
Wir alle sind für Finanzämter und andere Behörden längst so durchsichtig, dass die mit viel Moralin und wenig Realitätsbezug geführte Diskussion um eine CD mit sensiblen Kundendaten deutscher Anleger in der Schweiz geradezu lächerlich wirkt. Allein in Deutschland gibt es an die 200 Institutionen, unter ihnen Finanzämter und Sozialversicherungsträger, mit denen die Steuerberater-Genossenschaft Datev Informationen austauscht. Ganz legal, mit dem Wissen der betroffenen Steuerzahler und ihrer Berater. Wir sind gläsern, das ist die eine Erkenntnis. Die andere: Das Glas, durch das deutsche Finanzbeamte durchzublicken versuchen, ist an vielen Stellen nicht mehr durchsichtig. Jüngste Beispiele: In Niedersachsen forderte ein Finanzamt Steuerzahler auf, wegen des inzwischen immerhin über zwei Jahre geltenden, aber nicht anwendbaren Paragrafen 34 a Einkommensteuergesetz Einspruch gegen die eigenen Steuerbescheide einzulegen. In Nordrhein-Westfalen ließen Finanzbeamte entsprechende Steuererklärungen aus demselben Grund einfach liegen.
Einzelfälle? Keineswegs, sonst müsste das aktuelle Datev-Taschenbuch "Tabellen und Informationen für den steuerlichen Berater" wohl kaum 557 aufklärende Seiten umfassen, "1000 ganz legale Steuertricks" von Franz Konz nicht 847 und "Das Arbeitsbuch zur Steuererklärung" vom selben Autor nicht 912 Seiten dick sein. Der in die Jahre gekommene Konz ist so etwas wie ein fiskalischer Robin Hood, der seit Jahrzehnten für Steuergerechtigkeit kämpft. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gab er zu, dass auch Finanzbeamte ihm die mühsame Suche nach immer neuen Steuertricks abnehmen. Und so schließt sich der Kreis zur Schweiz, steht doch auf Seite 231 des Arbeitsbuchs in dicken Lettern: "Der harte Schweizer Franken wird Ihre Rettung sein!“ Ganz legal, versteht sich.
Bis zur Perversion perfektioniert
Die Deutschen sind ein Volk von Steuersparern. Das heißt, sie nutzen seit Jahrzehnten so intensiv wie möglich Regeln und Ausnahmen von den Regeln, um möglichst wenig Steuern zu zahlen. Das Ganze haben uns zwar die Besatzungsmächte eingebrockt, aber erst die deutschen Fiskalbürokraten und die Schöpfer so genannter Steuersparmodelle haben es bis zur Perversion perfektioniert. Trugen die hohen Abschreibungen auf Häuser und Schiffe in den 50er und 60er Jahren noch zum Wirtschaftswunder bei, waren sie also insgesamt durchaus sinnvoll, so ließ sich das später von Bauherren- und Bauträgermodellen nur noch selten sagen.





