Euro Grundinvest: Der größte Teil der Anlegermillionen ist weg

Euro Grundinvest: Der größte Teil der Anlegermillionen ist weg

, aktualisiert 22. Juli 2016, 16:19 Uhr
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Kosten weit über dem Verkaufserlös. (Foto: PR)

von Gertrud Hussla und Andreas DörnfelderQuelle:Handelsblatt Online

Die Euro Grundinvest galt bislang noch als eines der solideren Anlageprodukte des schillernden Malte Hartwieg. Erstmals erfuhren Anleger nun, wie es dort um ihre Investments steht. 80 Prozent des Einsatzes sind wohl weg.

DüsseldorfAuf der Webseite der Euro Grundinvest scheint noch alles in Ordnung zu sein. „Im Plan“ oder gar „über Plan“ steht dort neben jedem der von 2010 bis 2013 aufgelegten geschlossenen Immobilienfonds, die hauptsächlich in München das Geld der Anleger investieren sollten. Darunter Lobeshymnen für das Investment aus einigen Branchendiensten, Motto: „In München geht die Post ab“.

Dabei ist der Traum vieler Anleger, mit ihren Ersparnissen dort Renditen von acht Prozent zu erzielen, längst ausgeträumt. Auf einer Gesellschafterversammlung der Euro Grundinvest 15, einem Fonds, dem auch der Münchner Wohnkomplex Jacobi Palais gehört, erfuhren nun die mehr als hundert nach Freising angereisten Gesellschafter das ganze Desaster ihres Investments.

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Den Fonds der Euro Grundinvest, die seit 2014 vom schillernden Start-up-Investor Sven Donhuysen geführt werden, gehören zwar Immobilien. Aber diese sind weit weniger wert, als dort angeblich investiert wurde. Sie sind nur zum geringen Teil in München. Welche Immobilie zu welchem Fonds gehört, ist unklar. Denn zwischen den Fonds wurde ständig Vermögen hin- und hergeschoben.

Wenn man den Ausführungen Donhuysens Glauben schenken will, dann war an allem der Vorbesitzer Malte Hartwieg schuld. Hartwieg, ein gelernter Maurer,  hatte einst den Fondsvertrieb Dima24 gegründet – und sich ein Geflecht aus mehr als 100 Firmen aufgebaut, darunter die Emissionshäuser Selfmade Capital, New Capital Invest und Panthera. Sie lockten mit Zinsen von 12 Prozent und mehr. 

Die Staatsanwaltschaft München hat ein Ermittlungsverfahren gegen Hartwieg eingeleitet, dort sind hunderte Strafanzeigen eingegangen. Der Verdacht: Hartwieg könnte ein illegales Schneeballsystem aufgebaut haben. Rund 60 Firmen aus seinem Imperium sind insolvent.

Ebenfalls eine Hartwieg-Gründung ist die Euro Grundinvest. Diese machte zunächst am wenigsten Schlagzeilen. Doch ab 2014 stockten auch dort die Ausschüttungen. Allein bei Euro Grundinvest investierten Sparer 70 Millionen Euro in die geschlossenen Fonds und noch einmal 23 Millionen in Genussrechte, wurde gestern bekannt gegeben.

Das Prinzip eines solchen Systems: Bereits investierte Anleger erhalten ihre Ausschüttungen nicht etwa aus tatsächlich erwirtschafteten Renditen, sondern aus den Einzahlungen neuer Investoren. So lange ausreichend Neukunden auf den Trick hereinfallen, geht die Rechnung auf. Hartwieg versprach über seinen damaligen Anwalt mehrfach Aufklärung – und bat die Anleger um Geduld.

Viel Zeit braucht auch die Staatsanwaltschaft. Sie hat zwar bereits Wertgegenstände von Hartwieg sichergestellt, doch bis es zu einer Anklage kommt, muss sie noch mehrere Terabyte Material durcharbeiten, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Bei der Euro Grundinvest jedenfalls, das mussten die Gesellschafter an diesem Donnerstag erkennen, gibt es kaum noch andere Erklärungen, als dass es sich um ein Schneeballsystem handelt.


