Steuerbescheid: Wer sich wehrt, kann sparen

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Steuerbescheid: Wer sich wehrt, kann sparen

von Constanze ElterQuelle:Handelsblatt Online

Auch das Finanzamt macht Fehler. Manchmal handelt es sich um einfache Zahlendreher, manchmal bewerten die Beamten einen Sachverhalt anders als der Steuerzahler. Die Erfolgschancen bei einem Einspruch sind hoch.

Haben Sie in Ihrem Steuerbescheid größere Fehler entdeckt oder fühlen Sie sich zu Unrecht zur Kasse gebeten, können Sie gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen. 2015 haben dies knapp 3,5 Millionen Steuerzahler getan – und sind dabei in der Mehrheit erfolgreich gegen ihren Steuerbescheid vorgegangen. Die Statistik des Bundesfinanzministeriums über die Einspruchsbearbeitung im Jahr 2015 zeigt, dass 64,5 Prozent der Verfahren durch Abhilfe geklärt werden konnten. Das bedeutet, dass das Finanzamt ganz oder in Teilen den Argumenten des Einspruchs folgt und den Steuerbescheid entsprechend ändert.

In 22,4 Prozent der Fälle wurde der Einspruch zurückgenommen. Denn wenn die Finanzbeamten zu der Auffassung kommen, dass der Einspruch keine Aussicht auf Erfolg hat, teilen sie dies dem Steuerzahler mit. Danach hat der Betroffene die Möglichkeit, seinen Einspruch zurückzunehmen – mit der Folge, dass der ursprüngliche Steuerbescheid bestandskräftig wird.

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Checkliste: Diese Belege helfen Steuern sparen

  • Einkünfte

    Lohnsteuerbescheinigung

    Bescheinigung über
    - Arbeitslosengeld/ Elterngeld/ Kurzarbeitergeld
    - Krankengeld / Mutterschaftsgeld

    bei Rentenbezug (z. B. Alters-, Erwerbsunfähigkeits-, Witwen-, private Versicherungsrenten)
    - bei erstmaligem Bezug den Rentenbescheid
    - jährliche Rentenbescheinigung

    Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen (z. B.: Bausparvertrag): Anlage VL

    Belege über Nebeneinkünfte

    Quelle: Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e.V.

  • Einkünfte aus Kapitalvermögen

    Jahreszinsbescheinigungen, etwa von Bausparkassen, Banken, Fondsgesellschaften

    Steuerbescheinigungen bei einbehaltener Zinsabschlagsteuer (Abgeltungsteuer)

    Belege über Verkauf von Aktien / Grundstücken / Vermögenswerten etc.

  • Kinder

    bis 14 Jahre: Betreuungskosten z. B. Gebühren für Kindergarten, -hort, Babysitter, Tagesmutter

    über 18 Jahre: Ausbildungs- und Lehrverträge, Immatrikulationsbescheinigung bei Studium

    im Ausland: Familienstandsbescheinigung

    Belege über Schulgeld, Krankenversicherungsbeiträge, Lohnsteuerbescheinigung des Kindes, Waisenrentenbescheinigung

    Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

  • Werbungskosten

    Gewerkschaftsbeiträge, Unfallversicherung, Rechtschutzversicherung

    Bewerbungskosten (z. B. Kopier-, Porto-, und Fahrtkosten, Bewerbungsmappen)

    Reisekosten: Erhöhte Fahrtkosten, Verpflegungspauschalen, Unterkunftskosten (z. B. Kraftfahrer, Bauarbeiter, Außendienst)

    Winterbeschäftigungsumlage

    Fahrten Wohnung - Arbeitsstätte, Auswärtstätigkeit
    - Entfernungs-km, Anzahl Fahrten
    - Sammelbeförderung z. B. Werkbus (TÜV-Bericht / ASU / Inspektionsrechnungen immer aufheben wg. km-Stand)
    - Unfallkosten PKW

    Arbeitsmittel (z. B. Computer, Druckerpatronen, Büromaterial, Werkzeug, Berufskleidung, Fachliteratur)

    doppelte Haushaltsführung (Miete, Mietnebenkosten, notwendiger Hausrat, Zweitwohnungssteuer)

    Steuerberatungskosten

    Fortbildungskosten (Kurs- und Prüfungsgebühren, Kosten für ein Zweitstudium)

    Arbeitszimmer (sofern der Arbeitgeber keinen geeigneten Arbeitsplatz stellt)

    beruflich veranlasste Umzugskosten (Spediteur, Umzugshelfer, Renovierungskosten, Anschlussgebühren, etc.)

