FlowTex: Milliardenbetrug beschäftigt Schweizer Gericht

FlowTex: Milliardenbetrug beschäftigt Schweizer Gericht

, aktualisiert 28. September 2015, 13:51 Uhr
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Der Ex-Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, muss sich bald vor dem Gericht in der Schweiz verantworten.

Der Ex-Chef der Firma FlowTex muss sich bald auch vor dem Schweizer Gericht verantworten. Es geht um Veruntreuung, Geldwäscherei und Steuerbetrug in Millionenhöhe. Schmider hatte gerade erst eine Haftstrafe abgesessen.

Einer der spektakulärsten Fälle von Wirtschaftskriminalität in der deutschen Geschichte bekommt in der Schweiz ein juristisches Nachspiel: Der vom Mannheimer Landgericht wegen Milliardenbetrugs zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilte Ex-Chef der Firma Flowtex, Manfred Schmider, und vier weitere Angeklagte müssen sich vom 5. Oktober an vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verantworten. Von den elfeinhalb Jahren Haft saß Schmider zwei Drittel ab, der Rest wurde 2007 zur Bewährung ausgesetzt.

In der Schweiz wird den Beschuldigten nun Veruntreuung, Geldwäscherei, Betrug und Steuerbetrug in Millionenhöhe vorgeworfen, wie eine Justizsprecherin erklärte. Sie bestätigte entsprechende Berichte der „Süddeutschen Zeitung“ sowie der Schweizer „Sonntagszeitung“.

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Schmider, der sich einst als „Big Manni“ in Baden-Württemberg guter Beziehungen zur Politik erfreute, soll laut Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau mit Hilfe Schweizer Finanzinstitute Vermögenswerte veruntreut und so der Flowtex-Insolvenzmasse in Deutschland entzogen haben. Werte in zweistelliger Millionenhöhe wurden beschlagnahmt.

Flowtex hatte sich im Jahr 2000 als gigantische Betrugsmaschine entpuppt. Über die Firma „verkaufte“ Schmider Spezialbohrgeräte, von denen die meisten gar nicht existierten. Der Schaden belief sich auf 2,6 Milliarden Euro.

Große Teile des erschwindelten Vermögens hatte „Big Manni“ laut Anklage in der Schweiz angelegt. Dazu gehörten unter anderem eine Villa in St. Moritz, vier Bilder von Marc Chagall, ein hochkarätiger Diamant und weitere Edelsteine. Die Vermögenswerte seien mit Geld aus Milliardenbetrügereien in Deutschland angeschafft worden.

Urteil Milliardenbetrüger bleibt frei

Manfred Schmider schrieb in den 90ern Wirtschaftsgeschichte, als er mit seiner Bohrer-Firma Flowtex um Milliarden betrog. Nun wurde er erneut verurteilt, bleibt aber frei - und lebt weiter im Luxus.

Manfred Schmider, Gründer der Skandalfirma Flowtex Quelle: dapd

Mit Hilfe von Komplizen habe Schmider die Schweizer Besitztümer mehrere Jahre nachdem der Flowtex-Betrug in Deutschland aufgeflogen war flüssig gemacht, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht. Die Erlöse seien veruntreut und versteckt worden. Zumindest einen Teil dieser Flowtex-Vermögenswerte haben Schweizer Ermittler jedoch sicherstellen können. „Im Rahmen des Strafverfahrens wurden Vermögenswerte in zweistelligem Millionenbetrag beschlagnahmt“, wie es in einer Mitteilung des Gerichts heißt.

Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Sonntagszeitung“ hatte ein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland die Ermittlungen in der Eidgenossenschaft ausgelöst. Dabei seien die Schweizer Behörden darauf gestoßen, dass die Ex-Frau von Schmider inzwischen in der Schweiz lebt und „dort mit viel Geld hantiert“. Sie gehört jetzt neben zwei weiteren Familienmitgliedern und einem Anwalt zu den Angeklagten.

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