Soziales Einkaufen: Shoppen für den guten Zweck

Soziales Einkaufen: Shoppen für den guten Zweck

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 11:29 Uhr
Bild vergrößern

Im Internet einkaufen und gleichzeitig etwas Gutes tun, das versprechen Portale wie Heroshopping und Clicks4Charity.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Wer im Internet einkauft, kann damit ganz einfach etwas Gutes tun – ohne zusätzliche Kosten und meist sogar ohne seine persönlichen Daten zu verschenken. So genannte Social Shopping Portale machen es möglich.

DüsseldorfPrall gefüllte Einkaufstaschen wohin man schaut, überall Glühwein, Lebkuchen und gebrannte Mandeln satt. Weihnachtszeit ist Konsumzeit und das trotz Schuldenkrise. Hochsaison haben jetzt auch Spendenorganisationen. Und wer im Konsumrausch ein schlechtes Gewissen bekommt, kann dieses nun schon während des Online-Einkaufs beruhigen.

Statt direkt den Internetshop ihrer Wahl zu besuchen, müssen Kunden dafür zunächst ein so genanntes „Social Shopping Portal“ anwählen. Im Netz finden sich bereits einige solche Portale, manche werden ehrenamtlich betrieben, andere sind gewinnorientiert. Eines dieser Portale heißt Heroshopping und ist seit sechs Monaten online. „Wir nutzen das Prinzip der Werbebanner“, sagt Rainer Maiores, einer der Gründer des Portals. Auf der Seite finden Nutzer Werbebanner von 130 bekannten Internet-Händlern. Wer auf ein Banner klickt, wird zu dem jeweiligen Shop weitergeleitet. Kauft er dort tatsächlich etwas ein, bekommt das Portal eine Provision für die Vermittlung. Meist sind das fünf Prozent des Kaufpreises, manchmal aber auch deutlich mehr.

Anzeige

„Nach Abzug der Mehrwertsteuer geben wir diese Provision zu 100 Prozent weiter“, sagt Maiores. Einen Anteil von 75 Prozent bekommt die Hilfsorganisation skate-aid, die restlichen 25 Prozent gehen an die Welthungerhilfe. Möglich ist dies, da die Mitarbeiter von Heroshopping ehrenamtlich tätig sind und die Seite nicht hauptberuflich betreiben. Die Technik-Kosten übernimmt zudem ein Sponsor.

Dem Nutzer der Website entstehen durch die Vermittlung keine zusätzlichen Kosten. „Er kann wie gewohnt in dem Online-Shop einkaufen und muss nicht mehr zahlen, als hätte er die Seite direkt angewählt hätte“, sagt Maiores. Auch eine Anmeldung ist bei Heroshopping nicht nötig. Der Nutzer bleibt also anonym, denn auch nach seinem Kauf werden keine persönlichen Daten an das Portal weitergeleitet. „Wir erfahren nur, bei welchem Händler gekauft wurde und zu welchem Preis, aber nicht, wer welches Produkt gekauft hat“, sagt Maiores.


Einblick in ihre Bücher gewähren die Portale nicht

Ähnlich wie Heroshopping arbeitet auch die Seite Clicks4Charity. Hier kann der Nutzer sogar aus einer Liste von etwa 200 Shops wählen. Außerdem kann er selbst entscheiden, welche Spendenorganisation das Geld bekommen soll – zur Wahl stehen über 40 Organisationen. Der Haken: Clicks4Charity arbeitet gewinnorientiert und gibt nur 80 Prozent der Provision an gemeinnützige Organisationen weiter. Die restlichen 20 Prozent werden für die redaktionelle und technische Betreuung der Seite genutzt.

„Wir beitreiben das Portal hauptberuflich und pflegen intensive Kontakte zu den Shops und Organisationen“, sagt Gründer Tobias Raschke. „Dafür benötigen wir einen Teil der Provision, sonst könnten wir nicht so professionell arbeiten.“ Und ein garantierter Spendenanteil von 80 Prozent ist noch ein vergleichsweise guter Wert. Das Portal Planethelp arbeitet nach dem gleichen System, doch hier variiert der Spendenanteil zwischen 51 und 80 Prozent. Das übrige Geld wird für den Betrieb und den Ausbau der Plattform verwendet.