  • Außergewöhnliche Belastungen

    rankheitskosten (z. B. Medikamente, Zahnarzt, Brille, Krankenhausaufenthalt, Kur, Physiotherapie)

    Fahrtkosten zum Arzt (Anzahl der Fahrten und km)

    Scheidungskosten / Beerdigungskosten

    Kosten für Haushaltshilfe

    Nachweis über Behinderung (Behindertenausweis, Bescheinigung vom Versorgungsamt, Rentenbescheid über Unfallrente)

    Unterhaltsleistungen Kinder / Ehefrau / Eltern / Großeltern / Lebensgefährte/in

    Krankenversicherungsbeiträge für unterhaltene Personen

  • Sonderausgaben

    Riester-Rente

    Rürup-Rente (Basisrente)

    Versicherungsbeiträge (z. B. Lebens-, Haftpflicht-, Kfz-, Unfallversicherung)

    Krankenversicherung: Nachweis Basistarif, Beitragserstattungen

    Spendenbescheinigungen

  • Handwerkerleistungen/ haushaltsnahe Dienstleistungen

    Haushaltsnahe Dienstleistungen:

    Reinigung, Gartenpflegearbeiten (wie z. B. Rasenmähen oder Heckenschneiden), Schneeräumen

    Umzugsdienstleistungen (Umzugsspedition)

    Pflege von kranken Personen

    Handwerkerleistungen:

    Arbeiten an Haus oder Wohnung, Reparatur und Wartung von Gegenständen, Kontrollaufwendungen (z. B. Gebühr für den Schornsteinfeger)

    Hinweis: Alle Arbeiten müssen im oder am Haus bzw. an Wohnung vorgenommen worden sein

    Voraussetzungen:

    Begünstigt ist nur der Arbeitslohn, einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen und Fahrtkosten - keine Leihgebühr für Maschinen

    Hinweis: Kontoauszüge müssen die Bezahlung per Überweisung belegen

  • Immobilien

    Vermieter:
    - Kaufvertrag, Makler-, Auflassungsgebühr, Grunderwerbssteuer, Notarkosten
    - Bau-, Reparaturrechnungen, Zinsbescheinigungen

    Sonderabschreibung:
    - für ein Baudenkmal, Gebäudesanierung

Nur gut jeder zehnte Einspruch wurde ganz oder teilweise als unbegründet zurückgewiesen. Gegen diese Entscheidung können Steuerzahler klagen – diese Möglichkeit haben nach Angaben der Finanzverwaltung jedoch nur rund 1,6 Prozent der Betroffenen genutzt.

Wenn Sie selbst mit Ihrem Steuerbescheid nicht einverstanden sind, können Sie Einspruch einlegen – wenn das Finanzamt zum Beispiel Aufwendungen, die Sie geltend gemacht haben, nicht anerkannt hat. Prüfen Sie also Ihren Steuerbescheid genau und lesen Sie auch die Erläuterungen. Wenn der Sachbearbeiter bestimmte Ausgaben oder Freibeträge nicht berücksichtigt hat, finden Sie dies dort aufgelistet. Gleichen Sie Ihre Steuererklärung mit dem Bescheid ab – wenn Sie Differenzen feststellen und keine Erklärung dafür finden, kontaktieren Sie das Finanzamt.

Für Ihren Einspruch haben Sie einen Monat Zeit. Die Frist beginnt, nachdem der Bescheid offiziell als „bekannt gegeben“ gilt. Das ist am dritten Tag nach Aufgabe zur Post der Fall. Der Einspruch dürfen Sie per Post oder per Fax schicken. Ein Einspruch per Mail ist dann erlaubt, wenn Ihr Finanzamt eine E-Mail-Adresse hat. Schicken Sie Ihren Einspruch an das richtige Finanzamt – die Adresse finden Sie auf dem Steuerbescheid. Das Wort „Einspruch“ sollte ebenfalls in Ihrem Schreiben vorkommen. Mit diesen Formalien haben Sie die erste Hürde genommen und die Frist gewahrt.

Wo Vorsorgebeiträge in der Steuererklärung einzutragen sind

  • Gesetzliche Rente

    Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung behandelt das Finanzamt als Sonderausgaben. Hier wird der Arbeitnehmeranteil geltend gemacht, der auf der Lohnsteuerbescheinigung vermerkt ist. Eingetragen werden sie in der Anlage Vorsorgeaufwand. Alleinstehende können für 2015 maximal 17.738 Euro geltend machen, Verheiratete höchstens 35.475 Euro.

    Quelle: MLP, eigene Recherche; Stand: Februar 2016

  • Basis-Rente (sogenannte Rürup-Rente)

    Auch die Beiträge zur staatlich geförderten Rürup-Rente gehören zu den Sonderausgaben und sind in der Anlage Vorsorgeaufwand in Zeile 7 einzutragen. Es gilt weiterhin der Maximalbetrag von 17.738 Euro für Singles und 35.475 Euro für Verheiratete. Ist die Basis-Rente an eine Berufsunfähigkeitsversicherung gekoppelt – ein beliebtes Kombimodell der Versicherer, um Steuervorteile auch für diese Vorsorgeart zu nutzen -, sind die Beiträge dafür ebenfalls bei der Basisrente in Zeile 7 der Anlage Vorsorgeaufwand zu erfassen. Werden sie in Zeile 49 eingetragen (wo der Berufsunfähigkeitsschutz eigentlich hingehört), geht der Steuervorteil je nach Einkommenshöhe unter Umständen verloren. Das Finanzamt informiert den Steuerzahler nicht über diesen Irrtum.

