Insolvenzrecht: Jedes vierte Sanierungsverfahren scheitert

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Insolvenzrecht: Jedes vierte Sanierungsverfahren scheitert

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Wie gut funktioniert die Reform des Insolvenzrechts?

von Henryk Hielscher

Die Reform des Insolvenzrechts sollte zum Sanierungsturbo für gestrauchelte Unternehmen werden. Doch wie gut funktionieren die Rettungswerkzeuge wirklich?

Schutzschirm oder reine Eigenverwaltung – was ist das effektivere Sanierungsinstrument? In einer Studie haben Jochen Brinkmann und Thilo Herbertz, Restrukturierungsexperten der internationalen Beratungsgesellschaft Mazars, die zwei Verfahrensvarianten des neuen Insolvenzrechts (Esug) analysiert. 189 der rund 340 bisher bekannt gewordenen Esug-Verfahren wurden von Brinkmann und Herbertz dafür im Detail durchleuchtet.

Das Ergebnis: Esug-Sanierungen scheitern überraschend oft. So endete rund jedes vierte untersuchte Esug-Verfahren letztlich in der Regelinsolvenz.  Pleite statt Rettung, heißt das für die betroffenen Unternehmen. Zudem seien die vor dem Start der Insolvenzreform oft gepriesenen Möglichkeiten einer Umwandlung von Schulden in unternehmerische Beteiligungen seien bislang eher zurückhaltend genutzt worden, bilanzieren die Experten.

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Als im März 2012 die Insolvenzrechtsreform startete, war das Ziel klar: Unternehmer, die sich rechtzeitig Hilfe suchen, sollen mehr Einfluss auf den Verlauf des Verfahrens erhalten und ihre Firma im besten Fall selbst aus der Krise steuern. Dafür wurden eigens die zwei neuen Sanierungsverfahren in der Insolvenzordnung verankert, die beide auf eine größere Beteiligung des bisherigen Managements setzen.

Die Mazars-Analyse zeigt allerdings deutlich Unterschiede auf: So sind die Rettungschancen für einen Unternehmen unterm Schutzschirm erheblich höher als bei einer reinen Eigenverwaltung, lässt sich aus den Daten ablesen. Demnach scheiterten rund 30 Prozent aller untersuchten Eigenverwaltungen, aber nur rund 20 Prozent aller Schutzschirmverfahren.

Um den Unterschieden auf den Grund zu gehen, haben die Experten einzelne Verfahren wie die Havarie der Nachrichtenagentur dapd oder der Solarunternehmen Solarwatt und Centrotherm als Fallbeispiele untersucht und beteiligte Sanierer zu ihren Erfahrungen befragt.

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Für den Schutzschirm würden demnach vor allem der größere Verhandlungsspielraum mit Gläubigern, die stärkeren Einflussmöglichkeiten des Sachwalters und die einfacheren Möglichkeiten, Masseverbindlichkeiten einzugehen, sprechen. Zudem verläuft die Durchführung von Schutzschirmverfahren im Schnitt wesentlich schneller als die von reinen Eigenverwaltungen. Von der Antragsstellung bis zur Aufhebung eines Schutzschirms vergehen im Schnitt 206 Tage, bei Eigenverwaltungen sind es 298 Tage.

Trotz dieser Vorteile sei die Zahl der Schutzschirmverfahren aber „nach euphorischer Anfangsphase rückläufig“, schreiben Brinkmann und Herbertz. Die Erfahrung zeige, dass Schutzschirmverfahren in der Umsetzung vergleichsweise aufwendig seien. Zudem würden Insolvenzverwalter darauf hinweisen, dass es für die zuständigen Gerichte oft schwierig ist, einzuschätzen, ob ein Unternehmen schon zahlungsunfähig ist, oder die Zahlungsunfähigkeit nur droht. Nur im letzten Fall ist ein Schutzschirm-Antrag zulässig.

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