
Harald Petersen ist ein viel beschäftigter Mann. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat er 18 Aufsichtsrats-, zwei Vorstands- und vier Geschäftsführerposten besetzt. Außerdem war Petersen bis vergangenen Montag Vorstand des Anlegerschutzvereins Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Am Freitag wurde dann bekannt, dass er diesen Posten aufgegeben hat. Weiter aktiv und besonders umtriebig ist Petersen beim Briloner Solarunternehmen Solarhybrid. Dort ist er Aufsichtsratsvorsitzender, Großaktionär und mischt auf vielerlei Art im operativen Geschäft mit, der Entwicklung von Solarparks, vor allem in den neuen Bundesländern. Und neben all dem ist er auch selbstständiger Rechtsanwalt in Bayreuth.
In dieser Funktion hatte er am Montag um 9.30 Uhr eigentlich einen weiteren Termin in seinem ohnehin gut gefüllten Terminkalender - im Strafjustizzentrum des Landgerichts München, Nymphenburger Straße 16, Sitzungssaal B 175. In dem grauen Zweckbau sollte Petersen seinen ehemaligen SdK-Vorstandskollegen Markus Straub verteidigen. Doch die Staatsanwaltschaft beantragte kurz vor Prozessbeginn, Petersen vom Verfahren auszuschließen, da gegen ihn nun auch Ermittlungen liefen.
In dem Verfahren geht es um den größten deutschen Kursmanipulationsprozess, in dem Straub selbst angeklagt ist. Ein Netzwerk aus Börsenbrief-Autoren, Finanzjournalisten und ehemaligen SdK-Funktionären muss sich wegen des Vorwurfs von Kursmanipulation und Insiderhandel verantworten. Ein Börsenbrief-Autor gestand bereits Kursmanipulation in 44 Fällen, der ehemalige SdK-Sprecher Christoph Öfele räumte ein, dass er verbotenen Insiderhandel in 92 Fällen betrieben habe.
Ihre Geständnisse dürften die weiteren Angeklagten unter Druck setzen, neben Ex-SdK-Vorstand Straub vor allem den Ex-SdK-Sprecher Tobias Bosler, den die Staatsanwaltschaft als Drahtzieher des Netzwerks ansieht. Beide sitzen seit 2010 in Untersuchungshaft und bestreiten die Vorwürfe. Bislang sah die Staatsanwaltschaft Petersen höchstens als Zeuge im Verfahren an.
Nun ermittelt sie wegen einer möglichen Mittäterschaft. Petersen bestreitet das. Ein Sprecher von Petersen hielt die von der Staatsanwaltschaft geäußerten Bedenken für unberechtigt: „Das Verfahren ist aus unserer Sicht konstruiert und hat den einzigen Zweck, Herrn Petersen aus der Verteidigung zu drängen.“

Die SdK habe damit nichts zu tun
Auch die SdK selbst sieht sich zu Unrecht in die Nähe der staatsanwaltschaftlichen Vorwürfe gerückt. Der Prozess werde „fälschlicherweise als SdK-Affäre bezeichnet“, teilte man zu Prozessbeginn mit, dabei habe die SdK damit nichts zu tun. Doch schon die Veröffentlichung der Mitteilung zeigt, dass der Prozess den Ruf der SdK massiv belastet hat.
Sie will verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. In Compliance-Fragen, also der Einhaltung von Gesetzen, Regeln und dem unternehmerischen Wohlverhalten, seien die SdK und ihre Funktionäre mittlerweile „päpstlicher als der Papst“, tönte Petersen Anfang 2011.














