Finanzprodukte: Promis haften für schlechten Rat

Finanzprodukte: Promis haften für schlechten Rat

, aktualisiert 09. Dezember 2011, 12:17 Uhr
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Johannes B. Kerner hat für die Air-Berlin-Aktie geworben.

von Annika WilliamsonQuelle:Handelsblatt Online

Was ein Ex-Bundesminister oder ein Tatortkommissar für die Geldanlage raten, ist doch sicher verlässlich? Viele Anleger wissen, dass das nicht immer stimmt. Jetzt haften auch Promis für ihre schlechten Ratschläge.

DüsseldorfOb Promis ihr Charisma für Anlageprodukte verpachten wollen, müssen sie sich in Zukunft genau überlegen: Stellt sich die Geldanlage als Flop heraus, haften auch die Prominenten, die dafür Werbung gemacht haben. Ein entsprechendes Urteil des Bundesgerichtshofs wurde am Donnerstag veröffentlicht. Konkret geht es um den Ex-Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz, der den 2005 pleitegegangen Fonds „Deutscher Vermögensfonds I“ beworben hatte.

Scholz muss jetzt womöglich Schadenersatz an geschädigte Anleger zahlen  (BGH-Urteil vom 17. November, AZ: III ZR 103/10). Er hatte den Fonds in Zeitungsinterviews gelobt und auch im Anlageprospekt für das Produkt geworben. Kein Wunder, dass er sich davon so begeistert zeigte: Der Politiker war Vorsitzender des Beirats der Deutsche Anlagen AG, die den Fonds aufgelegt hatte.

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2005 stellte allerdings die Finanzaufsicht Bafin fest, dass der Fonds in unerlaubte Bankgeschäfte verwickelt war. Die Anleger sollten daraufhin ihr Geld wieder zurückerhalten, ein Großteil der 35 Millionen Euro der 7000 Anleger war bereits ausgegeben – der Fonds ging in die Insolvenz.

Die Frage geisterte lange durch die Instanzen, ob Prominente für solche Verluste haften. Das Oberlandesgericht Karlsruhe sprach Scholz und Konsorten in einem Urteil vom vergangenen Jahr von Strafen frei (Az. 6 U 155/07). Das Landgericht Mosbach hingegen hatte vorher entschieden, dass Scholz 35.000 Euro an geschädigte Anleger zahlen solle. Der BGH hat den Fall jetzt zur Klärung einiger noch offenen Fragen an das Oberlandesgericht Karlsruhe zurückverwiesen – doch eins steht nun fest: Promis stehen mit in der Verantwortung.

Scholz wurde in den Werbematerialien als ehemaliger Bundesminister sowie als Lehrstuhlinhaber für Staats- und Verwaltungsrecht, Verwaltungslehre und Finanzrecht vorgestellt – eine Person, von der interessierte Anleger Kompetenz in Geldangelegenheiten erwarteten. „Der durchschnittliche Anleger konnte davon ausgehen, dass der Beklagte über die erforderliche Seriosität, die Fachkompetenz zur Beurteilung der Anlage verfügte“, heißt es im Urteil des BGH.


Manfred Krug scheiterte am Tatort T-Aktie

Im Emissionsprospekt, der ausschlaggebenden Informationsquelle für Anleger, wurde Scholz zitiert: „Meine Forderung an das Management der Deutsche Anlagen AG für meine Mitwirkung war: durchgehende Qualitätssicherung für jeden einzelnen Anleger; dazu Kompetenz, Kontrolle und Transparenz. Das haben wir geschafft.“ So ganz hat das, wie sich herausstellte, doch nicht gestimmt.

Scholz wurde zwar als Finanzexperte angepriesen, doch selbst wenn Schauspieler und Politiker zu Geldfachmännern wurden, hat das Anleger in der Vergangenheit kaum stutzig gemacht. Neben Scholz hatten auch die ehemaligen Staatsekretäre Helmut Holl (SPD), Wighardt Härdtl (CDU) und Michael-Andreas Butz (CDU) für den "Deutschen Vermögensfonds I" geworben. Auch andere Finanzinstitute haben Promis rekrutiert, um ihre abstrakten Produkte auch für den Finanzlaien zugänglich zu machen.

So hatte der Tatortkommissar Manfred Krug kräftig daneben gelangt, als er für den umjubelten Telekom-Börsengang Werbung machte. Die Aktie brachte ihren Anlegern bekanntlich große Verluste. „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind“, sagte Krug später im Interview mit dem „Stern“. Seine eigenen Telekom-Aktien habe er nicht verkauft, „als eine Art Selbstbestrafung“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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