Zwei Millionen Euro im Jacobi Palais versenkt

Auf der Gesellschafterversammlung stellte der neue Geschäftsführer Donhuysen erstmals genauere Zahlen vor. Die Bilanzen des Vorbesitzers der Euro Grundinvest seien chaotisch gewesen, führte er vor den mehr als hundert Anlegern aus, die den Weg bis Freising gemacht hatten. Nach jetzigem Stand des Rechnungswesens würden die wirtschaftlichen Ergebnisse nicht in die Nähe dessen geraten, was ihnen ursprünglich von Vermittlern zugesagt wurde, hieß es schon in der Einladung.

Die Anleger erfuhren auch: Zusagen kann die Geschäftsführung einen Rückfluss von 19 Prozent ihres Einsatzes, gegebenenfalls wäre es auch etwas mehr, sollte das Portals Hills Hotel auf Mallorca , eines der Objekte, verkauft werden und sollten Schadensersatzansprüche gegen Hintermänner und Wirtschaftsprüfer realisiert werden.

Beim bereits verkauften Jacobi-Palais etwa sieht die Rechnung so aus: Kosten 8,4 Millionen Euro, Erlös 6,3 Millionen Euro, Verlust: 2,1 Millionen Euro. Er ist noch eines der besseren Objekte. Bei der Villa Bellevue Mar auf Mallorca, bei der laut Donhuysen noch intensive Verkaufsverhandlungen laufen, beliefen sich die Kosten auf 5,85 Millionen Euro, die erwarteten Erlöse betragen 3,45 Millionen. Macht einen Verlust von 2,4 Millionen Euro. Und so geht es Objekt für Objekt.

In einer Diashow bekamen die Anleger einen Geschmack davon, wie Gelder zwischen den Fonds hin- und hergeschoben wurden. Je nachdem, wo gerade frisches Anlegergeld floss, wurde es offenbar auch für Vorabausschüttungen an die Altanleger verwendet.  Für den EGI 12, der nach Angaben der Webseite   noch erfolgreich abgeschlossen wurde, konnte das versammelte Management auf Nachfrage kein einziges bekanntes Objekt benennen. Offenbar sind Zinsen und Rückzahlung komplett aus den neuen Fonds geflossen.

Am Donnerstag nun sollten die Gesellschafter absegnen, dass ihr Fonds in absehbarer Zeit liquidiert wird. Bis dahin soll zur Sicherheit auch ein neuer Gesellschaftsmantel geschaffen werden. Dieser würde gewährleisten, dass die Euro Grundinvest unter Geschäftsführer Donhuysen weiter wirtschaften kann. Die Gründungsgesellschaft, die noch unter Malte Hartwieg entstand, sehe sich zu vielen Klagen ausgesetzt und sei in ihrer Existenz gefährdet, hieß es. Sprich: Kein Insolvenzverwalter soll Zugriff haben, Donhuysen und sein Team wollen die Euro Grundinvest selbst verwerten.

Rechtsanwalt Stefan Forster von der Kanzlei Lachmair und Kollegen in München, der sich tief in den Fall eingearbeitet hat, hat seinen Mandanten dringend abgeraten, diesen Vorschlägen zuzustimmen. „Zum derzeitigen Zeitpunkt darf dem Management um Sven Donhuysen kein Freibrief für eine Liquidierung der EGI-Gruppe ohne unabhängige Kontrolle gegeben werden“, warnt er. Es bestehe die Gefahr, dass ein Schlussstrich gezogen werden soll und die tatsächlichen Transaktionen seit der Übernahme durch Donhuysen im Sommer 2014 – anders als im Fall eines Insolvenzverfahrens – gerade nicht intensiv aufgearbeitet würden.

Dabei verweist er auf die verheerende Story der Canada Gold Trust, die Donhuysen gegründet und deren Anteile er nach drei Monaten verkauft hat. Bislang wurde kein nennenswertes Gold geschürft, mehr als 40 Millionen Anlegergeld sind praktisch weg und die Anleger wurden aufgefordert, Ausschüttungen zurückzubezahlen.

Wie die Anleger des EGI-Grundinvest 15 nun abgestimmt haben, ist voraussichtlich erst am Montag zu erfahren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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