Fiskus kassiert ab: Böse Überraschungen bei der Abgeltungsteuer

Fiskus kassiert ab: Böse Überraschungen bei der Abgeltungsteuer

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Paragraphen-Wirrwar

von Daniel Schönwitz

Von wegen transparent: Bei der pauschalen Abgabe droht Anlegern ein böses Erwachen. Wie der Fiskus bei Aktien, Anleihen und Gold abkassiert, wie Betroffene sich wehren.

Guido O. rieb sich verwundert die Augen, als er im November die zweite Tranche der Dividende des spanischen Telekomkonzerns Telefónica erhielt. Nur gut die Hälfte der 1,30 Euro pro Aktie, die das Unternehmen ausgeschüttet hatte, landete auf seinem Konto. Mehr als 45 Prozent Steuern? Das ist doch längst Vergangenheit, zumindest bei Kapitalerträgen, dachte er.

Eine Nachfrage in einem Online-Finanzforum brachte ihm Klarheit. Der Gesetzgeber hatte nicht etwa die Abgeltungsteuer von 26,4 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag) erhöht, die seit 2009 für Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinne gilt. Vielmehr hatte das zuständige Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) den Banken untersagt, die 19-prozentige Quellensteuer, die in Spanien abgezogen wird, mit der Abgeltungsteuer zu verrechnen. Stattdessen kam sie plötzlich obendrauf. Und so landete Guido O. bei einer Steuerlast von mehr als 45 Prozent.

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Wie in alten Zeiten.

Fallstrick ausländische Aktien

Eigentlich sollte mit der Einführung der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 Prozent alles ganz einfach und transparent sein. Die Banken führen – sobald der steuerliche Freibetrag von 801 Euro oder 1602 für Verheiratete überschritten ist – die fällige Steuer an den Fiskus ab. Der früher lästige Papierkram zur Deklaration der Steuer sollte entfallen.

Dachte auch Guido O., der sich nun aber mit den spanischen Behörden für die Erstattung der Quellensteuer auseinandersetzen muss.

Willkommen in den Wirren des internationalen Steuerrechts. Nicht nur Besitzer spanischer Aktien klagen derzeit über eine Steuerlast, die höher ausfällt als erwartet. Ob doppelt besteuerte Dividenden, fragwürdige Steuerforderungen bei Anleihen und Gold oder Verluste, die der Fiskus nicht anerkennt: Immer wieder lauern bei der Abgeltungsteuer böse Überraschungen. Als Anleger in den vergangenen Wochen die Jahressteuerbescheinigungen ihrer Banken erhielten, wurde deshalb deutlich, dass das Ideal einer einfachen und niedrigen Steuer in weite Ferne gerückt ist. Die gute Nachricht: Oftmals können Anleger Steuerfallen mit der richtigen Strategie umschiffen oder ihr Geld ohne großen Aufwand zurückholen. Und in einigen Fällen haben sie zumindest die Chance, von laufenden Gerichtsverfahren zu profitieren.

Schlupfloch Spanien

Das Problem mit spanischen Dividenden sorgt derzeit im Bundesfinanzministerium für hektische Aktivität. Die Ministerialbeamten hatten eineinhalb Jahre lang übersehen, dass es in Spanien für deutsche Anleger ein lukratives Steuerschlupfloch gab. Hintergrund: Auf der Iberischen Halbinsel können sich EU-Anleger die Steuer auf Dividenden von bis zu 1500 Euro im Jahr komplett erstatten lassen. Und da deutsche Banken die spanische Quellensteuer bis Mitte 2010 trotzdem von der deutschen Abgeltungsteuer abzogen, bevor sie die Dividende auszahlten, konnten clevere Anleger ihren Steuersatz auf 11,4 Prozent senken.

Als der Fiskus im vergangenen Sommer Wind davon bekam, wies das BZSt die Banken umgehend an, keine spanische Quellensteuer mehr zu berücksichtigen. So kam es plötzlich zu hohen Steuerabzügen wie bei Guido O. Zudem mussten die Institute sämtliche 2010 bereits überwiesenen Dividenden stornieren und neu berechnen, was bei zahlreichen Kunden gehörigen Unmut auslöste.

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