Ranking: Top-Steuerberater und ihre größten Herausforderungen

Ranking: Top-Steuerberater und ihre größten Herausforderungen

, aktualisiert 17. März 2017, 14:14 Uhr
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Wer sich die Besten? Eine Studie zeigt die Top-Steuerberater.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Durch die Digitalisierung wird der Steuerberater für Unternehmen wichtiger. Er kann tagesaktuell Tipps geben und bald sogar beim Kreditantrag helfen. Eine Studie zeigt die Top-Steuerberater aus 30 deutschen Städten.

FrankfurtBei Privatleuten kennt er das Gehalt, die Arzt- und Handwerkerrechnungen, die Dauer der Dienstreisen oder auch die Höhe der Unterhaltszahlungen. Bei Unternehmen kennt er die betrieblichen Einnahmen und Ausgaben, die Summe der Rückstellungen, die Zahl der Mitarbeiter oder auch das Kreditvolumen. So viele Daten wie beim Steuerberater laufen an kaum einer anderen Stelle zusammen. Kein Wunder also, dass die Steuerexperten für viele Menschen zu den engsten Vertrauten gehören und sich über treue Mandanten freuen. Im Zuge der weiteren Digitalisierung könnte das Verhältnis zum Berater insbesondere für Unternehmen künftig noch inniger werden.

Privatleute dürfen ihre Steuererklärung derzeit noch auf Papier abgeben. Unternehmen dagegen müssen sie schon seit einigen Jahren elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Auch Bilanzen müssen bereits seit dem Geschäftsjahr 2012 elektronisch erstellt werden. Diese Korrespondenz übernimmt in der Regel der Steuerberater. Doch der Datenaustausch zwischen ihm und den Unternehmen soll ebenfalls digitalisiert werden. Durch Vorgaben der Finanzverwaltung sind Firmen zunehmend gezwungen, ihre Buchhaltung und die steuerrelevanten Daten zu digitalisieren. Das schreiben etwa die – Achtung, Behördendeutsch – „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“, kurz GoBD, vor.

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Unternehmer wie auch Steuerberater müssen sich also umstellen. Wie hoch die Relevanz dieses Themas für die Berater ist, zeigt eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad (S.W.I.). Dieses hat im Auftrag des Handelsblatts die Top-Steuerberater in den 30 größten deutschen Städten ermittelt und sie nach den größten Herausforderungen für ihren zukünftigen Erfolg befragt. Geantwortet haben rund 1400 Berater. Am häufigsten nannten sie die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiter (83 Prozent). Danach folgte die „fortschreitende Technisierung/Digitalisierung“ (69 Prozent). Noch vor einem Jahr, in der Vorgängerstudie, wurde letztere nur von 40 Prozent der Befragten genannt.

Axel Pestke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Steuerberaterverbands (DStV), wertet den zunehmend digitalen Austausch zwischen Firmen und Steuerberatern positiv. Insbesondere für Unternehmen, die ihre komplette Buchführung von einem Steuerberater erledigen lassen, könnten sich daraus Vorteile ergeben. „Die Entwicklung geht dahin, dass Unternehmen ihre Daten quasi in Echtzeit an ihre Steuerberater übermitteln“, so Pestke. Dadurch könne der Berater schon im laufenden Geschäftsbetrieb Empfehlungen geben und dem Unternehmen beispielsweise melden, ob es sich im Plan befindet, ob etwas schief läuft oder es freies Kapital für neue Anschaffungen gibt.

Die schnelle Verfügbarkeit der Daten könnte Firmen sogar Vorteile beim Beantragen von Krediten verschaffen. Heute legen Unternehmen beim Kreditantrag meist Geschäftszahlen vor, die schon mehrere Monate alt sind. Tagesaktuelle Daten gibt es nicht. „Das berücksichtigt die Bank natürlich in ihrer Risikokalkulation“, erklärt Pestke. „Wenn die Daten aber aktuell sind, gibt es weniger Unwägbarkeiten und der Kredit kann günstiger sein.“ An einem solchen standardisierten Datenaustausch zwischen Steuerberatern und Banken – der auf Wunsch des Unternehmens geschehen würde – wird aktuell im Rahmen des Projekts „Digitaler Finanzbericht“ gearbeitet.


Zahl der Fachberater steigt

Auch komplexe Datenanalysen bis hin zu künstlicher Intelligenz können bei den steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Auswertungen eingesetzt werden. Pestke sieht darin aber keine Bedrohung für seinen Berufsstand. „Es ist kein Ersatz für den Berater, sondern eine technische Unterstützung.“ Eine intelligente Software könne die Daten zwar auswerten, aber die Empfehlungen werde weiterhin der Berater ableiten. Ähnlich optimistisch ist auch Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL). „Einige Prozesse können durch die Digitalisierung beschleunigt werden, das Steuerrecht ist aber zu komplex als dass man sämtliche Abläufe automatisieren könnte“, sagt er. Insbesondere bei der Erstellung von Einkommensteuererklärungen privater Steuerzahler sei der persönliche Austausch unverzichtbar. „Häufig erfährt man erst im Gespräch und nach vielen Nachfragen, welche Einnahmen und Ausgaben ein Steuerzahler tatsächlich hatte.“

Trotz des Optimismus, untätig dürfen die Steuerberater nicht sein. Je umfangreicher die technischen Möglichkeiten werden, desto höher werden auch die Ansprüche der Mandanten. „Wenn ein Steuerberater weit hinter den Marktstandard zurückfällt, kann er sich auch nicht mehr auf die Treue seiner Mandaten verlassen“, warnt Pestke. Konkurrenzkampf nennen in der Studie des S.W.I. zwar nur sieben Prozent der Befragten als eine der größten Herausforderungen für ihren zukünftigen Erfolg. Dennoch versuchen immer mehr Steuerberater schon heute, mit besonderen Qualifikationen aus der Menge hervorzutreten.

