Grenzkontrollen: Wenn Zöllner Jagd auf Uhrenschmuggler machen

Grenzkontrollen: Wenn Zöllner Jagd auf Uhrenschmuggler machen

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Edle Uhren aus der Schweiz stoßen auch in gebrauchtem Zustand auf das Interesse der Zollbehörden

von Andreas Toller

Der Zoll rüstet im Kampf gegen den Schmuggel teurer Uhren auf. Selbst Jahre nach dem Kauf kann die Steuerkeule noch zuschlagen, auch hohe Geldstrafen drohen. Was Uhrenliebhaber auf Reisen beachten sollten.

Neulich an der deutsch-schweizerischen Grenze in Weil am Rhein: Lässig reichte der Autofahrer den Pass aus dem Wagenfenster. „Haben Sie etwas zu verzollen?“ lautete die routinierte Frage. „Nein“, war die prompte Antwort. Vielleicht war die Antwort etwas zu zackig ausgefallen, denn der Mann mit dem mintgrünen Hemd und dem Bundesadler am Ärmel erwiderte: „Bitte rechts ranfahren.“ Der edle Zeitmesser am Handgelenk des Autofahrers war dem deutschen Zollbeamten aufgefallen.

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Der Besitzer der Uhr wurde einer ausführlichen Fragerunde unterzogen. „Die habe ich schon lange. War ein Geschenk meiner Frau. Wann das Geschenk war, habe ich vergessen. Rechnung habe ich nicht mehr.“ Wer mit solchen Aussagen glaubt, den deutschen Zoll zu überwinden, hat sich geschnitten. Der deutsche Fiskus schaut an seinen Außengrenzen inzwischen genauer hin und hat auch beim Thema hochwertige Uhren mehr Expertise als so mancher Reisende glaubt. Wem im Verdachtsfall der Nachweis über den Kauf inklusive korrekter Versteuerung nicht sofort gelingt, dessen Uhr wandert in die Asservatenkammer. Im Extremfall lässt der Zoll durch teure Experten die Herkunft der Uhr klären.

„Rückwaren“ nennen sich im Zoll-Jargon die Gegenstände, die bei der Wiedereinreise nach Deutschland immer häufiger zum Problemfall werden.  „Liegt ein strafbares Zollvergehen vor, kann die Verjährungsfrist bis zu zehn Jahre betragen“, sagt Martina von Mesterhazy. Die Koordinatorin Zollberatung der Industrie- und Handelskammer Berlin weist auf die  „empfindlichen“ Strafen hin. „Die Geldstrafen übersteigen die vermeintlich eingesparte Steuer um ein Vielfaches.“ 

Meist ist die vermeintliche Einsparung an Steuern deutlich niedriger – nicht aber die Gefahr des Erwischtwerdens. „Es lohnt nicht wegen ein paar hundert Euro, dieses Risiko auf sich zu nehmen“, sagt Philipp Man. „Die wenigsten wissen, dass der Herkunftsnachweis noch Jahre später verlangt werden kann.“ Man ist Gründer und Vorstandschef von Chronext. Das junge E-Commerce-Unternehmen, liefert seinen Kunden als besondere Dienstleistung einen lückenlosen Herkunftsnachweis für seine angebotenen Luxusuhren gleich mit – bis hin zum Hersteller und unter Rücksichtnahme auf das Datenschutzinteresse der Vorbesitzer. Peinliche Situationen an der Grenze oder am Flughafen kann Man für seine Kunden ausschließen.

Der Zoll und die organisierte Kriminalität

  • 39.000 Personen

    39.000 Personen arbeiten beim Zoll, davon 26.000 bei den 43 Hauptzollämtern und 3.500 beim Zollkriminalamt.

  • 100 Millionen

    100 Millionen Zollabfertigungen werden jährlich abgewickelt. Der Wert der Einfuhren aus Nicht-EU-Staaten belief sich zuletzt auf 317 Milliarden Euro.

  • 52,7 Milliarden Euro

    52,7 Milliarden Euro Einfuhrumsatzsteuer und Zölle haben Schäubles Beamte 2013 an den Grenzen kassiert.

  • 376.200 Euro

    376 200 Euro Einfuhrumsatzsteuer spart die Mafia pro Container, wenn sie den Wert von Textilien mit 20 000 Euro statt 2 Millionen Euro angibt.

  • 54.750 Euro

    54.750 Euro pro Lkw spart die Mafia, wenn sie die Kaffeesteuer nicht entrichtet und die Röstbohnen über Broker in den Markt schleust

  • 90 Prozent

    90 Prozent aller Sendungen aus China, die per DHL-Express am Leipziger Flughafen ankommen, sind unter Wert fakturiert.

Für alle anderen gilt: Wer teure Waren mit auf Reisen nimmt, sollte auch deren Kaufbelege möglichst dabei haben. Die Uhrenhersteller können zumindest nachvollziehen, welche Händler sie beliefert haben, über diesen ließen sich eventuell verlorene Belege auch noch in Kopie ausstellen. Ohne Kaufnachweis könnte der Zoll sonst zu dem Ergebnis kommen, dass ein Schmuggelversuch vorliegt. Und dann wird es richtig teuer.

Das blieb selbst einigen Prominenten nicht erspart: Karl-Heinz-Rummenigge, Präsident des FC Bayern München, ist im Februar 2013 auf der Rückreise aus Katar bei der Zollkontrolle am Flughafen München mit zwei Rolex-Uhren im Gepäck erwischt worden – ein Geschenk seiner Gastgeber im Gesamtwert von 100.000 Euro. Er musste nicht nur Zoll, Einfuhrumsatz- und Schenkungssteuer (schätzungsweise mehr als 26.000 Euro) für die teuren Mitbringsel zahlen, sondern darüber hinaus einen Geldstrafe von 250.000 Euro, die ihm das Landgericht München aufbrummte. Damit ist Rummenigge offiziell vorbestraft.

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