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Rechtsschutz-Versicherung: "Die Deutschen sind keine Prozesshanseln mehr"

Der Chef der Roland-Rechtsschutz-Versicherung, Gerhard Horrion, will die Gerichte entlasten. Schließlich würden sich auch die Kunden nach einem Streit noch in die Augen schauen wollen.

Gerhard Horrion, Chef der Roland Rechtsschutz-Versicherung Quelle: dpa
Gerhard Horrion, Chef der Roland Rechtsschutz-Versicherung Quelle: dpa

Herr Horrion, immer mehr Rechtsschutzversicherer wollen ihre Kunden im Streitfall erst in ein Schlichtungsverfahren schicken, in eine Mediation, statt sofort zum Anwalt. Wollen Sie Geld sparen?

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Horrion: Nein, denn bei Auseinandersetzungen mit geringem Streitwert ist das Stundenhonorar der Mediatoren oft höher als das gesetzliche Honorar der Anwälte. Es rechnet sich erst in teuren Verfahren.

Tricksen Sie die Anwälte aus? Immerhin müssen die Versicherer ihnen jährlich rund 1,9 Milliarden Euro Honorar überweisen. Viele Kanzleien bieten schon günstigere Tarife an, um Mandanten zu bekommen.

Nein, wir nutzen schlicht die Tatsache, dass auch der deutsche Gesetzgeber die EU-Vorgabe zur Mediation voraussichtlich in diesem Jahr umsetzen wird. Sie soll in erster Linie die Gerichte entlasten und den Kunden diese Wahlmöglichkeit anbieten. Endlich, kann ich da nur sagen, denn die Deutschen sind längst keine Prozesshanseln mehr. Die Menschen legen auch hier Wert auf Nachhaltigkeit. Sie wollen keine Gewinner und Verlierer mehr.

Scheuen die Deutschen jetzt Konflikte?

Dahinter steckt die Überlegung, dass man sich im Leben immer zwei Mal sieht, zum Beispiel den Nachbarn, ein Familienmitglied oder den Kunden. Die Leute wollen sich auch nach einem Streit noch in die Augen blicken können.

Verbraucherschützer kritisieren, dass viele Versicherer ihre Neukunden aus Kostengründen immer zuerst in eine Mediation zwingen und ihnen vorschreiben, Mitarbeiter des Versicherers als Mediatoren zu akzeptieren.

Dieser Vorwurf ist falsch. Wir, die Roland Rechtsschutz, machen es aus Überzeugung anders. Mediation ist nur ein Angebot. Der Kunde kann sich selbst dazu entscheiden. Der ausgebildete Mediator kann genauso ein Anwalt wie ein Psychologe sein. Einen hauseigenen Vermittler haben wir nicht.

Wie groß ist das Interesse Ihrer Kunden an einer Mediation?

Wir schlagen sie ihnen meist vor, weil Mediation noch recht unbekannt ist.

Woran scheitert ein Mediator?

Beim Strafrecht darf er erst gar nicht vermitteln. Aber auch bei Zivilklagen erleben wir selbst bei kleinstem Streitwert immer wieder, dass ein Dickschädel unbedingt mit dem Kopf durch die Wand will oder die Fronten extrem verhärtet sind.

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Dank gelungener Mediationen müssten Rechtsschutzpolicen billiger werden. Tatsächlich werden sie teurer. Warum?

Das liegt an den steigenden Streitwerten und den deutlich erhöhten Anwalts-, Gutachter- und Verfahrenskosten. Wir betreiben deshalb Prävention: Wir bieten Kunden einen Check ihrer relevanten Verträge an, noch bevor sie gefährliche Klauseln unterschreiben.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 09.02.2012, 13:55 UhrAssessor

    Wer sich die Versicherungsbedingungen für die Rechtsschutzversicherung anschaut, der wird erstaunt feststellen, dass der Versicherungsschutz in diesem Bereich ohnehin schon äußerst lückenhaft ist. Alles, was teuer ist, wird vom Versicherungsschutz ausgeklammert. Im Grunde ist das eine der überflüssigsten Versicherungen überhaupt und wenn jetzt noch zusätzliche Erschwernisse eingeführt werden, gibt es keinen Grund mehr,sich eine derartige Versicherung zuzumuten.

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