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Steueränderungen: Gesammelte Gemeinheiten für den Steuerzahler

von Daniel Schönwitz

Die Bundesregierung verschärft im Jahressteuergesetz zahlreiche Vorschriften. Was sich ändert, wie Anleger und Selbstständige vor Jahresende noch von den alten Regelungen profitieren.

Hunderte mit einer Schneedecke Quelle: dpa
Hunderte mit einer Schneedecke überzogene Neu- und Jahreswagen: Die Regierung nimmt Steuervorteile für Verkäufer von Jahreswagen zurück Quelle: dpa

In der Vorweihnachtszeit verabschiedet das Parlament alljährlich ein Sammelsurium von Neuregelungen, das Fachleute abfällig „Lumpensammler-Gesetz“ nennen. Denn die Erfinder des Machwerks, das offiziell Jahressteuergesetz heißt, entdecken Jahr für Jahr in den verschiedensten Bereichen unseres Alltags neue Einnahmequellen. „Die Finanzverwaltung nutzt das Gesetz traditionell, um quer durch das gesamte Steuerrecht Regeln anzupassen und vor allem zu verschärfen“, kritisiert Kurt Gratz, Steuerberater bei CMS Hasche Sigle in Stuttgart. So würden zum Beispiel immer wieder positive Gerichtsurteile ausgehebelt.

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Das ist in diesem Jahr nicht anders. Die 180 Änderungen, die das Ende November vom Bundesrat verabschiedete Gesetz vorsieht, sind nicht nur ein Beleg für die ausufernde Komplexität unseres Steuerrechts, sondern auch das Ende etlicher Steuervorteile – vor allem für Anleger, Selbstständige und Bauherren. Da keine der zahlreichen Gemeinheiten für sich genommen breite Bevölkerungsschichten trifft, gab es weder im Parlament noch unter den Wählern nennenswerte Proteste – obwohl in der Summe Millionen betroffen sein dürften.

Zahlreiche Steuerzahler haben allerdings noch die Chance, sich attraktive Vorteile zu sichern – wenn sie in den letzten Wochen des Jahres noch reagieren.

Sparmodell Jahreswagen

Das Urteil war ein Knaller: Wer seinen Gebrauchtwagen binnen eines Jahres wieder verkauft, darf einen dort entstandenen Verlust von Aktiengewinnen abziehen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH) im Herbst 2008 (IX R 70/06). Danach freuten sich gerade Autofreaks auf ein Steuersparmodell. Das Kalkül: Wer sich jedes Jahr zum Beispiel einen schicken Jahreswagen gönnt und ihn kurz vor Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist verkauft, kann den Verlust nutzen, um weniger Steuern auf Gewinne beim Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren zu zahlen.

Doch dieser Strategie schiebt der Fiskus einen Riegel vor – und zwar gleich mit zwei Änderungen. Die erste gilt rückwirkend ab 2009. Demnach dürfen Anleger Verluste beim Verkauf von Gebrauchsgütern (wie Jahreswagen) nicht mehr von Wertpapiergewinnen abziehen, sondern nur noch von anderen Profiten, etwa beim Verkauf von Immobilien oder Goldbarren. „Der Gesetzgeber behauptet, dies sei nur eine Klarstellung, aber in meinen Augen handelt es sich um eine verfassungswidrige Rückwirkung“, sagt Gratz.

Die zweite Änderung immerhin gilt nur für die Zukunft: Wer Gebrauchsgüter erst nach Verkündung des Jahressteuergesetzes kauft, darf spätere Verluste generell nicht mehr verrechnen – egal, ob mit Gold-, Aktien- oder Immobiliengewinnen. Da mit der Verkündung Mitte Dezember zu rechnen ist, haben Steuersparer noch ein paar Tage Zeit, zum Beispiel einen Jahreswagen zu kaufen. „Wer steuerpflichtige Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien oder Goldbarren erwartet, kann sich auf diese Weise Verlustverrechnungspotenzial sichern“, sagt Gratz.

