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Jagd auf Steuersünder: Drei Steueroasen lockern Bankgeheimnis

von dpa/AP

Der Druck aus dem Ausland hat gewirkt: Nach Liechtenstein und Andorra haben heute auch die Schweiz, Luxemburg und Österreich angekündigt, die OECD-Standards zu übernehmen und bei Steuerdelikten besser mit ausländischen Behörden zusammenzuarbeiten.

Die Schweiz will nun auch bei Quelle: ZB
Die Schweiz will nun auch bei Steuerhinterziehung mit dem Ausland kooperieren. Quelle: ZB

Das strikte Bankgeheimnis in einigen Staaten Europa bröckelt. Unter dem wachsenden Druck der internationalen Gemeinschaft lockerten heute die Schweiz, Luxemburg und Österreich ihr striktes Bankgeheimnis. Am Vortag hatten bereits Liechtenstein und Andorra eingelenkt.

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Der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz teilte mit, die Regierung sei bereit, unter gewissen Bedingungen auch bei Steuerhinterziehung Amtshilfe zu leisten. So sollen OECD-Standards für Hilfe bei Steuerverfahren eingehalten werden, gegen die die Schweiz bisher Vorbehalte hatte. Ein „automatischer Informationsaustausch“, wie er in der EU üblich ist, werde aber entschieden abgelehnt, sagte Merz.

Bisher unterschied die Schweiz strikt zwischen Steuerbetrug, etwa das Fälschen von Unterlagen, und Steuerhinterziehung. Amtshilfe wurde nur bei Steuerbetrug gewährt, nicht aber bei Steuerhinterziehung. Das wird nun anders. „Das Bankgeheimnis schützt nicht vor Steuerdelikten“, sagte Merz nun.

Das schweizerische Parlament muss noch mitreden

Die Umsetzung des Beschlusses soll über die Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) erfolgen. Der Schweizer Bundesrat will bei der künftigen Amtshilfepolitik eine Reihe von unverzichtbaren Elementen einhalten, wie es in der Mitteilung des Eidgenössischen Finanzdepartements weiter heißt. Dazu gehörten faire Übergangslösungen, die Begrenzung der Amtshilfe auf Einzelfälle und die Wahrung des Verfahrensschutzes. Formell wird der Bundesrat seinen bisherigen Vorbehalt zum Informationsaustauschartikel 26 des OECD-Musterabkommens zurückziehen.

Die neue Praxis wird erst Wirkung entfalten, wenn die neu ausgehandelten Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft treten. Damit wird auch das Parlament mitreden können, weil es die DBA genehmigen muss. Für in der Schweiz ansässige Steuerpflichtige ändert sich mit der Neuregelung nichts.

Luxemburg will nicht auf die "Schwarze Liste"

Neben der Schweiz knickten heute weitere Länder ein. Auch Österreich will künftig bei „begründetem Verdacht“ einer ausländischen Behörde auf Steuervergehen Informationen über Konten austauschen, auch wenn noch kein Strafverfahren läuft. Das gab Finanzminister Josef Pröll in Wien bekannt. Bisher wurden Konten in der Alpenrepublik nur bei Strafverfahren offengelegt.

Luxemburg lenkte heute ebenfalls ein. Das Großherzogtum ist künftig zum Informationsaustausch mit anderen Ländern nicht nur bei Verdacht des Steuerbetrugs, sondern auch bei einem konkreten Verdacht auf Steuerhinterziehung bereit. Dies teilte Budgetminister Luc Frieden in Luxemburg mit. Damit hofft das Land, nicht auf eine „Schwarze Liste“ der Staaten mit Steuerschlupflöchern gesetzt zu werden, die die G20-Gruppe plant.

Luxemburg war bisher zum Informationsaustausch mit anderen EU-Ländern nur bereit, wenn es um schweren „Steuerbetrug“ ging. Dies setzte ein systematische Anwendung von betrügerischen Machenschaften und „erhebliche Beträge“ voraus, die dem Fiskus vorenthalten werden.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.03.2009, 00:11 UhrAnonymer Benutzer: Watz

    Aber generell haben Sie Recht, wenn Sie die Scheinheiligkeit der ganzen Diskussion über Steueroasen anprangern.
    Machen wir uns nichts vor, es geht hier um knallharte Geschäftsinteressen größer Weltfinanzinstitute(banken) und Finanzzentren. Die Politiker sind nur deren Handlanger - genauso wie noch Steinbrück und sein Vorgänger Eichel 2003 bis 2005 von Meilensteinen sprachen, nachdem sie Hedgefonds und banken für risikoreiche Anlagen durch Abschaffung von Regularien Tür und Tor öffneten.
    Warum wird gerne auf die Schweiz eingedroschen? Weil doch Credit Suisse und UbS ein global Player sind und für andere ein Konkurrent darstellen. Auf österreichische banken ist man schon lange neidisch, weil die sehr gut in Osteuropa positioniert sind.
    Wie scheinheilig diese Steueroasendiskussion ist, sieht man auch daran, dass deutsche Landesbanken in der Schweiz selbst Töchter unterhalten, die nur steueroptimierte Anlagen anbieten - und in den Aufsichtsräten dieser Landesbanken sitzen die gleichen die nun lauthals nach Steuergerechtigkeit schreien.
    Die Spitze der Scheinheiligkeit sind aber die USA. Die USA unterhält selbst die weltgrößten Steueroasen auf ihrem Staatsgebiet. Die briten sind da auch nicht viel besser, die Holländer haben auch die niederländischen Antillen, die Franzosen die Karibikdepartements und die Chinesen HongKong.
    Nur der Deutsche glaubt dass es ohne Steuroase auskommt. Hätte er welche, dann wäre Steuerflucht und Steuerhinterziehung kein großes Thema, so wie das in anderen Ländern auch der Fall ist.

  • 13.03.2009, 20:30 UhrAnonymer Benutzer: Watz

    @ Prof. Dr. Medenbach
    "Die Steuroasen: Kanalinseln, Cayman, Singapur, bVi usw. bleiben ungeschoren"
    Nicht richtig! Jersey und isle of Man hat mit Deutschland ein Steueraustausch-Übereinkommen jüngst abgeschlossen. Andere wie Dubai, Singapur etc.. werden wahrscheinlich folgen.
    Allerdings bei Jersey, die Pauschalanfrage geht nicht und der betroffene muss zustimmen.
    Als Druckmittel für eine typische Verständigung(Erpressung) von Seiten des Finanzamts reicht es allemal.

  • 13.03.2009, 19:06 UhrAnonymer Benutzer: Prof. Dr. Medenbach

    Diese drei Steueroasen werden vom Anglo-Amerikanischen Establishment nicht kontrolliert. Nur deswegen geht es ihnen an den Kragen. Die Steuroasen: Kanalinseln, Cayman, Singapur, bVi usw. bleiben ungeschoren. Aus dem Jahre 2007 liegt eine im Auftrag der französischen Regierung erstellte Studie über Steueroasen vor, derzufolge die City of London die weltweit größte Steueroase ist.

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