Rein rechtlich: Vorzeitiger Abschied von Vorständen kann teuer werden

ThemaCommerzbank

kolumneRein rechtlich: Vorzeitiger Abschied von Vorständen kann teuer werden

Bild vergrößern

Die Pläne der Commerzbank, den Vorstand um zwei Mitglieder zu verkleinern, lassen sich nicht so ohne Weiteres umsetzen.

Kolumne

Die Pläne der Commerzbank, das Vorstandsgremium des Unternehmens zu verkleinern, sorgen für Aufruhr. Vorstände können aber nicht so einfach entlassen werden. Ohne Abfindung ist der Plan kaum realisierbar.

Ziel des Vorhabens von Commerzbank-Chef Blessing ist es, im Vorstand selbst sowie in den mittleren und unteren Führungsriege zu sparen. Die Managementstruktur sei zu komplex und überladen. Juristisch betrachtet ist das Vorgehen des Vorstandsvorsitzenden allerdings fragwürdig. Die Verkleinerung des Vorstands liegt ausschließlich in der Hand des Aufsichtsrats. Der Vorstand kann dies nicht selbst entscheiden. Doch der Aufsichtsrat der Commerzbank zögert noch mit seiner Entscheidung.

Anne Mushardt ist bei Rödl & Partner tätig. Quelle: PR

Anne Mushardt ist bei Rödl & Partner tätig.

Bild: PR


Die Funktionen der verschiedenen Organe einer Aktiengesellschaft sind gesetzlich streng voneinander abgegrenzt. Der Vorstand leitet die Gesellschaft, er ist geschäftsführendes Organ und wird durch den Aufsichtsrat überwacht. Das Kontrollgremium hat zudem die Personalkompetenz in Bezug auf die Bestellung und Abberufung von Vorstandsmitgliedern. Dementsprechend liegt ausschließlich bei ihm die Entscheidung über die Verkleinerung des Vorstandsgremiums. An Vorschläge oder Pläne des Vorstandsvorsitzenden sind die Kontrolleure nicht gebunden.

Anzeige

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (SoFFin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der SoFFin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den Stillen Einlagen des SoFFin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. "Da geh ich nicht nochmal hin", sagt er und meint den SoFFin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonus-Aktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der SoFFin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • November 2012

    Die Bank kündigt an, rund zwei Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Geschäfts zu stecken.

  • März 2013

    Der SoFFin lässt die Beteiligung an der Commerzbank erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz.

  • April 2013

    Die Zahl der Aktien wird eingedampft, aus zehn Aktien wird eine.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank zahlt den Rest der stillen Einlagen des Staates und der Allianz zurück.

  • Juni 2013

    Das Management ringt den Arbeitnehmervertretern den Abbau von 5200 Stellen ab.

  • Juli 2013

    Die interne Bad Bank der Commerzbank kann ihr Portfolio britischer Gewerbeimmobilien verkaufen.

  • August 2013

    Der Aufsichtsrat beschließt die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Köpfe.

Die Zahl der Vorstandsmitglieder oder die Regeln, nach denen diese Zahl festgelegt wird, werden in der Satzung bestimmt. Der Aufsichtsrat ist bei seiner Entscheidung über die Größe des Vorstandes an diese Vorgabe gebunden.

Aktienrechtlich sind dem Aufsichtsrat im Übrigen bei der Abberufung von Vorstandsmitgliedern enge Grenzen gesetzt. Hintergrund dieser gesetzlichen Regelung ist die Sicherung der eigenverantwortlichen und weisungsfreien Leitung der Gesellschaft durch den Vorstand. Er soll eigenständig nach freiem Ermessen zum Wohle der Gesellschaft handeln. Das gesetzliche Leitbild der Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit sowohl gegenüber gesellschaftsfremden Personen als auch gegenüber anderen Gesellschaftsorganen würde durch eine jederzeitige Abberufungskompetenz des Aufsichtsrates ausgehöhlt werden.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%