Zinsen vom Finanzamt

Ebenfalls nicht von einem BFH-Urteil profitieren sollen jene, denen der Fiskus zu viel Steuern abgeknöpft hat. Laut Jahressteuergesetz sind Zinsen, die das Finanzamt zusätzlich zu einer Steuererstattung zahlt, entgegen der Ansicht des BFH steuerpflichtig. Das trifft vor allem Selbstständige, die quartalsweise Vorauszahlungen leisten müssen. Dass die Neuregelung auch rückwirkend gelten soll, halten Experten für verfassungsrechtlich fragwürdig. Der Düsseldorfer Steuerberater Krischan Treyde rät Betroffenen, „Einspruch einzulegen und das Ruhen des Verfahrens bis zu einer höchstrichterlichen Klärung zu beantragen“.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.12.2010, 06:02 UhrAnonymer Benutzer: Herbert

    UMSATZSTEUER heißt das richtig! (Oder kennen Sie ein 'Mehrwertsteuergesetz'?)

  • 29.12.2010, 11:22 UhrAnonymer Benutzer: stein

    ...die meisten haben wirklich noch nicht erkannt,dass wir wie im Schlaraffenland leben.Für alles ist gesorgt und auch die.die keine Arbeit haben leben noch in vertretbaren Zustand,verglichen mit den meisten Ländern auf dieser Welt.
    Dass das Steuerrecht nicht einfach ist,hängt damit zusamen,dass es möglichst gerecht sein soll.Einfach wäre,jeder zahlt auf alles was er bekommt,30 % Steuern.Und was würde dann passieren.Die,die wenig verdienen würden sich als erstes melden,dann die,die Kinder haben,dann die die krank sind,dann,dann .....und dann haben wir am Ende wieder unser heutiges Steuerrecht.Also hört jetzt endlich auf zu meckern.

  • 10.12.2010, 10:10 UhrAnonymer Benutzer: der Alte

    @ der Junge, in Deutschland gibt es ca. 400 Unternehmen, das sind 0,01% aller Unternehmen die eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Diese 400 Unternehmen erbringen 10% des gesamten Umsatzsteueraufkommens. Jetzt sagen Sie mir diese Unternehmen haben keine politische Macht?

    Mir geht es nicht um die Unternehmer und Anteilseigner die mehr als eine Million EUR nach Steuern verdienen, mir geht es um die Unternehmen die mehr als 100 Millionen EUR an Gewinnen ausschütten. Sicher ist jeder für sich selbst verantwortlich. Nur wenn die bundesregierung Druck auf andere Länder wegen deren Steuerpolitik ausübt, soll man sich nicht wundern das es so ist, wie es ist.
    Die Finanzkrise wurde nicht nur durch die banken verursacht. Große Mitschuld trifft auch die Politiker die wir gewählt haben. Sei es das Sie es nicht besser wussten oder das Sie den anderen zu sehr vertraut haben.
    Zum Auswandern kann ich nur sagen, Deutschland werden nicht die Reichen, Kranken und Sozial schwachen verlassen, sondern die die dafür sorgen das man was erreichen möchte. Das sind meist hochqualifizierte Menschen die sich beweisen möchten. Das sind die, die man jetzt händeringend sucht. Es gibt Menschen in Deutschland die bekommen jedes Jahr 10 Mio. EUR an Dividenden und Zinsen. Davon 25% weg als Zinsertragssteuer und der Rest ist zur freien Verfügung. Da lässt es sich in Deutschland gut leben. Gute Verkehrsanbindung (außer im Winter), gute ärztliche Versorgung. Aber um dahin zu kommen muss man erst einmal was aufbauen um sich die Zinsertragssteuer zu verdienen. Das ist in unserem Staat nicht so ohne weiteres möglich.
    Darum denke ich, dass der Staat nicht nur Gesetze schaffen muss, sonder es ist viel dringender Gesetze zu streichen. Das ganze Einkommenssteuergesetz ist so etwas von kompliziert, dass es eigentlich nur den Steuerberatern hilft.

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