Einblick in ihre Bücher gewähren die Portale jedoch nicht. Bestenfalls gibt es auf den Seiten einen Spendenzähler, der anzeigt, wie viel Geld bereits an gemeinnützige Organisationen weitergegeben wurde. Der Nutzer muss also erst einmal einen Vertrauensvorschuss leisten und darauf hoffen, dass die Portale korrekte Angaben zur Verwendung der Gelder machen.

Ein etwas anderes Konzept verfolgen die Portale Schulengel und Bildungsspender. Auch hier werden Provisionen durch den Einkauf in Online-Shops generiert. Die Portale haben sich jedoch auf Spenden für den Bildungsbereich spezialisiert. Hier können sich Schulen, Kindergärten, Universitäten oder auch Kirchen und Vereine registrieren lassen, um Spenden zu empfangen. Bildungsspender gibt 90, Schulengel 80 Prozent der Spenden an die Einrichtungen weiter.

 
Verbraucherschützer raten, die Bedingungen genau anzuschauen

Verbraucherschützer sehen die Portale zum Teil kritisch: „Die Nutzer sollten sich genau anschauen, wie hoch die Provisionen der Online-Händler sind und wie viel Prozent davon tatsächlich an Hilfsorganisationen weitergeleitet werden“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem sieht er eine Zwickmühle: „Entweder der Nutzer registriert sich bei den Portalen, ermöglicht es ihnen, ein Einkaufsprofil über ihn zu erstellen, und bekommt nach dem Kauf eine Rückmeldung über die von ihm ausgelösten Spenden oder er registriert sich nicht, kann dann aber in der Regel auch nicht nachvollziehen, ob die Spende tatsächlich angekommen ist.“ So unterscheidet beispielsweise Planethelp zwischen registrierten und nicht registrierten Nutzern. Wer ein Nutzerkonto hat, kann einsehen, wie viel Provisionen durch seine Einkäufe generiert wurden.

Der Verbraucherschützer Tryba sieht noch eine weitere Gefahr: Der Kunde könnte sich unter Druck gesetzt fühlen, nur in den Shops einzukaufen, die mit dem Spendenportal zusammenarbeiten. „Dadurch können dem Kunden Preisvorteile anderer Händler entgehen“, sagt Tryba. „Das Geld, das man bei einem anderen Händler spart, könnte man dann besser direkt spenden.“

Diese Meinung teilt auch Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Zudem befürchtet er, dass sich Nutzer durch den Begriff der Spende in die Irre führen lassen: „Eigentlich spendet bei diesem System niemand, denn Spenden bedeutet, dass man einen Teil seines Geldes für einen guten Zweck abgibt“, sagt Wilke. Die Online-Shops könnten nicht als Spender bezeichnet werden, da es Teil ihres Marketings ist, Provisionen für Käufe zu zahlen, die über Werbebanner vermittelt wurden. Die Portale seien auch keine Spender, „denn sie betonen stets, dass ihnen das Geld nicht gehört und sie nur eine Vermittlerrolle einnehmen“, so Wilke. Und die Kunden selbst könnten ebenso wenig als Spender gelten, denn sie zahlen keinen Cent extra.

Kategorisch ablehnen will Wilke die Portale aber nicht: „Wenn sich neue Formen des Spendens im Internet auftun, sollte man diese nicht von vorne herein verteufeln“, meint Wilke. Der Nutzer müsse aber genau hinschauen, wer hinter den Projekten steckt und an wen die Banner-Einnahmen überwiesen werden. Bei vielen Portalen mangele es noch an Transparenz.

Zudem ist er besorgt, dass sich die Portale negativ auf klassische Spenden auswirken könnten: „Wir befürchten, dass die echten Spenden zurückgehen, wenn die Nutzer der Portale glauben, mit ihren Käufen einen erheblichen Beitrag im Sinne einer üblichen Spende geleistet zu haben“, sagt Wilke.

Tatsächlich hätten aber selbst jene Portale, die schon seit mehreren Jahren existieren, bisher erst wenig Geld gesammelt. Geht es nach den Betreibern, dürfte sich das bald ändern: „Wir wollen mit unserem Portal eine Spendenrevolution auslösen“, sagt Maiores von Heroshopping. Und Raschke sieht in seinem Portal sogar „einen Weg, um die Welt ein bisschen besser zu machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%