Gbureks Geld-Geklimper: Kampf im Steuerdschungel

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Kampf im Steuerdschungel

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Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel, wie sie im Wahlkampf 2004 Thema war, dürfte ein Wunschtraum bleiben

Kolumne

Wir zahlen Steuern ohne den Hauch einer Chance, uns im Steuerdschungel zurechtzufinden. Also müsste eine Anti-Steuer-Partei in Deutschland, wie einst in Dänemark, einen Riesenerfolg haben. Fehlanzeige, eine solche Partei hat keine Aussicht auf Erfolg.

Wenn Steuern-runter-Prediger Guido Westerwelle durch die Lande zieht, gibt er bestenfalls ein wenig Anti-Hauch von sich, gerade so viel, wie zur ersehnten Machtergreifung im Windschatten von Angela Merkel nach der Bundestagswahl nötig ist. Und wenn der Bund der Steuerzahler seine Schuldenuhr ticken lässt, neben der er gerade einen Zuwachs der Staatsverschuldung von 4439 Euro je Sekunde und eine Verschuldung pro Kopf von 19.208 Euro anprangert, lässt sich aus diesem Gag längst noch kein Parteiprogramm basteln.

Auto- und Tabakkonzerne, Banken und Apotheken, Schnapsbrenner und Steuerberater haben eine wirkungsvolle Lobby, Steuerzahler haben keine. Besonders die Diskrepanz zwischen Steuerberatern und -zahlern macht deutlich: Die einen leben prächtig vom deutschen Steuerdschungel und ihrer Steuerberatergebührenverordnung; die anderen können mit ihrer antifiskalischen Machete noch so sehr herumfuchteln, am Ende dürfen sie froh sein, wenigstens die 16 Seiten umfassende offizielle Anleitung zur Einkommensteuererklärung einschließlich der Anlagen Unterhalt, Kind und N halbwegs richtig in Formulare übertragen zu haben. Dazu je nach Einkunftsart auch noch die Anlagen EÜR, S, G, L, V, KAP, AUS, R, FW, SO, AV und/oder VL. Das alles allein, um die Einkommensteuer abzugelten. Aber dann gibt es ja noch die um sie rankende Körperschaftsteuer, den Soli und die Kirchensteuer, außerdem die Umsatz-, Gewerbe-, Erbschaft- und Schenkungsteuer, nicht zu vergessen die Unzahl an Bagatellsteuern.

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Bierdeckel ohne Chance

Man stelle sich nur vor, der kommende Bundeskanzler hieße Friedrich Merz, er würde den Steuerprofessor Paul Kirchhof reaktivieren und beide zusammen könnten die Idee einer Steuererklärung auf dem Bierdeckel realisieren. Dann ginge ein Sturm der Entrüstung durch das Land. Eine verschworene Gemeinschaft von Vertretern bis dahin privilegierter Branchen wäre um kein noch so faules Argument verlegen, um den Verlust von Millionen an Arbeitsplätzen an die Wand zu malen, ja den Untergang der Republik zu beschwören. Die Branchenleute hätten sofort Verbündete im Finanzministerium, die sich am Entwerfen von Rundschreiben und Nichtanwendungserlassen behindert sähen. Das Standardwerk mit den tausend ganz legalen Steuertricks von Franz Konz bliebe in den Bahnhofsbuchhandlungen liegen, es müsste verramscht werden. Und die Finanzbeamten, die längst die Feinarbeit an ihm übernommen haben, würden ebenso Däumchen drehen wie ihre Kollegen, die bis dahin die Anlagen EÜR, S usw. auf Glaubwürdigkeit geprüft haben. Ja die ganze Steuerkommentar- und -gutachter-Industrie inklusive der einschlägigen Medien bliebe auf der Strecke.

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