvertrag unterschreiben, häufig nicht alle Informationen bekommen, die ihnen laut EU-Verbraucherrecht zustehen. Wie eine am Dienstag von der EU-Kommission in Brüssel veröffentlichte Studie zeigt, mangelt es insbesondere an konkreten Angaben zu Laufzeit, Zinssatz und Gesamtkosten.

In Deutschland wurden insgesamt 26 Websites überprüft, auf 20 Seiten fanden die Prüfer Mängel. "Auf einigen Seiten war gar nicht zu erkennen, wer der Kreditgeber ist", sagte Sven Gebauer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gegenüber Handelsblatt Online. Zudem müssen die Anbieter ein repräsentatives Beispiel für einen Kredit veröffentlichen, wobei der Zinssatz so gewählt werden muss, das ihn zwei Drittel der Kunden bekommen können.

"Auf manchen Seiten fehlten diese repräsentativen Beispiele komplett, auf anderen wurde mit Traumzinsen gerechnet, die niemand bekommen kann", sagte Gebauer. Zu den Pflichtangaben gehört außerdem der effektive Jahreszins, in den sämtliche Kosten eingerechnet werden müssen. "Bei vielen Zinsangaben war nicht klar, ob es sich tatsächlich um den effektiven Jahreszins handelt und auf einigen Seiten wurden zusätzliche Kosten für Provisionen gefunden", so Gebauer.

Ingesamt haben die nationalen Aufsichtsbehörden 562 Websites in allen 27 EU-Mitgliedsländern sowie Norwegen und Island überprüft. Bei 70 Prozent der Seiten wurde eine weitere Prüfung eingeleitet. In der Werbung fehlten beinahe auf jeder zweiten Seite (46 Prozent) ganz entscheidende Angaben wie beispielsweise der effektive Jahreszins – dieser ist wichtig, um unterschiedliche Angebote vergleichen zu können. Auch Angaben, ob eventuell verpflichtende Nebendienstleistungen (zum Bespiel eine Versicherung) bei den angegebenen Gesamtkosten schon berücksichtigt wurden oder zur Kreditlaufzeit waren in der Werbung oft unvollständig.


Bei 43 Prozent der Angebote fehlten Informationen

Auch in den Angeboten fehlten auf 43 Prozent der Websites wichtige Angaben, beispielsweise zur Art des Zinses (fest, variabel oder gemischt), zur Vertragslaufzeit und zu den Kosten wie etwa der Abschlussgebühr.
Auf jeder fünften Website wurden zudem die Kosten irreführend dargestellt, etwa durch die Art der Preisberechnung oder durch fehlende Information über die Kosten einer Versicherung, die teils obligatorisch zu dem Kredit abgeschlossen werden muss.

Grundlage für die Überprüfung war die neue Verbraucherkreditrichtlinie, die kürzlich in den Mitgliedstaaten umgesetzt wurde. Es sollte untersucht werden, ob diese Vorgaben von der Wirtschaft bereits angewendet werden. Die Richtlinie soll dafür sorgen, dass Verbraucher die Kreditangebote besser verstehen und vergleichen können.

Der für Verbraucherpolitik zuständige EU-Kommissar John Dalli sagte dazu: „Manchmal müssen Personen, die einen Kredit aufnehmen, hinterher feststellen, dass dieser sie letzten Endes teurer zu stehen kommt als ursprünglich erwartet, weil wichtige Angaben missverständlich waren oder fehlten.“ Verbraucherkredite seien nicht immer leicht zu verstehen.

„Deswegen gibt es europäische Rechtsvorschriften, die den Verbrauchern dabei helfen sollen, ihre Entscheidungen in voller Kenntnis der Sachlage zu treffen“, sagte Dalli. Es sei daher ausnehmend wichtig, dass die Verbraucher von den Unternehmen richtige und vollständige Informationen erhielten. Aufgabe der Kommission sei es, dies zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden sicherzustellen.

Im nächsten Schritt sollen die nationalen Aufsichtsbehörden Kontakt zu den Kreditvermittlern aufnehmen und von ihnen eine Klarstellung der Unregelmäßigkeiten verlangen. Je nach nationalem Recht drohen den verantwortlichen Firmen andernfalls Geldstrafen oder die Schließung der Internetseiten. Bis zum Herbst erwartet die EU-Kommission die Ergebnisse der Gespräche.

Die BaFin vermeldet schon erste Erfolge: "Wir haben die Wettbewerbszentrale damit beauftragt, die Anbieter mangelhafter Seiten abzumahnen", sagt Gebauer. "Einige Firmen haben bereits Unterlassungserklärungen unterschrieben." Die Namen der geprüften Seiten werden jedoch nicht veröffentlicht.

Die Bedeutung dieses Marktsegments ist groß: Allein 2010 beliefen sich die Verbraucherkreditverträge bei den Finanzeinrichtungen auf über 600 Milliarden Euro.

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