Handy-Auslandsgebühren: EU darf Mobilfunk-Abzocke verbieten

KommentarHandy-Auslandsgebühren: EU darf Mobilfunk-Abzocke verbieten

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WirtschaftsWoche Redakteur Martin Gerth

von Martin Gerth

2007 hatte die Europäische Union eine Senkung der sogenannten Roaming-Gebühren durchgedrückt. Dagegen klagten die Mobilfunkunternehmen. Der Europäische Gerichtshof ließ sie nun abblitzen

Es gibt auch Tage, an denen sich die EU, nicht als bürgerfeindliches Monster zeigt. Heute ist so ein Tag. Der Europäische Gerichtshof ließ die vier Mobilfunkkonzerne Vodafone, Telefonica O2, Orange und T-Mobile abblitzen, die überhöhte Auslandsgebühren für Handy-Gespräche konservieren wollten. 2007 hatte die EU eine Senkung der sogenannten Roaming-Gebühren um bis zu 70 Prozent durchgedrückt. Für ausgehende Gespräche dürfen sie heute nicht mehr als 43 Cent, für angenommene Gespräche nicht mehr als 19 Cent je Minute plus Mehrwertsteuer verlangen. Ab Juli werden die Obergrenzen nochmals auf 39 beziehungsweise 15 Cent gesenkt. Gegen die Deckelung klagten die Mobilfunkunternehmen -  nicht zuletzt weil ihnen eine wichtige Gewinnquelle wegbrach.

Staatseingriffe, egal ob von der Regierungsbank oder vom Richtertisch aus, sind die schlechtere Lösung, so lange der Markt funktioniert. In der Praxis ist die unsichtbare Hand des Marktes aber bisweilen gelähmt. Oligopole teilen die größten Stücke des Kuches unter sich auf und die wenigen verbliebenen Anbieter zeigen kaum Neigung mit günstigen Konditionen untereinander zu konkurrieren. Das ist bei den Stromversorgern genauso wie bei den Tankstellen.

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Daneben gibt es auch Märkte, darunter Mobilfunk, in denen die Anbieter nur einen Teil des Produktangebots dem Wettbewerb entziehen. Anders als für Inlandsgespräche kam nie ein echter Konkurrenzkampf um die günstigsten EU-Auslandstarife zustande. Stattdessen verlangten die Anbieter unisono hohe Aufschläge für mobile Telefonate über die Grenze.

Mündige Kunden für mehr Wettbewerb

Auch wenn die Zeiten überhöhter Auslandsgebühren in der EU endlich der Vergangenheit angehören, sind sie außerhalb der Europäischen Gemeinschaft keineswegs passé. Tausende deutsche Fans, die derzeit nach Südafrika reisen, um die Fußball-Nationalmannschaft anzufeuern, müssen sich nach der Rückkehr auf horrende Mobilfunkrechnungen einstellen, wenn sie die Lieben daheim vom Fußballstadion aus per Handy anrufen. Für fünf Minuten Geplauder ist schnell ein zweistelliger Betrag zusammen. 

Sollte sich jetzt ein Internationaler Gerichtshof dafür zuständig fühlen? Lieber nicht. Besser wäre es, wenn die Kunden selbst  für mehr Wettbewerb und niedrigere Preise sorgen. Wer Wert auf Handygespräche außerhalb der EU legt, findet schon jetzt günstigere Tarife als in den Standardpaketen. Das erfordert etwas Zeit und Mühe bei der Suche nach dem passendem Tarif, aber es rechnet sich. Wem das zu umständlich ist, sollte sich fragen, ob das Handygespräch über den halben Erdball unbedingt notwendig ist, oder ob es auch eine E-Mail oder die gute alte Postkarte tut.

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