Geschädigte Anleger: Welche Prozessrisiken klagewillige Lehman-Opfer eingehen

Geschädigte Anleger: Welche Prozessrisiken klagewillige Lehman-Opfer eingehen

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Geschädigte Lehman-Anleger bei einer Demonstration vor einer Bankfiliale: Unzufriedene Bankkunden ziehen immer häufiger vor Gericht

Anleger, die Lehman-Zertifikate gekauft haben, überziehen Banken mit Klagen. Wer vor Gericht gute Chancen hat, wer lieber auf einen Vergleich hoffen sollte.

Bert Rürup will seine Bank nicht verklagen. Der Star-Ökonom, der im April beim Finanzvertrieb AWD anheuerte, hat zwar Ersparnisse im Wert „eines guten Automobils“ verloren, wie er in einem Fernsehinterview sagte. Aber seiner Bank macht er keinen Vorwurf: „Ich wusste, dass das eine Wette war. Und Wetten kann man verlieren.“

Vor Gericht hätte Rürup auch einen schweren Stand – einem Ex-Wirtschaftsweisen dürften Richter kaum abnehmen, dass er sich blind auf seinen Banker verließ. Doch auch Lehman-Anleger, die in Finanzfragen weniger bewandert sind, haben es im Gerichtssaal nicht leicht: Wer Schadensersatz kassieren will, muss in der Regel beweisen, dass sein Banker im Beratungsgespräch Risiken verschwiegen hat – und das ist schwierig.

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Seit dem Finanz-GAU im September 2008, als mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zahlreiche Zertifikate über Nacht wertlos wurden, sind Tausende Anleger vor Gericht gezogen. Ihr Vorwurf: Banker hätten die Papiere als sicheren Festgeldersatz oder als Geldanlage mit „Kapitalschutz“ verkauft – und verschwiegen, dass Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind, bei denen im Pleitefall die schönste Garantie nichts nutzt. Hoffnung macht Anlegern ein aktuelles Urteil des Landgerichts (LG) Frankfurt (2-19 O 211/08). 

Keine Signalwirkung für andere Lehman-Urteile

Die Richter sprachen einem Kunden der zur Frankfurter Sparkasse gehörenden 1822direkt 50.000 Euro zu. Ein Berater hatte dem Mann Lehman-Zertifikate als kurzfristige Anlage empfohlen. Die Papiere würden sehr wahrscheinlich nach einem Jahr mit zehn Prozent Gewinn zurückgezahlt, sagte er. Damit habe er angesichts einer Laufzeit von bis zu vier Jahren zu viel versprochen, sagten die Richter.

Doch Vorsicht: Die Entscheidung hat keine Signalwirkung für die vielen anstehenden Lehman-Urteile – laut LG handelte es sich um einen „absoluten Einzelfall“. Das stimmt: In den meisten anderen Prozessen geht es um die Frage, ob der Banker ausreichend auf Risiken hingewiesen hat. Wie bei einem Ehepaar, das Anfang 2007 für 12.000 Euro Lehman-Zertifikate gekauft hatte und 2008 vor Gericht scheiterte. Obwohl der Banker das Totalverlustrisiko verschwiegen hatte, sah das LG Frankfurt keinen Beratungsfehler (2-19 O 62/08). Er habe den beiden doch Unterlagen gegeben, aus denen hervorgehe, dass die Rückzahlung von der Bonität des Emittenten abhänge. Zudem sei das Risiko bei Lehman zur Zeit der Beratung „theoretischer Natur“ gewesen.

Lesen Sie auf Seite zwei, wie die Chancen für Kläger stehen

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