Ähnlich wie Anwälte einen Fachanwaltstitel erwerben, können sich Steuerberater von ihrem Verband als Fachberater (DStV e.V.) zertifizieren lassen. Momentan bietet der DStV acht verschiedene Fachbereiche, darunter Controlling, Gesundheitswesen, Sanierung und Unternehmensnachfolge. Bislang gibt es 2000 Berater mit einem solchen Zertifikat – zu finden über den Suchservice des Verbands. Im Vergleich zur Gesamtzahl von aktuell rund 83.400 Steuerberatern in Deutschland ist das noch wenig, doch laut Verband nimmt das Interesse zu. Die Hälfte der Zertifizierten hat sich auf den Bereich Unternehmensnachfolge spezialisiert. Die Anforderungen für die Zertifizierung sind hoch: Die Berater müssen einen Lehrgang und eine Prüfung absolvieren, die Bearbeitung echter Fälle aus ihrem Fachgebiet nachweisen und sich laufend fortbilden. Doch die Mühe soll sich lohnen. Laut einer Umfrage des DStV verbuchen zertifizierte Berater höhere Umsätze.

Auch das Sozialwissenschaftliche Institut Schad hat es im Top-Steuerberater-Ranking positiv bewertet, wenn in einer Kanzlei Fachberater oder Fachanwälte beschäftigt werden. Die Weiterbildung und Zusatzqualifikation der Mitarbeiter wurde als ein Anhaltspunkt dafür gesehen, dass die Kanzlei zukunftsorientiert ausgerichtet sei und bereit, in die Kompetenz und Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu investieren. Neben dem Ranking nach Städten wurde auch eine Übersicht zu den Top-Steuerberatern für acht verschiedene Sachgebiete – darunter Controlling, Existenzgründung und Unternehmensnachfolge – erstellt. Eine dritte Übersicht zeigt das Ranking anhand von Branchen, hier gibt es auch die Rubrik „Privatpersonen“ (detaillierter Aufbau der Studie, siehe „Top Steuerberater – So wurde getestet“).


Steuer-Software ist keine Konkurrenz

Bei Privatleuten hat die Finanzverwaltung ebenfalls schon einige Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung gemacht. So war etwa die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung erstmals für das Steuerjahr 2014 verfügbar. Für Einkommensteuererklärungen werden dabei Daten aus den Lohnsteuerbescheinigungen, den Rentenbezugsmitteilungen, den Bescheinigungen zu Kranken- und Pflegeversicherungen sowie Daten über Vorsorgeaufwendungen (Riester- oder Rürup-Verträge) oder Lohnersatzleistungen elektronisch bereitgestellt.

Nachdem sich der Steuerzahler dafür registriert hat, kann er die Daten mit einem Klick in ein digitales Steuererklärungsformular übernehmen. Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine warnt jedoch: „Wichtig ist, dass diese Datenübernahme den Steuerpflichtigen nicht von der Verpflichtung entbindet, seine Steuererklärung auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls auch zu korrigieren.“

Eine Alternative zu Steuerberatern können Lohnsteuerhilfevereine sein. Sie dürfen jedoch nur Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose beraten, sofern diese keine Gewinneinkünfte erzielen. Weitere Einschränkung: Die Überschusseinkünfte der Ratsuchenden dürfen insgesamt nicht mehr als 13.000 Euro – beziehungsweise 26.000 Euro bei Zusammenveranlagung – betragen. Dazu zählen zum Beispiel Einkünfte aus Kapitalvermögen oder Mieteinnahmen. Die Lohnsteuerhilfevereine vertreten aktuell mehr als drei Millionen Steuerzahler und freuen sich derzeit über eine jährliche Wachstumsrate von etwa vier Prozent.

Als besonderen Vorteil nennt Nöll den pauschalen Mitgliedsbeitrag, der sich allein nach dem Einkommen des Steuerzahlers richtet: „Das ist ein All-Inclusive-Angebot. Unsere Mitglieder können sich jederzeit mit Fragen an ihren Verein wenden und alle Leistungen sind mit dem Beitrag abgegolten.“ Dazu zähle etwa auch die Einlegung eines Einspruchs gegen den Steuerbescheid.

Steuerzahler, die sich doch lieber selbst mit den Steuerformularen und ihren Belegen beschäftigen, können dafür auch schon seit einigen Jahren – ganz digital – Steuererklärungssoftware nutzen. Die Angebote sind vielfältig. Letztlich ist die Auswahl Geschmackssache. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) etwa gibt zwar keine Empfehlung für eine bestimmte Software ab, doch „die Angebote der bekannten Hersteller sind alle in Ordnung, meist nur unterschiedlich strukturiert“, sagt Isabel Klocke, Steuerexpertin beim BdSt. Solche Angebote betrachten aber weder Nöll noch Pestke als gefährliche Konkurrenz: Wer solche Programme nutze, habe sich in der Regel auch in der Vergangenheit nicht von einem Profi helfen lassen, sondern seine Steuererklärung selbst auf Papier erstellt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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