ThemaSteuern

alles zum Thema
_

Gutachten: Rückendeckung für die Reichensteuer

Eine stärkere Besteuerung von Reichen ist laut einem juristischen Gutachten mit dem Grundgesetz vereinbar. Die Abgabe war heiß diskutiert worden, um Staatsschulden abzubauen, galt aber bislang als verfassungswidrig.

Vermögenssteuer Bsirske Reichensteuer Quelle: dapd
Verdi-Chef Frank Bsirske, Jutta Sundermann von attac und der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, posieren mit einem Plakat zu ihrem Vorstoß der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer. Quelle: dapd

Die Anhänger einer stärkeren Besteuerung von Wohlhabenden in Deutschland bekommen juristische Rückendeckung. Nach einem Gutachten des Steuerrechts-Professors Joachim Wieland ist eine einmalige Vermögensabgabe verfassungsgemäß und zulässig, um die mit der Finanzkrise und Bankenrettung sprunghaft gestiegenen Staatsschulden abzubauen. Die Abgabe kann zudem mit den Kosten der Energiewende gerechtfertigt werden, wie aus dem am Freitag in Berlin vorgelegten Gutachten hervorgeht.

Anzeige

Entscheidend sei, dass der Bund einen außerordentlichen Finanzbedarf verzeichne. „Die Finanzkrise und die angestrebte Reduzierung des Schuldenstandes (...) sind eine hinreichende Begründung für die Einführung einer einmaligen Vermögensabgabe“, heißt es in der Studie im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der außerordentliche Finanzierungsbedarf des Bundes könne nicht aus den regelmäßigen Einnahmen gedeckt werden. Bei der Finanzkrise handele es sich auch um einen Notstand im Sinne einer Äußerung des Bundesverfassungsgerichts.

Reichensteuer Demagogen blasen zum Klassenkampf

Ein Bündnis von Verdi, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Attac und anderen Verbänden startet die Aktion „Umfairteilen – Reichtum besteuern“. Doch die Umverteiler liegen völlig falsch.

Reichensteuer: Demagogen blasen zum Klassenkampf

Nach Ansicht des Finanzexperten der Uni Speyer lässt sich eine einmalige Vermögensabgabe auch mit den „Erfordernissen der gerechten Finanzierung einer Energiewende“ rechtfertigen. Der Umbau der Stromversorgung nach dem Atomausstieg verursache einen einmaligen außerordentlichen Finanzbedarf des Bundes. Aus Sicht des Experten kann auch Betriebsvermögen belastet werden, wobei sich die Abgabe an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ausrichten sollte.

Das Gutachten zeigt Verdi zufolge einen rechtssicheren Wege zu einer angemessenen Beteiligung von Vermögenden an der Bewältigung der Finanzkrise: „Damit ist die Ausrede widerlegt, dass eine Vermögensabgabe zulasten der Reichen und Superreichen letztlich am Grundgesetz scheitere“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Verdi setzt sich zusammen mit anderen Gewerkschaften, Sozialverbänden sowie regierungsunabhängigen Organisationen für eine stärkere Besteuerung von „Reichen“ ein. Als Konsequenz aus der Euro-Schuldenkrise fordern die Initiatoren eine dauerhafte Wiedereinführung der Vermögensteuer sowie eine einmalige Vermögensabgabe.

Weitere Artikel

Eine Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) plädiert dafür, Staatsschulden mit Zwangsanleihen und Vermögensabgaben zu finanzieren. Von SPD und Grünen geführte Länder machen sich mit einer Bundesratsinitiative für die Wiedereinführung der Vermögensteuer stark. Danach soll Großvermögen mit einem Prozent besteuert werden, was jährlich 11,5 Milliarden Euro in die Länderhaushalte spülen soll.

SPD, Grüne und Linke im Bundestag treten ebenfalls für eine stärkere Steuerbelastung von Top-Verdienern und Vermögenden ein. Die Privathaushalte haben in Deutschland schätzungsweise zehn bis elf Billionen Euro Vermögen angehäuft. Davon entfallen knapp fünf Billionen Euro auf Geldvermögen, der Rest auf Sachvermögen. Der Schuldenberg von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ist inzwischen auf mehr als zwei Billionen Euro angewachsen.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.08.2012, 20:58 UhrMauserspeck

    Fragt die Frösche, wenn ihr den Teich trockenlegen wollt.
    Neue Geschäftsidee: Gutachtenfabrik.
    Lieferung nach Vorgabe der Aussagen (Grobkonzept reicht) innerhalb
    von 48 Stunden. Gegen Zuschlag auch innerhalb von 24 Stunden
    mögich.

  • 19.08.2012, 13:07 UhrJoker1

    Diese Herrschaften sind flüßiger wie flüßig, da überflüßig.
    Sind auf der Liste, keine Frage.

  • 18.08.2012, 08:15 UhrWegweiser

    Leider zeigt auch diese Überlegung wieder einmal, dass man sich mit den grundlegenden Ursachen und Folgewirkungen dieser Entwicklungen überhaupt nicht auseinandersetzen möchte. Dies hat wohl politische Gründe, man müsste als Gewerkschafter auch sein eigenes Handeln kritisch reflektieren.

    Nun zu den Ursachen: ein chaotisches Steuersystem und Steuerrecht, die Einführung unserer Gemeinschaftswährung (siehe Auf- und Abwertungen, Entwicklungen der nationalen Leistungsbilanzsalden, EZB-Einheitspolitik für den gesamten Euroraum) und die fehlerhafte Ausgestaltung beim Aufbau Ost (Finanzierung über die Sozialversicherungssysteme). Hinzu kommt ein kompliziertes Finanzausgleichsystem innerhalb der EU, innerhalb des Bundes, zwischen den Bundesländern selbst, innerhalb eines Bundeslander (innerkommunaler Finanzausgleich) und ein noch komplexeres Subventionssystem, was Fehlallokationen, Wettbewerbsverzerrungen und Marktverwerfungen weiter fördert und begünstigt.

Alle Kommentare lesen

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Es kann bis 9000 gehen
Es kann bis 9000 gehen

Die Rally läuft, und sich dagegen zu stemmen, ist gefährlich. Mindestens ein kräftiger Schub sollte noch kommen – nach...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.