Rein rechtlich: Nachbesserungen sind Mogelpackung

kolumneRein rechtlich: Nachbesserungen sind Mogelpackung

Bild vergrößern

Trotz weitgehender Nachbesserungen steht das zwischen Deutschland und der Schweiz ausgehandelte Steuerabkommen auf der Kippe. Die SPD-regierten Bundesländer lehnen ihre Zustimmung mit Verweis auf eine nach wie vor zu hohe „Gerechtigkeitslücke“ ab.

Kolumne

Einige Nachbesserungen des Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz erweisen sich als Mogelpackung, sagt unsere Steuerexpertin. Die für die Zukunft geplanten Änderungen sind für Anleger schmerzhaft, die in der Schweiz weiter anonym bleiben möchten – sie zahlen drauf.

Die in letzter Minute vereinbarte Erhöhung des Mindeststeuersatzes von 19 auf 21 Prozent und die Einführung einer Höherbelastung bei großen Vermögen - gestaffelt von 35 Prozent (bei Vermögen zwischen 1 Mio. Euro und 2 Mio. Euro) bis zu 41 Prozent (bei Vermögen von mehr als 7 Mio. Euro.) - führen im Wesentlichen zu einer Mehrbelastung beim Mindeststeuersatz.

Bei großen Vermögen dürfte die Staffelung aber nur in ganz bestimmten Fällen wirken: Die Bankbeziehung des Anlegers muss bereits Ende 2002 bestanden haben und der Vermögenswert muss bis Ende 2010 exorbitant gestiegen sein – nur dann wird als weitere Voraussetzung der neuen Höherbelastung der bisherige Höchststeuersatz von 34 Prozent überhaupt erreicht. Dies ergibt sich aus der äußerst komplexen Rechenformel für die Einmalzahlung zur Abgeltung bestehenden Vermögens auf Schweizer Konten.

Anzeige

Angenommen, der Depotstand betrug Ende 2002 5.000 Euro, muss ein Vermögenszuwachs um das 222-fache auf rund 1,11 Mio. Euro vorliegen, damit der Höchststeuersatz von 35 Prozent für Vermögen zwischen 1 und 2 Mio. Euro greift. Auf den „Spitzensteuersatz“ von 41 Prozent bei Kapitalanlagen über 7 Mio. Euro kommt man beispielsweise, wenn ein Wachstum von 31.000 Euro Ende 2002 um das 229-fache auf 7,1 Mio. Euro erzielt wurde.

Eine solch hohe Wertsteigerung erscheint wohl eher utopisch. Vielmehr hat der Fiskus bei dieser Regelung Vermögensmehrungen durch Erbfälle, Schenkungen oder andere Geldeingänge – beispielsweise aus Unternehmen - im Auge. Anleger, die bereits im Jahr 2002 ein Konto in der Schweiz hatten und einen solchen - bis dato unversteuerten - Vermögenszuwachs verzeichnen, sollen auf dem Wege dieser einmaligen Abgeltung die hinterzogenen Beträge – nachversteuern.

Die Rechenformel greift dabei unabhängig von der Frage, worauf der Vermögenszuwachs beruht. Es können also durchaus auch bereits versteuerte Gelder betroffen sein.

An diesem Punkt tut sich eine ganz andere „Gerechtigkeitslücke“ im Abkommen auf: Wer in der Schweiz versteuertes Kapital anonym angelegt hat – und auch dafür gibt es gute Gründe – wird nun auf die Stufe eines Steuerhinterziehers gestellt. Will er weiter in der Anonymität des Schweizer Bankgeheimnisses verbleiben, muss er dies durch höhere Steuerbelastungen teuer bezahlen. Wer sich die zu hoch einbehaltene Steuer vom deutschen Fiskus wiederholen will, muss sich beim Finanzamt erklären.

Weitere Artikel zum Thema

Gleiches gilt für die automatische Einbehaltung von Steuern in der Zukunft. Auch diese Regelung wurde durch die Änderungen des Steuerabkommens verschärft. Künftig verbleibt es insbesondere bei Zinseinkünften bei der höheren 35-prozentigen EU-Quellensteuer.

Eine Verlustverrechnung innerhalb der Bank – wie dies bei deklarierten Anlagen üblich ist - gibt es dabei nicht. Bei Erbschaften würde nach der Regelung des Steuerabkommens sogar eine 50-prozentige Steuer eingeführt. Auch hier gilt: Wer künftig anonym bleiben will, zahlt in der Zukunft wohl drauf.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%