Global Payments: Kein Kredit, aber teure Prepaid-Kreditkarte

Global Payments: Kein Kredit, aber teure Prepaid-Kreditkarte

, aktualisiert 17. Juli 2017, 16:35 Uhr
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Das Unternehmen wirbt mit Sofortkrediten und einer Mastercard Gold – auf irreführendem Weg, nach Meinung der Verbraucherzentrale.

von Andreas NeuhausQuelle:Handelsblatt Online

Ein holländisches Unternehmen wirbt im Netz mit schufafreien Sofortkrediten von bis zu 6499 Euro. Doch am Ende drohen die Kunden ohne Darlehen, aber mit teurer Kreditkarte dazustehen. Dagegen klagen Verbraucherschützer.

FrankfurtWenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist, versprechen Sofortkredite im Internet Abhilfe. So wirbt etwa das Unternehmen Global Payments mit schufafreien Sofortkrediten von bis zu 6.499 Euro und einer Mastercard Gold. Doch das Angebot ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unseriös. Sie hat vor dem Landgericht Berlin Klage gegen Global Payments eingereicht.

Die Verbraucherschützer werfen dem Kreditvermittler irreführende Werbung vor. Denn das Unternehmen aus den Niederlanden wirbt auf Internetseiten mit „Schufa“-freien Sofortkrediten. Der Vorwurf der Verbraucherzentrale Bundesverband: Sicher sei bei diesem Angebot nur eine Kreditkarte, über deren Kosten Global Payments die Kunden nicht ausreichend informiere. Auch fehle es an Informationen über die wesentlichen Eigenschaften der angebotenen Dienstleistung.

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Insgesamt sei die Werbung des Anbieters auf den Internetseiten deshalb unlauter. „Da bisher keine Unterlassungserklärung abgegeben wurde, sehen wir hier ganz klar Wiederholungsgefahr“, begründet David Bode, Rechtsreferent im Marktwächterteam Finanzen der Verbraucherzentrale, die Klage.

Auf Internetseiten wie mastercredit.de und sorglosduo.de wirbt Global Payments für Sofortkredite: „Hundertprozentige Zuteilung sicher, bei negativer Schufa, bei Arbeitslosigkeit, bei geringem Einkommen“, steht auf der Anzeige. Angesprochen werden damit insbesondere einkommensschwache Verbraucher. Doch gehen diese auf das Angebot ein, stehen sie im schlimmsten Fall ohne Darlehen dar – dafür mit einer Kreditkarte, die sie viel Geld kostet, mit der sie aber nicht bezahlen können.

Denn die sichere Zuteilung, mit der Global Payments wirbt, bezieht sich bei genauerem Hinsehen auf die Mastercard-Gold. Diese wiederum entpuppt sich beim Blick in die Fußnote als Prepaid-Kreditkarte. Dass diese Karte jeder bekommen kann, verwundert nicht: Der Karteninhaber kann nur das Geld ausgeben, was er vorher auf die Karte geladen hat. Wer kein Geld hat, dem nutzt diese Karte also nichts.

Um eine Chance auf einen Sofortkredit zu bekommen, müssen die Kunden allerdings zunächst den Kartenantrag ausfüllen. Erst danach ist es möglich, einen Kreditantrag zu stellen. Ob dieser auch bewilligt wird, steht in den Sternen. Denn über die Sofortkredite heißt es in der Fußnote: „Die Vermittlung der MasterCard Gold ist unabhängig von der etwaigen Vermittlung eines Kredites. Die Kreditanfrage wird entsprechend der AGB weitergeleitet und kann durch uns nicht beeinflusst werden.“ Global-Payments ist also lediglich der Kreditvermittler an Kreditinstitute. Diese entscheiden dann, ob und zu welchen Bedingungen sie ein Darlehen gewähren.

Für den Kunden sei das aber nicht ersichtlich, so der Vorwurf der Verbraucherschützer. Global Payments vermische die Werbung für beide Produkte gezielt. Dem Verbraucher werde suggeriert, dass nicht nur die Prepaid-Karte, sondern auch das Darlehen sofort und bei einem negativen Schufa-Eintrag erhältlich sei. „Tatsächlich hat der Anbieter als reiner Kreditvermittler auf die Vergabe des Darlehens aber keinen Einfluss und kann somit auch keine Zuteilung sicherstellen“, sagt Bode.


Warum die Kunden auf der Kreditkarte sitzen bleiben

Ob die Kunden nun den gewünschten Kredit erhalten oder nicht: Auf der Prepaid-Kreditkarte bleiben sie auf jeden Fall sitzen. Und deren Kosten haben es in sich. Die Ausgabegebühr beträgt 49,90 Euro zuzüglich zehn Euro für den Versand, die Kosten sind per Nachnahme beim Postboten zu entrichten. Hinzu kommt eine Jahresgebühr von 49,90 Euro. Insgesamt kommen so Kosten von 109,80 Euro zusammen. Viel Geld für eine Karte, die keinen Nutzen hat, wenn der Inhaber über kein Geld verfügt.

Es kann allerdings mühsam sein, die Kreditkarte wieder zu kündigen, wie die Verbraucherzentrale bereits im vergangenen Jahr schrieb: „Verbraucher, die die Bestellung widerrufen wollten oder die Sendung beim Postboten einfach nicht annahmen, erhielten Inkassoforderungen vom Drei- bis Vierfachen des ursprünglichen Betrages. Auch korrekte Widerrufe wurden vom Anbieter abgelehnt. Begründung: Der Widerruf sei nicht fristgemäß erfolgt.“ Telefonische Rückfragen können dagegen teuer werden: Auf der Startseite von mastercredit.de findet sich eine Telefonnummer, bei der der Anruf aus dem Festnetz 2,99 Euro pro Minute kostet.

Die Verbraucherzentrale wirft Global Payments vor, potenzielle Kunden über Kosten der Kreditkarte nicht ausreichend in Kenntnis zu setzen. Global Payments hat sich bislang nicht zu der Klage geäußert, eine schriftliche Anfrage blieb unbeantwortet.

Bereits Anfang November 2016 hatte das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale den Anbieter abgemahnt und forderte eine Unterlassung der Werbung. Dem trat Global Payments im Juni 2017 entgegen. Jetzt geht der Verbraucherzentrale Bundesverband einen Schritt weiter und hat Klage eingereicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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