Gbureks Geld-Geklimper: Der Steuerspartrieb der Deutschen stößt an Grenzen

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Der Steuerspartrieb der Deutschen stößt an Grenzen

Kolumne von Manfred Gburek

Der Boss des FC Bayern im Kreuzfeuer – eine komplexe Geschichte, die viel Anlass zum Grübeln über die Steuergerechtigkeit gibt, aber auch weit darüber hinaus.

Der Fall Uli Hoeneß erregt wie lange kein anderer die Gemüter von Millionen Deutschen. Währenddessen verschlingt der unfertige Berliner Skandalflughafen BER – inzwischen ziemlich gemütsfrei - laut Auskunft des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit allein an Instandhaltungsarbeiten Monat für Monat 270.000 Euro. In beiden Fällen geht es um Steuern: zum einen um nicht gezahlte, zum anderen um verschwendete. Im ersten Fall wird der Staat unterm Strich wahrscheinlich ein dickes Einnahmenplus verzeichnen, im zweiten Fall ein noch viel dickeres Einnahmenminus. Steuerzahler werden also von Hoeneß profitieren, dagegen von Wowereit zur Kasse gebeten.

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Man kann die Dinge indes auch anders betrachten: Während Hoeneß zur Reizfigur mit Gutmensch-Image und sein FC Bayern zum bewunderten bis gehassten Millionenclub aufgestiegen ist, hat Wowereit die Verantwortung für den Skandalflughafen durch seinen Rückzug vom Posten des BER-Aufsichtsratsvorsitzenden erst einmal von sich auf andere gelenkt. Keine Frage, die politische Debatte, Stammtischparolen inbegriffen, dürfte sich bis zur Bundestagswahl und darüber hinaus viel mehr auf die nicht rechtzeitig deklarierten Hoeneß-Millionen als auf die durch das BER-Projekt verschwendeten Steuergelder konzentrieren.

Der Steuerspartrieb hat eine lange Tradition

Geht es um Geld, dann sind auch Gefühle aller Art im Spiel. Etwa Gier, wenn die Aktienkurse steigen, und Angst, wenn sie fallen. Oder der Steuerspartrieb, dem man nachsagt, er sei unter Deutschen stärker ausgeprägt als der Geschlechtstrieb. Gier frisst Hirn, so lautet die zugehörige Metapher. Sie sollte Anfang der Neunzigerjahre zum Ausdruck bringen, dass deutsche Steuerzahler nach der Wende ihren Verstand ausschalteten, nur um fragwürdige Steuerersparnisse zu erzielen, indem sie ihr Geld für Bauprojekte auf dem Boden der ehemaligen DDR verschwendeten. Ende der Neunzigerjahre traf dieselbe Metapher dann auf die Börsenspieler am Neuen Markt zu, die dubiose Aktien in der Hoffnung auf immerwährende Kursgewinne kauften.

Der Steuerspartrieb vieler – vor allem reicher - Bundesbürger konzentrierte sich früher nicht allein auf fragwürdige Pleiteprojekte, sondern auch auf die Steuerhinterziehung. Die wurde ihnen von den Banken leicht gemacht, die lange vor dem jüngsten Versprechen Luxemburgs, von 2015 an Zinserträge auch an den deutschen Fiskus zu melden, mehr oder weniger deutlich für Konten im Großherzogtum warben: „Reisen bildet, z.B. Kapital“, ließ es die Deutsche Bank noch recht subtil angehen. „Luxemburg, 7-9 Boulevard Royal – der Zweitwohnsitz für Ihr Geld“, so wurde ausgerechnet die öffentlich-rechtliche Bayerische Landesbank schon viel deutlicher. „Ideen zur Vermögensanlage? Luxemburg bietet mehr“, ergänzte die ebenfalls bayerisch-stämmige Vereinsbank International.

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