  • Riester-Rente

    Beiträge bis zu 2100 Euro können Riester-Sparer seit 2008 steuersenkend ansetzen. Nur so kommen sie in den vollen Genuss der staatlichen Förderung für die private Vorsorge. Die Beiträge zum Riester-Vertrag gehören in die Anlage AV zur Steuererklärung, die speziell für Riester-Verträge angeboten wird. Da im Rahmen der Riester-Förderung entweder Steuervorteile oder staatliche Zuschüsse gewährt werden, prüft das Finanzamt automatisch, was für den Steuerzahler günstiger ist – weshalb dieser Vorgang auch „Günstigerprüfung“ genannt wird. Um die maximale Förderung zu erhalten, müssen mindestens vier Prozent des Bruttolohns des Vorjahres in den Riester-Vertrag eingezahlt werden.

  • Betriebliche Altersversorgung

    Wer zusätzliche Altersvorsorge über seinen Arbeitgeber betreibt, muss in der Steuererklärung nichts eintragen. Da die Beiträge direkt vom Bruttolohn abgezogen werden, haben Arbeitnehmer schon einen Vorteil, da das zu versteuernde Einkommen in Höhe der Beiträge sinkt und auch keine Sozialversicherungsbeiträge darauf anfallen. Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) sind sozialabgaben- und steuerfrei, sofern Höchstbeträge nicht überschritten werden. Bei einer Direktversicherung liegt das Maximum bei vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung. 2015 entsprach das 2.976 Euro. Andere Durchführungswege können den steuer- und sozialabgabenfreien Förderbetrag noch erhöhen.

  • Kranken- und Pflegeversicherung

    Was Steuerpflichtige in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen, sollten sie in der Anlage Vorsorgeaufwand in den Zeilen 12 bis 45 eintragen. Bis zur Höhe der Basisabsicherung – dem Mindeststandard für gesetzlichen und private Versicherungen können die Beiträge steuermindernd wirken. Dabei können unverheiratete Angestellte und Beamte bis zu 1900 Euro, Verheiratete oder Lebenspartner (gemeinsame Veranlagung) und Selbstständige bis zu 2800 Euro geltend machen. Wer mehr zahlt, kann auch den Gesamtbetrag ansetzen. Auch die Versicherungsbeiträge für Ehepartner und Kinder sollten in der Steuererklärung erfasst sein.

  • Allerlei Versicherungen

    Sind die steuerlichen Höchstbeträge noch nicht ausgeschöpft, sollten auch Haftpflicht-, Hausrat-, Unfall oder eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherungen in den Zeilen 49 und 50 der Anlage Vorsorgeaufwand eingetragen werden. Bis zum Erreichen von 17.738 Euro (Singles) bzw. 35.475 Euro für Verheiratete hilft das, die Steuerlast zu minimieren.

Sie müssen zwar den Einspruch begründen. Dies können Sie aber nachreichen. Schicken Sie also lieber den Einspruch fristgerecht ans Finanzamt und liefern die Begründung nach. Sie können bereits angeben, welche Punkte Sie warum anfechten – das müssen Sie aber nicht. Eine Begründung muss später folgen, meist setzt das Finanzamt dafür eine separate Frist.

Mit dem Einspruch haben Sie außerdem die Möglichkeit, die sogenannte Aussetzung der Vollziehung zu beantragen. Das bedeutet, dass der strittige Steuerbetrag so lange nicht bezahlt werden muss, bis die Finanzbehörde über den Einspruch entscheidet. Aber Achtung: Ist Ihr Einspruch erfolglos, müssen Sie nicht nur den strittigen Betrag nachzahlen, sondern auch Aussetzungszinsen.

Praxistipp:

Im Einspruchsverfahren schauen sich die Finanzbeamten Ihre gesamte Steuererklärung noch einmal an. Das kann zur Folge haben, dass sie an anderen Stellen Fehler finden, die sie zu Ihren Gunsten gemacht haben. Das Finanzamt darf diese korrigieren, muss Ihnen aber eine solche „Verböserung“ vorher mitteilen. Sie können dann Ihren Einspruch immer noch zurücknehmen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Haufe.de. Ist dieser Steuertipp interessant für Sie? Weitere Beiträge finden Sie auf dem Haufe-Finance-Portal.

Quelle:  Handelsblatt Online
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