Insiderhandel: Marktmanipulation im großen Stil

Insiderhandel: Marktmanipulation im großen Stil

Ein ehemaliger Aktionärsschützer gibt vor Gericht Kursmanipulation und Insiderhandel in 92 Fällen zu. Zwei Beschuldigte sind geständig, die Verfahren gegen die Hauptakteure stehen noch aus.

Bild vergrößern

Der Volkswirt Christoph Öfele (rechts) mit seinem Verteidiger Rechtsanwalt Klaus Leipold im Gerichtssaal im Landgericht München. Dem ehemaligen Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wirft die Staatsanwaltschaft Insiderhandel in 92 Fällen vor.

Mit schnellen Geständnissen hatte wohl niemand gerechnet: Gestern hat das Landgericht München das erste Urteil in der Affäre um Aktienkursmanipulation gesprochen: Der geständige Börsenbrief-Herausgeber Stefan Fiebach ist zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, weil er vor allem die Aktien bejubelt hat, die er selbst besaß. Zuvor hatte er die Anschuldigungen gestanden und Kursmanipulation in Mittäterschaft eingeräumt. Nach dem Geständnis von Fiebach in der vergangenen Woche räumte nun auch der ehemalige Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Christoph Öfele, über seinen Anwalt Insiderhandel in 92 Fällen ein und bestätigte damit die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang.

Ein Netzwerk der Manipulation

Anzeige

Der Prozess in München ist ein schon fast historisches Ereignis: Vorsätzliche Kursmanipulation und Insiderhandel sind in der Regel nur sehr schwer nachweisbar, oftmals geht das Strafmaß nicht über ein Bußgeld hinaus. Dass in München gleich zwei Angeklagte die Vorwürfe vollumfänglich zugeben, dürfte in den nächsten Verhandlungstagen für Spannung sorgen. Es wird erwartet, dass die beiden Geständigen auch als Zeugen gegen die Hauptakteure dienen. In den beiden bislang verhandelten Fällen war eine Verständigung mit dem Gericht vorausgegangen, was die Auftaktverfahren in einer Reihe von Prozessen deutlich verkürzte. Höchststrafe für jeden einzelnen Fall von Marktmanipulation und Insiderhandel wären fünf Jahre Haft.

Fiebach ist nur einer von vier Angeklagten in dem Verfahren. Und er ist sicher nicht der Drahtzieher des Netzwerks aus Börsenbriefschreibern, Finanzjournalisten und Aktionärsschützern, die laut Anklage höchst professionell und systematisch Aktienkurse manipuliert haben, um sich in der Folge an Insidergeschäften zu bereichern. Meist zum Schaden der übrigen Anleger.

Eine Schutzgemeinschaft die keine ist

Gegen das Netzwerk von Kursbetrügern ermittelt die Staatsanwaltschaft schon seit 2008 wegen krimineller Börsengeschäfte. Brisant daran ist, dass drei der vier Angeklagten früher für die SdK tätig waren, neben Christoph Öfele auch die beiden Angeklagten Markus Straub und Tobias Bosler. Laut Anklageschrift sollen die vier Männer von 2005 bis 2008 Aktienkurse durch gezielte Veröffentlichungen nach oben oder unten getrieben haben, um mit vorher getätigten Verkäufen oder Leerverkäufen hohe Gewinne zu erzielen. Markus Straub, ehemals Vorstand bei der SdK, soll die Kurse auch mit Mitteilungen der Aktionärsschützer manipuliert haben.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%