Finanzskandal: Der Hickhack bei Infinus geht weiter

Finanzskandal: Der Hickhack bei Infinus geht weiter

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Insgesamt sind von dem Finanzskandal um Infinus/Fubus rund 40.000 Anleger mit einem Gesamtschaden von über einer Milliarde Euro betroffen.

von Henryk Hielscher

Am Dienstag startet die nächste Runde im Hickhack zwischen dem Insolvenzverwalter der Dresdner Skandalfirma Infinus und zahlreichen Anleger-Anwälten. Es könnte der Auftakt zu einem Sitzungsmarathon werden.

Wie geht es weiter bei Infinus? Nachdem im Mai eine erste Versammlung der Gläubiger der Dresdener Skandalfirma im Chaos endete, weil sich Anlegeranwälte, Insolvenzverwaltung und Gericht beharkten, stehen ab kommendem Dienstag die nächsten Termine an. Dann sollen die Gläubiger von 43 so genannten Oderschuldverschreibungsserien des Unternehmens die Möglichkeit erhalten, einen sogenannten Gemeinsamen Vertreter zu wählen, der im weiteren Verfahren ihre Interessen vertritt. Das dürfte allerdings erst der Anfang eines Sitzungsmarathons werden, bei dem insgesamt fast 5.000 Einzelversammlungen abgehalten werden könnten.

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Der Hintergrund: Das Dresdner Amtsgericht hatte die Infinus-Gläubiger Mitte Mai zur Wahl eines gemeinsamen Vertreters für alle Infinus-Anleger in die Dresdner Messe geladen.  Dort stoppten Anleger-Anwälte das Verfahren mit Befangenheitsanträgen. Sie hatten ein Einladungsschreiben des Insolvenzverwalters Bruno Kübler an die Anleger als „manipulativ und missverständlich“ kritisiert, da darin nur ein Kandidat für den Vertreter-Posten aufgeführt worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch nur ein Kandidat gemeldet, sagt ein Sprecher des Verwalters dazu.

Ob es bei dem Gezerre wirklich noch um die Interessen der Anleger geht, ist indes fraglich. Tatsächlich dürften eher die Angst um Honorare und Vergütungen die Posten-Schlacht befeuern. So gestaltet sich die Mandantengewinnung für Anleger-Anwälte deutlich zäher, sobald es einen gemeinsamen Vertreter gibt, der qua Amt die Interessen der Anleger vertreten soll.

Zugleich haben zuletzt etliche Anwälte und Berater den Job des Gemeinsamen Vertreters als lukratives Tätigkeitsfeld entdeckt. „Bei der Höhe der Vergütung bleibt das Schuldverschreibungsgesetz vage und spricht nur allgemein von einer angemessenen Vergütung“, sagt der Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Andreas Ziegenhagen, European Head der Praxisgruppe Restrukturierung von Dentons. „Das Interesse vieler Kandidaten für den Posten zeigt aber, dass es sich bei größeren Anlagesummen und einer Vielzahl von Anlegern um eine durchaus lukrative Tätigkeit für den gemeinsamen Vertreter handeln kann, wobei sich der Aufwand im Rahmen eines Abwicklungsverfahrens eher in Grenzen hält."

Anlegerrecht Infinus-Anlegern droht Chaostag

Bei der insolventen Unternehmensgruppe Infinus warten tausende Anleger auf Geld. Nun planen die Dresdner Richter eine ungewöhnliche Massenanhörung. Knapp 5000 Anleger könnten im Fünf-Minuten-Takt einen Vertreter wählen.

Briefkasten: Infinus ist Pleite, den Anleger droht ein Massenauflauf. Quelle: dpa

Die Folge des Hickhacks: Es droht ein Mammutverfahren. Weil die Infinus-Orderschuldverschreibungen in diversen Tranchen aufgelegt wurden, könnten bis zu 4.852 Einzelversammlungen nötig sein, bei denen die jeweiligen Anleger separat einen gemeinsamen Vertreter bestimmen.

„Besonders praktisch ist die Aufspaltung in fast 5.000 Einzelversammlungen sicherlich für niemanden“, so Ziegenhagen.  „Das Gericht will offenbar auf Nummer sicher gehen und keine Anfechtungen oder Klagen riskieren", vermutet der Experte. Die Frage sei, ob in dem Verfahren überhaupt ein gemeinsamer Vertreter gebraucht werde. Sinnvoll sei dessen Wahl  vor allem in Fällen, bei denen die Interessen von Anlegern gebündelt werden sollten, um bei Verhandlungen mit anderen Gläubigergruppen über einen Insolvenzplan nicht ausgebootet zu werden. „Bei Infinus gehe ich eher von einer Vollabwicklung im Rahmen eines Regelinsolvenzverfahrens aus", argumentiert Ziegenhagen.

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Kernaufgabe des gemeinsamen Vertreters dürfte bei Infinus demnach lediglich das Forderungsmanagement sein. Vor allem für den Verwalter bedeutet das in der Regel eine erhebliche Entlastung. Statt Tausende Einzelforderungen von Kleininvestoren zu bearbeiten und zu prüfen, werden ihm die Forderungen gebündelt präsentiert. „Durch die Splittung in Hunderte Tranchen wird dieser Vorteil zumindest abgeschwächt", sagt Ziegenhagen. Insgesamt sind von dem Finanzskandal um Infinus/Fubus rund 40.000 Anleger mit einem Gesamtschaden von über einer Milliarde Euro betroffen.

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