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Sparen: Konsum gegen die staatlichen Raubzüge

von Dieter Schnaas

Über Raubzüge des Steuerstaates, deutsche Inflationsängste und haushalterische Konsumfreude als ökonomisches Gebot der Stunde.

Angst ums Geld? Schnell weg damit! Quelle: N.Iven, Hisashi Okawa
Angst ums Geld? Schnell weg damit! Quelle: N.Iven, Hisashi Okawa

Alle Jahre wieder, pünktlich zum Jahresende, wenn die Tage kurz werden und die Nächte lang, wenn drinnen die Kerzen brennen und draußen der Nikolaus um die Häuser schleicht, schneit bei den Deutschen die Freiheit ins Haus. Plötzlich steht sie vor der Tür, halb erfroren und ziemlich verwahrlost, das ganze Jahr über hat man sie nicht beachtet, sie keines Blickes gewürdigt im gut gesicherten Wohlstandsalltag, aber natürlich: Jetzt bittet man sie hinein zum Adventstee, um mit ihr bei Aachener Printen und Vanillekipferl zusammenzusitzen und ganz gemütlich ein bisschen Staatsferne zu zelebrieren.

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Gemeinsam blättert man dann im liberalen Poesie-Album und erzählt sich schottische Märchen, allen voran das von Adam Smith und dem Eigennutz, der zum Wohle aller in der Welt ist. Man klagt über die hohe Abgabenlast und den teuren Sozialstaat, über das zinskaritative Südeuropa-Engagement der Notenbanken und das übertriebene Sicherheitsbedürfnis der Deutschen, man kommt auf den Wert der individuellen Selbstbestimmung zu sprechen und singt das hohe Lied eines tätigen Lebens – und indem man schließlich seine Steuererklärung vorbereitet, ein paar Solardachförderanträge ausfüllt, das ein oder andere Arbeitszimmer veranschlagt, Ausbildungskosten vorzieht und Kaufbelege fürs Finanzamt glattbügelt, übt man sich ganz alltagspraktisch in der Pflege des Eigentumsbegriffs.

Die Erfinder des staatlichen Raubüberfalls

Warum auch nicht? Hat uns nicht Thomas von Aquin bereits im 13. Jahrhundert darauf aufmerksam gemacht, dass es sich beim Eintreiben des Zehnten (des Zehnten!) um einen gesetzlich sanktionierten Raubüberfall des Staates handelt? Und war es nicht Jean-Baptiste Colbert, der Finanzminister des französischen Sonnenkönigs, der uns schon vor 350 Jahren darüber aufklärte, dass wir Steuerzahler uns vor allem als blöde Gänse zu begreifen haben, die vom Staat nach Belieben gerupft werden – und zwar so, dass wir dabei „möglichst viele Federn“ lassen „bei möglichst wenig Geschrei“? Welch größere Freiheit kann es also geben, als sein Geld vor dem Zugriff des Staates zu schützen?

Wie der Staat Steuerzahler abzockt

Steuererklärung

Wenn Steuerzahler beim Ausfüllen der Steuererklärung am Computer ein Feld vergessen und auf diese Weise Steuervorteile verschenken, stellt sich das Finanzamt immer wieder quer. Wer den Fehler erst bemerkt, wenn die einmonatige Einspruchsfrist gegen den Steuerbescheid abgelaufen ist, hat deshalb meist keine Chance auf eine nachträgliche Korrektur. Beim Bundesfinanzhof laufen derzeit mehrere Verfahren zu dieser Frage.

Quelle: APN

Freilich, in diesem Jahr liegen die Dinge ein bisschen komplizierter, denn in diesem Jahr geht es nicht nur darum, sein Geld vor den langen Fingern des Fiskus zu retten, sondern vor allem darum, das vor den langen Fingern des Fiskus gerettete Geld zu retten. Schließlich sind Eigentum und Geldbesitz seit Griechenland-Gedächtnisjahr und Berlusconi-Festwochen keine Voraussetzungen der persönlichen Freiheit mehr, sondern Ursachen schlafloser Nächte, das heißt: Man bringt zwar sein Erspartes wie üblich mit WiWos ganz legalen Steuertricks in Sicherheit – jedoch ohne recht zu wissen, ob es überhaupt noch sicher ist.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.12.2011, 20:08 UhrAnonymer Benutzer: Ein_komischer_Vogel

    Wenn Sie die gewählten Handelnden innerhalb des Staatsgefüges als Ausbeuter bezeichnen möchten, sage ich nein: Verwaltung muss bezahlt werden. Wenn Sie diese als Handlanger der Hochfinanz und von Industrieinteressen verstehen möchten, dann gebe ich Ihnen natürlich recht! Denn: Erst durch großzügige Förderung solcher, immer frecher agierender Raubgruppen, werden die Staatsfinanzen in die Richtung getrieben, die wir derzeit erleben.

  • 06.12.2011, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: AJ1968

    Danke Wiwo,
    Humor ist wenn man trotzdem lacht! Und ab und zu lachen ist bei diesem bierernsten Thema sicherlich nicht verkehrt. Wer sein Geld ausgibt, statt zu Sparen, hat einige Sorgen weniger. Vielleicht ist das wirklich nicht der verkehrte Weg?
    Die Liste der Grausamkeiten, die uns da in den nächsten Jahren drohen, wird immer länger: Hohe Steuern, mickrige Habenzinsen für Sparer, Inflation und Entwertung des Vermögens, unsichere Assetklassen - wo kann man das Geld denn noch anlegen? Und was ganz sicher kommen wird: Eine Vermögensabgabe bzw. ein Lastenausgleich für Personen, die ein Depot oder eine Immobilie besitzen. Da wird uns als Volk von Reihenmittelhausbesitzern reihenweise zum Weinen zumute sein. Also doch besser das Geld ausgeben, konsumieren oder spenden? Dann hat man zwar keine Ersparnisse oder Altersrückstellungen, die wertlos werden oder einem zwangsweise genommen werden. Aber dafür bleibt ein gute Gefühl ...

  • 06.12.2011, 17:58 UhrRon777

    Der Kranke bekommt derzeit schlicht die falsche Therapie. Durch Sparhaushalte, gemeinsame Anleihen, illegale EZB-Aktionen und Rettungsschirme wird die Euro- oder Schuldenkrisen eher befeuert denn sinnstiftend therapiert. Wenn wir den Zusammenbruch unserer gemeinsamen Währung noch verhindern wollen, gibt es kurzfristig nur eine Möglichkeit - das Drucken von Geld. Dies ist im Grunde eine Kapitalerhöhung des Euros, sicherlich kein Königsweg und birgt die Gefahr einer Inflationierung unserer Währung. Deutsche Stabilitätsansprüche könnten aber trotzdem zur Geltung kommen, wenn das neue Geld eben nicht einfach zum Stopfen von Löchern in den Krisenländern verwendet würde, sondern - gemäß den Anteilen am Euro - allen (!) Euroländern zur Verfügung gestellt würde. Deutschland erhielte folglich ein extra großes Stück der Ausschüttung. Während Krisenländer aktuelle Liquiditätsprobleme mildern könnten, wäre für unser Land die Begleichung von Altschulden und die Belebung der Binnenkonjunktur erstrebenswert. Deutschland würde sich krisenfest machen - natürlich auf Kosten eine gewissen Inflation - aber Wunschkonzerte sind schon lange ausgeträumt.

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