Rein rechtlich: Auswahl von Managern ohne Diskriminierung

kolumneRein rechtlich: Auswahl von Managern ohne Diskriminierung

Bild vergrößern

Will ein Aufsichtsratsvorsitzender gezielt den Frauenanteil in der Führungsspitze erhöhen, könnten abgelehnte, männlicher Kandidaten wegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Zukunft klagen.

Kolumne

Für die Auswahl von Führungskräften ist es ein Dammbruch: Erstmals hat der Bundesgerichtshof klargestellt, dass die Regeln des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes auch für die Benennung eines Geschäftsführers gelten. Für die freiwillige Selbstverpflichtung zur Stärkung des Frauenanteils in Führungspositionen könnte dies sogar das Aus bedeuten, erklärt der Gesellschaftsrechtsexperte Horst Grätz.

Seit der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) ist die Gleichbehandlung für Arbeitgeber bei Personalentscheidungen ein ständiges Thema. Niemand darf danach ohne gesetzliche Grundlage aufgrund diverser Kriterien wie der ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder des Alters benachteiligt werden. Entscheidungen des Arbeitgebers, die das berufliche Fortkommen der Beschäftigten betreffen, geraten seither immer wieder ins Kreuzfeuer. Nicht selten muss der Arbeitgeber rechtssicher begründen können, warum er sich für einen Kandidaten – und damit zwangsläufig auch gegen andere – entschieden hat. Gelingt ihm die Rechtfertigung nicht, kann er schadensersatzpflichtig werden.

Arbeitgeber in der Bredouille

Anzeige

Bisher hat man sich allerdings nahezu ausschließlich auf arbeitsrechtlicher Ebene über Diskriminierung von Angestellten gestritten. Damit ist es nach der aktuellen Entscheidung des Bundesgerichtshofs vorbei. Die Karlsruher Richter gaben der Klage eines 62-Jährigen statt, dessen Vertrag als Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung offensichtlich aus Altersgründen nicht verlängert worden war. 

Dem Kläger kam dabei zunächst die gesetzliche Beweislastregel zugute. Nach dieser genügt es, mit Indizien zu beweisen, dass die Entscheidung auf einem der gesetzlichen Diskriminierungsgründe beruht. Die Gegenseite ist dann gezwungen, einen Gegenbeweis vorzulegen.

Diese Umkehr der Beweislast bringt den Arbeitgeber in die Bredouille. Er muss in der Lage sein, Tatsachen vorzutragen, die die Zulässigkeit der vermeintlich benachteiligenden Maßnahme belegen, zumindest aber die Überzeugungskraft der Indizien erschüttern. Vorsorglich sollte er daher im zeitlichen Umfeld der Entscheidung jegliche Art von Anhaltsgründen für eine Diskriminierung vermeiden und bei der Begründung der Ablehnung höchste Vorsicht walten lassen. Im entschiedenen Fall wurde dies durch die Hinweise eines Aufsichtsrats unterlaufen, der die Entscheidung gegen den Geschäftsführer öffentlich mit seinem hohen Alter begründet hatte.

Frauenanteil als Bumerang

Mit der Anwendung des AGG auf Geschäftsführer setzt der Bundesgerichtshof der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit in einem zentralen Punkt deutliche Grenzen. Denn die Bestellung zum Vertretungsorgan einer Gesellschaft ist eine der zentralsten und gewichtigsten unternehmerischen Entscheidungen schlechthin. Kriterien wie Alter, Geschlecht oder Herkunft der Kandidaten dürfen damit ohne Sachgrund keine Rolle mehr spielen. Gleiches wird mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofes zukünftig auch für die Vergabe von Vorstands- oder Aufsichtsratsmandaten gelten.

Weitere Artikel

Im Umfeld der lauter werdenden Diskussionen um „Diversity“ in der Führungsetage – also die Erhöhung des Anteils von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen - dürfte sich dieses Urteil als schwere Hypothek erweisen. Denn ohne eine gesetzliche Vorgabe – und die ist weiterhin nicht in Sicht - entsteht wegen der Beweislastumkehr nun ein erhöhter Rechtfertigungsdruck. Die Aussage eines Aufsichtsratsvorsitzenden, man habe mit der Entscheidung für einen weiblichen Vorstand den Frauenanteil in der Führungsspitze gezielt erhöhen wollen, könnte sich dann als Bumerang erweisen. Klagen abgelehnter männlicher Kandidaten wegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts hätten gute Aussichten auf Erfolg.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%