Rechtsökonom Michael Adams: "Die Rechtsschutzpolice hilft in der Regel nicht"

Rechtsökonom Michael Adams: "Die Rechtsschutzpolice hilft in der Regel nicht"

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Rechtsstreitigkeiten

Rechtsökonom Michael Adams über die Zahl der Klagen in Deutschland, zermürbende Prozesse und Sinn oder Unsinn von Rechtsschutzversicherungen.

WirtschaftsWoche: Herr Professor Adams, viele Anleger verklagen jetzt ihre Bank. Sind die Deutschen Prozesshansel?

Adams: Nein, nicht mehr als die Bürger anderer demokratischer Staaten. Eine hohe Zahl von Klagen ist ein Zeichen für ein funktionierendes Rechtssystem. Wer nicht klagt, resigniert – oder er verschafft sich sein Recht auf andere Weise, beispielsweise durch Bestechung oder andere kriminelle Machenschaften. Kriminalität ist für eine Volkswirtschaft wesentlich teurer als Tausende von Nachbarschaftsklagen.

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Wenn unser Rechtssystem gut funktioniert, warum dauert es dann sechs bis sieben Jahre, bis ein Bundesgericht in letzter Instanz ein Urteil fällt?

Das ist noch zu lang, aber im europäischen Vergleich immer noch ein guter Wert. Zudem ist es in Deutschland relativ günstig, einen Prozess anzustrengen. Verglichen mit anderen Staaten wie den USA, sind Gerichtskosten und Anwaltshonorare hierzulande eher niedrig.

Dennoch weichen deutsche Kläger in Finanzsachen in die USA aus, weil sie sich dort höheren Schadensersatz versprechen.

Dann brauchen sie aber eine ganz dicke Brieftasche. Amerikanische Anwälte nehmen ihnen bis zu 1000 Dollar die Stunde ab. Die Rechtsvertreter beider Parteien treiben nicht selten mit zeitraubenden Beweisaufnahmen die Kosten rücksichtslos nach oben. Allein die Klage der US-Regierung gegen die Zigarettenindustrie wegen suchtfördernder Zusatzstoffe im Tabak hat die Steuerzahler 130 Millionen Dollar gekostet. Neben solchen sinnvollen Verfahren produziert das US-Rechtssystem zudem auch Klagen, an denen nichts dran ist, die den Beklagten aber ein Vermögen kosten können.

Obwohl Anwälte in Deutschland günstiger sind, kann ein Normalverdiener arm werden, wenn er sich mit Konzernen anlegt.

Versicherungen oder Banken haben finanziell immer den längeren Atem. Häufig fechten sie als Teil ihrer Zermürbungsstrategie jedes Urteil an – bis zum obersten Gericht. Die Zeit arbeitet für sie. Der Kunde ist wegen der ausufernden Kosten letztlich gezwungen, einen außergerichtlichen Vergleich anzunehmen, auch wenn er unvorteilhaft ist.

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