Manipulierte Zinsen: Aufsicht rügt Deutsche Bank in Libor-Affäre

Manipulierte Zinsen: Aufsicht rügt Deutsche Bank in Libor-Affäre

Die Deutsche Bank hat die Ermittlung des Referenzzinses Libor zu wenig kontrolliert, organisierte Kriminalität auf Vorstandsebene gab es aber nicht: Zu diesem Schluss kommt die Finanzaufsicht BaFin.

Am Montag hat am Landgericht Stade der Prozess gegen einen ehemaligen Finanzberater der Deutschen Bank begonnen, der insgesamt 8,4 Millionen Euro abgezweigt haben soll. Die Hälfte soll er zurückgezahlt haben, den Rest habe er in der Hamburger Spielbank und im Internet verzockt. Er greift seinen Ex-Arbeitsgeber direkt an. Ein "menschenverachtendes System bei der Deutschen Bank" habe ihn krank gemacht, schreibt etwa der Spiegel.

Der Angeklagte ist geständig und plädiert aber auf "verminderte Schuldfähigkeit". Er sei spielsüchtig. Insgesamt über 150-mal soll er Geld abgezweigt werden. Sein Anwalt kündigte unterdessen an, dass er auch Fragen zum Druck auf die Mitarbeiter stellen werde, die " höchst fragwürdigen Produkte verkaufen müssen". Die Deutsche Bank äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Ein Sprecher teilte lediglich mit, man habe "den Vorgang aufgedeckt und vollumfänglich intern aufgeklärt". "Die Kunden wurden von der Bank entschädigt". Zum Verfahren gegen ehemalige Mitarbeiter äußere man sich grundsätzlich nicht. Eine Rolle wird wohl auch die Frage spielen, warum interne Kontrollmechanismen der Bank nicht funktioniert haben.

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Die Finanzaufsicht BaFin hat in ihrem Abschlussbericht zum Referenzzinssatz Libor die Deutsche Bahn in der Affäre um manipulierte Zinsen kritisiert. Die Mitarbeiter seien zu lax kontrolliert wurden. Organisierte Kriminalität auf Vorstandsebene gab es aber nicht: "Die Abberufung eines Vorstands steht nicht zur Debatte", sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Untersuchungen seien damit aber noch nicht abgeschlossen, das Vorgehen einiger anderer Bankmitarbeiter werde noch überprüft. Der Libor und dessen europäischer Ableger, der Euribor, sind nicht die einzigen Sätze, die den Aufsehern Sorgen machen. Inzwischen nehmen sie auch einen viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte, den sogenannten Isdafix, wegen mutmaßlicher Tricksereien genauer unter die Lupe.
Allein vom Libor hängen Finanztransaktionen in einem mehrstelligen Billionen-Volumen ab. Weltweit wird in dem Manipulationsskandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt, weil einzelne Händler an dem Zinssatz geschraubt haben sollen, um Handelsgewinne einzustreichen. Die Schweizer UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland schlossen bereits Vergleiche und mussten dafür Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Mit Spannung werden daher nun auch im Ausland die Ergebnisse der Sonderprüfung bei der Deutschen Bank erwartet, die die BaFin im vergangenen Jahr gestartet hatte. Die Untersuchungen zogen sich länger hin als erwartet. So hatte die BaFin im Frühjahr zunächst Zweifel an einer internen Untersuchung der Deutschen Bank geäußert, die den Vorstand entlastet hatte - und ihre Libor-Prüfung noch einmal intensiviert.

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