Hoeneß-Prozess: Der FC Bayern hat sich vom Übervater Hoeneß emanzipiert

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Hoeneß-Prozess: Der FC Bayern hat sich vom Übervater Hoeneß emanzipiert

, aktualisiert 14. März 2014, 06:57 Uhr
von Peter Steinkirchner

Weniger Bayernfans als erwartet waren dabei, als Uli Hoeneß das Gericht verließ. Was das Urteil für den Verein bedeutet und warum der Erfolgsclub auch ohne seinen langjährigen Frontmann Hoeneß funktioniert.

Uli Hoeneß schüttelte sauer den hochroten Kopf. „Steht auf, wenn ihr Steuern zahlt!“, brüllten die Anhänger von Borussia Mönchengladbach in die ausverkaufte Allianz-Arena beim Spiel gegen den amtierenden deutschen Fußballmeister. Kapitän Philipp Lahm und seine Mitspieler nahmen's gelassen und schickten die Gegner samt angereister Spötter mit 3:1 zurück an den Niederrhein.

Unter ähnlichen Vorzeichen wie der Saisonstart vor gut einem halben Jahr begann am 10. März das Strafverfahren vor der Wirtschaftskammer des Münchner Landgerichts gegen den Bayern-Präsidenten wegen Steuerhinterziehung. Jetzt ist das Urteil da: Drei Jahre und sechs Monate Haft für den Bayern-Chef. Sein Anwalt ging in Revision, demnächst muss also der Bundesgerichtshof (BGH) über das Schicksal von Uli Hoeneß entscheiden. Doch wie auch immer das Urteil des BGH ausfallen wird: Der Medienlärm wird dem erfolgreichsten deutschen Fußballverein vermutlich so wenig anhaben wie der damalige Hohn von den Rängen.

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„Hoeneß ist zwar eine zentrale Figur für den FC Bayern“, sagt Philipp Kupfer, Marketingexperte beim Kölner Sportberatungsunternehmen Repucom, „aber Fans und Vertragspartner unterscheiden sehr klar zwischen Privatperson und Verein.“ So habe die positive Entwicklung der Imagewerte dank der sportlichen Erfolge nicht unter der Affäre gelitten. Tatsächlich ist dem Club im Windschatten der Steueraffäre in den vergangenen Monaten etwas gelungen, was die breite Öffentlichkeit kaum gemerkt hat: ein glatter Generationswechsel an der Spitze. Damit hat der Club auch einer Verurteilung vorgebaut, durch die sein Präsident möglicherweise nicht mehr haltbar wäre. „Der FC Bayern hat sich so professionell aufgestellt, dass der Verein mittlerweile auch unabhängiger von Hoeneß funktioniert“, sagt Berater Kupfer.

Dreieinhalb Jahre Haft Hoeneß stand am Pranger wie im Mittelalter

Richter Heindl macht seinem Ruf alle Ehre – er verurteilt Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu 3,5 Jahren Haft. Doch längst sind nicht alle Fragen rund um den Prozess des Jahres geklärt.

Uli Hoeneß Quelle: AP

Büro in New York

Kümmerten sich bis vor Kurzem mit Karl-Heinz Rummenigge, Finanzchef Karl Hopfner und Hoeneß gerade drei Mann um die Geschicke des Vereins, steuert heute ein fünfköpfiger Vorstand aus Experten und Ex-Profis den Kickerkonzern, der nach dem Gewinn der Champions League Mitte vergangenen Jahres erstmals mehr als 400 Millionen Euro Umsatz erzielt hatte.

Am längsten arbeitet Ex-Nationalspieler Rummenigge für den Club, seit 2002 als Vorstandschef der AG, die zu gut 75 Prozent dem Verein und je zu 8,3 Prozent Audi, der Allianz sowie Adidas gehört. Die AG führt die Geschäfte rund um den Profifußball und wird kontrolliert von Wirtschaftsgrößen, die sich im Zuge der Hoeneß-Affäre fragen lassen mussten, wie sie es denn mit guter Unternehmensführung halten: von VW-Chef Martin Winterkorn, seinem Deutsche-Telekom-Kollegen Timotheus Höttges und Audi-Boss Rupert Stadler.

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Gleichzeitig ist das Management der AG stärker besetzt als noch vor einem Jahr. Seit Juli 2013 gehört dem Vorstand Jörg Wacker an, zuvor Deutschland-Chef des Wettanbieters bwin. Der 46-Jährige ist zuständig für Internationalisierung und Strategie. Mit Wacker rückte Andreas Jung ins Top-‧Management. Der 52-Jährige verantwortet die Vermarktung des Clubs. Finanzchef Jan-Christian Dreesen, zuvor im Vorstand der HypoVereinsbank, ist seit einem Jahr dabei. Zudem kümmert sich Ex-Profifußballer Matthias Sammer seit Juli 2012 als Sportchef um die Profis. Offenbar haben sich die neuen Bayern-Macher ein gutes Stück vom bisherigen Übervater emanzipiert. Hieß es anfangs noch in der Branche, Marketingfachmann Jung „laufe durch die Türen, die Hoeneß ihm bei Geschäftspartnern öffnet“, hat der längst eigenes Profil entwickelt und genießt einen guten Ruf.

Den wollen die Bayern jetzt auch in Übersee nutzen: Sie werden bereits im April ein Büro in New York eröffnen. „Wir wollen die Marke FC Bayern in den USA stärker positionieren“, sagt Strategie-Vorstand Wacker. Vorbild dürfte Rivale Manchester United sein, der als wertvollster Club der Welt gilt und auf dessen Trikots bald die US-Automarke Chevrolet prangt. Um sich in die Herzen der Amerikaner zu spielen, treten die Bayern auch am 6. August gegen eine Auswahl der US-Profiliga an. Gekickt wird in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Bayern-Aktionär Adidas hat hier seine Amerika-Zentrale.

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