Post vom Finanzamt: Was die neue Lohnsteuerkarte bringt

Post vom Finanzamt: Was die neue Lohnsteuerkarte bringt

, aktualisiert 28. Oktober 2011, 14:43 Uhr
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Ab dem nächsten Jahr lösen die "Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale" - ElStAM die Lohnsteuerkarte ab.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Wer in diesen Tagen einen Brief vom Finanzamt bekommt, sollte ihn gründlich lesen. Darin steht, was auf der neuen elektronischen Lohnsteuerkarte gespeichert wird. Viele Steuerzahler haben schon Fehler gefunden.

DüsseldorfSie hatte jedes Jahr eine andere Farbe und kam immer im Herbst mit der Post. Arbeitnehmer mussten sie an ihren Chef weiterreichen und der konnte darauf die Steuerklasse und die Freibeträge ablesen. Doch die Lohnsteuerkarte in Papierform ist Geschichte.

Ab 2012 werden die Lohnsteuerdaten elektronisch gespeichert – in Form der so genannten Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale, kurz: ELStAM. Dieses System wird häufig als "Elektronische Lohnsteuerkarte" bezeichnet. Zu den Abzugsmerkmalen gehören die Steuerklasse, die Religionszugehörigkeit und die Anzahl der Kinderfreibeträge. Sammelstelle für die Daten ist das Bundeszentralamt für Steuern.

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In diesen Tagen bekommen Arbeitnehmer ein Schreiben von der Finanzverwaltung, in dem steht, welche elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale über sie gespeichert wurden. In einigen Bundesländern gab es dabei bereits jede Menge Probleme. Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen beispielsweise spricht von "verschiedenen Fehlerquellen". So wurden zahlreiche Verheiratete in die falsche Steuerklasse eingetragen, weil die Identifikationsnummer ihrer Ehepartner nicht vorlag. Auch bei der Übermittlung der Meldedaten sei es durch Softwareprobleme zu Fehlern gekommen. In Nordrhein-Westfalen wurden zum Teil die Behindertenpauschbeträge nicht im System gespeichert.

Ganz überraschend kamen die Probleme für die Behörden wohl nicht. "Wegen den unterschiedlichen EDV-Systemen in den Meldebehörden und Finanzämtern rechnet die Finanzverwaltung derzeit in ein Prozent aller Fälle mit Übertragungsfehlern", sagt Daniel Moritz vom Finanzministerium NRW. Bei 40 Millionen Arbeitnehmern dürften also etwa 400.000 Beschäftigte betroffen sein. "Steuerzahler sollten die Angaben genau kontrollieren", rät deshalb Reiner Holznagel, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler (BdSt). Wer einen Fehler entdeckt, sollte diesen möglichst umgehend seinem zuständigen Finanzamt melden.

Neben der Steuerklasse und den Freibeträgen finden sich in der Datensammlung auch so genannte melderechtliche Daten wie Heirat, Geburt eines Kindes sowie Kircheneintritte oder -austritte. Diese geben die Gemeinden automatisch an die Finanzverwaltung weiter. Möchte der Steuerzahler beispielsweise nicht, dass sein Chef von seiner Hochzeit erfährt, kann er einzelne Angaben oder auch die gesamten ElStAM-Daten für einen oder alle Arbeitgeber sperren lassen. Den Zugang komplett zu sperren, ist aber nicht unbedingt zu empfehlen, denn der Arbeitgeber muss die Lohnsteuer dann pauschal nach Steuerklasse VI abziehen - und das ist für die Angestellten meist sehr ungünstig.

Neben der Beschränkung des Zugangs hat der Arbeitnehmer jedoch eine weitere Kontrollmöglichkeit: Über die ElStAM-Plattform kann er künftig einsehen, welche Arbeitgeber seine Daten in den vergangenen zwei Jahren abgerufen haben.


Jetzt Freibeträge beantragen

Die alten Lohnsteuerkarten auf Papier gab es seit 1925 - und das System funktionierte. Allerdings sei der Aufwand für die Gemeinden, die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber sehr groß gewesen und angesichts der technischen Möglichkeiten nicht mehr zeitgemäß, so das Bundesfinanzministerium. Das neue System soll nun schneller und bequemer werden.

Alles funktioniert jedoch nicht automatisch. Freibeträge – etwa für Werbungskosten, die Arbeitnehmer für ihre Fahrtkosten zur Arbeitsstelle oder für längerfristige Fortbildungsmaßnahmen geltend machen können – muss der Steuerzahler jedes Jahr aufs Neue selbst beantragen. Das ist eigentlich nicht neu, im vergangenen Jahr gab es aber eine Sonderregelung: Weil die Lohnsteuerkarte für 2010 und 2011 galt, mussten auch die Freibeträge nicht neu beantragt werden, sofern sich an der persönlichen Situation nichts geändert hatte. „An diese bequeme Lösung dürfen sich die Steuerzahler aber leider nicht gewöhnen“, sagt Holznagel.

Trotz des Aufwands kann es für Arbeitnehmer vorteilhaft sein, einen Freibetrag zu beantragen, denn dadurch ergibt sich jeden Monat ein höheres Netto-Einkommen. Alternativ dazu können die Freibeträge auch in der Lohnsteuererklärung geltend gemacht werden. Doch dann muss der Steuerzahler warten, bis die Rückzahlung vom Finanzamt kommt.

„Freibeträge sollten noch in diesem Jahr beantragt werden“, empfiehlt Holznagel. Wer den Antrag erst im neuen Jahr stellt, laufe Gefahr, dass der Freibetrag nicht rechtzeitig berücksichtigt wird und im Januar zu viel Steuern einbehalten werden. Dann müssen sich die Steuerzahler ihr Geld doch wieder vergleichsweise umständlich über die Steuererklärung zurückfordern.

Stichtag für die Umstellung auf das neue System ist bislang der erste Januar 2012. Angesichts der bisherigen Schwierigkeiten bei der Übermittlung der Daten ist jedoch unklar, ob dieser Termin eingehalten werden kann. Eigentlich sollte das elektronische Verfahren schon zum Jahresanfang 2011 starten, wurde aber schon damals wegen technischer Probleme verschoben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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