Konzerne tricksen bei Abgaben: Der Steuerk(r)ampf zwischen Europa und den USA

Konzerne tricksen bei Abgaben: Der Steuerk(r)ampf zwischen Europa und den USA

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Bananenhersteller Chiquita will einen europäischen Konkurrenten schlucken. Konzerne wie Starbucks oder Amazon haben andere Steuerschlupflöcher für sich entdeckt.

von Saskia Littmann

Immer mehr US-Konzerne übernehmen einen europäischen Konkurrenten, um Steuern zu vermeiden. US-Politiker kämpfen um die Einnahmen. Doch auch Europa will das Geld der milliardenschweren Unternehmen.

Dass Unternehmen Meister darin sind, Steuern zu sparen, ist weithin bekannt. Orte wie die Cayman Inseln werden fast ausschließlich mit Briefkastenfirmen und Steuersparmodellen assoziiert. Doch durch einen neuen Trick flüchten die Konzerne nicht mehr in die Karibik, sondern vor allem nach Europa.

Es ist die neue Masche der US-Konzerne. Sie übernehmen kleinere Firmen im Ausland und sparen damit Steuern. Sobald der Steuersatz in dem Land, in dem das aufgekaufte Unternehmen seinen Sitz hat, niedriger ist als in den USA, profitiert der Konzern. Die Unterschiede sind teilweise gravierend.

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Während Firmen in den USA rund 35 Prozent Steuern zahlen, liegt der Steuersatz beispielsweise in Irland gerade einmal bei 12,5 Prozent. Entsprechend gilt Irland als eine der Lieblingsdestinationen der US-Konzerne. Dort stimmt nicht nur der Steuersatz, ähnlich wie in Großbritannien fühlen sich die Mitarbeiter allein aufgrund der Sprache auf der grünen Insel wohl. Hinzu kommt ein ähnliches Rechtssystem. Außerdem können Unternehmen weiterhin an der New Yorker Börse gelistet sein, auch wenn sie in Irland ihre (niedrigen) Steuern zahlen.  

Übernahmen mit Steuerersparnis

  • Chiquita

    Der Bananenhändler Chiquita will seinen irischen Konkurrenten Fyffes übernehmen. Die Unternehmen planen, den Deal noch bis Ende des Jahres abzuschließen.

  • AbbVie

    Der Pharmahersteller AbbVie aus den USA produziert unter anderem das Arthritis-Medikament Humira. Mitte Juli erklärte das Unternehmen, für 55 Milliarden Dollar den britischen Konkurrenten Shire kaufen zu wollen.

  • Medtronic

    Medtronic, ein Hersteller medizinischer Geräte aus Minneapolis, übernimmt für 42,9 Milliarden Dollar seinen Rivalen Covidien. Dieser hat seinen Hauptsitz zwar in Massachusetts, ist aber in Irland registriert.

  • Perrigo

    Auch der US-Pharmahersteller Perrigo verlegte nach dem Kauf des irischen Rivalen Elan seinen Firmensitz nach Irland.

  • Walgreen

    Die US-Drogeriekette Walgreen übernimmt für 15,3 Milliarden Dollar die fehlenden 55 Prozent am Konkurrenten Alliance Boots. Allerdings will das Unternehmen den Firmensitz nicht in die steuerlich günstigere Schweiz verlegen. Es heißt, Walgreen habe einen Tax Inversion-Deal geprüft, ihn dann aber verworfen.

  • Pfitzer

    Der Deal des Viagra-Herstellers Pfitzer ist dagegen gescheitert. Der US-Konzern hatte zuletzt 117 Milliarden Dollar für seinen britischen Rivalen AstraZeneca geboten. Die Briten lehnten das Angebot allerdings ab.

Der steuerbedingte Übernahme-Trend zwischen Europa und den USA heißt im Fachjargon „tax inversions“, sprich Steuerumkehrungen. Beispiele für die neue Übernahmewelle gibt es zu Hauf. Der Bananenhändler Chiquita ist eines der prominentesten. Er will nicht nur den irischen Wettbewerber Fyffes übernehmen, im Anschluss soll auch gleich der Firmensitz nach Dublin verlegt werden. Auch dem Siemens-Rivalen General Electric wurden im Übernahmepoker um das französische Unternehmen Alstom eindeutige Steuerpräferenzen nachgesagt.

Steuerumkehrung als Hauptgrund für Fusionen

Eigentlich klingt die Idee simpel, dennoch brauchte es dafür erst eine Gruppe von Anwälten aus einigen internationalen Großkanzleien. Die überlegten sich – nicht ohne Hintergedanken – wie sie den Markt für Fusionen und Übernahmen wieder ankurbeln könnten. Dieser lag nach der Finanzkrise nahezu brach, dümpelte einfach vor sich hin.

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Quelle: dpa

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, heckten die Anwälte aus New York und London den Plan 2010 während eines Fahrradausflugs in Frankreich aus. Die Idee: amerikanische Konzerne davon zu überzeugen, wie lohnenswert Firmenübernahmen im Ausland sind.

Und dabei waren die Kanzleien offenbar erfolgreich. Laut Daten von Thomson Reuters waren „tax inversions“ der Grund für rund zwei Drittel aller in diesem Jahr angekündigten Fusionen und Übernahmen. Noch vor drei Jahren war es gerade einmal ein Prozent. Einer Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses zufolge sind in den letzten zehn Jahren insgesamt 47 Unternehmen umgesiedelt. Nur 29 Firmen waren es in den 20 Jahren davor.

Mittlerweile belastet das, was auf einem Fahrradausflug entstand, die gesamte US-Wirtschaft. „Für die Steuereinnahmen der USA ist der Wegzug der Konzerne gefährlich“, sagt Wolfgang Schön, Professor für Steuerrecht am Max-Planck-Institut in München. Laut Daten der amerikanischen Finanzbehörde GAO ist der Anteil der Unternehmenssteuern gemessen am BIP in den USA über die Jahre gesunken. In den Fünfzigerjahren trugen Unternehmen noch über 30 Prozent zu den Erträgen des Staats bei, 2013 waren es dagegen nicht einmal mehr zehn Prozent.

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