Steuererklärung: Wann sich die Hilfe von Steuerprofis lohnt

Steuererklärung: Wann sich die Hilfe von Steuerprofis lohnt

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Steuerberater: Ab wann man sich Hilfe suchen sollte.

von Andreas Toller

Bis 31. Mai ist für die meisten die Steuererklärung fällig. Aber mit Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe gewährt das Finanzamt mehr Zeit. Ab wann sich die Hilfe vom Profi bezahlt macht.

Gerade hat der Bundesfinanzhof (BFH) ein Urteil gefällt, über das sich Steuerpflichtige und Steuerberater gleichermaßen freuen dürften. Der BFH wies nämlich übereifrige Finanzbeamte in ihre Schranken.

Der Fall: Ein Paar aus Niedersachsen hatte mehrmals seine Steuererklärung verspätet abgegeben. Im Folgejahr beauftragten beide einen Steuerberater mit der Erstellung der Steuererklärung. Dadurch verlängert sich die Abgabefrist für die Steuererklärung vom 31. Mai bis zum 31. Dezember eines Jahres. Dessen ungeachtet verlangte das zuständige Finanzamt die Abgabe der Steuererklärung bis zum 31. August – wegen der Verspätung in den Vorjahren. Das Amt verlangte zudem gleich eine Strafzahlung von 880 Euro. Dagegen hatte das Paar geklagt.

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Der BFH gab den Klägern auf ganzer Linie Recht: Sowohl die Strafzahlung als auch das Vorziehen der Abgabefrist durch die Finanzbeamten erklärten die Richter als rechtswidrig. Das Finanzamt muss den Strafzuschlag zurückzahlen und die Prozesskosten übernehmen. In der Vorinstanz hatte das Gericht noch zugunsten des Finanzamtes entschieden.

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Wer in diesem Jahr einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein einschaltet, hat also Anspruch auf die verlängerte Abgabefrist für seine Steuererklärung bis zum 31. Dezember 2017. Nur wegen der Fristverlängerung den Steuerberater einzuschalten, lohnt sich für den durchschnittlichen Gehaltsempfänger allerdings kaum. Denn schon bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen von 30.000 Euro im Jahr können Steuerberater laut Gebührenordnung zwischen 165 und 1160 Euro verlangen. Da sich Steuerberater oft an der Mitte dieser Spanne orientieren, können schnell rund 700 Euro fällig werden. Ein Säumniszuschlag vom Finanzamt käme voraussichtlich billiger. Wer rund 60.000 Euro im Jahr verdient, muss schon mit 230 bis 1700 Euro rechnen, im Mittel mit knapp 1000 Euro.

Verlangen Steuerberater ein Honorar am oberen Ende der Spanne, müssen sie dies laut Rechtsprechung ausführlich begründen, so dass sich die meisten in der Mitte orientieren. Dennoch: Dieses Geld muss durch die hoffentlich erzielbare Steuerrückzahlung erst einmal reingeholt werden.

Wer muss eine Einkommensteuererklärung machen?

  • Keine Pflicht zur Steuererklärung

    Alleinstehende Arbeitnehmer, die nur bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, müssen in der Regel keine Steuererklärung abgeben. Das ändert sich, wenn ...

  • Nebeneinkünfte

    - wenn Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro pro Jahr erzielt wurden.

  • Mehrere Arbeitgeber

    - der Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt ist oder war.

  • Gesamtbetrag der Einkünfte über 8.130 Euro

    - keine Einkünfte aus einer Arbeitnehmertätigkeit mit Lohnabzug erzielt wurden, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte bei einem Ledigen im Jahr 2016 beispielsweise durch eine Rente über 8.652 Euro liegt.

  • Lohnersatzleistungen

    - Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Elterngeld über 410 Euro pro Jahr bezogen wurden.

  • Freibetrag eingetragen

    - auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag eingetragen wurde (– beispielsweise ein Freibetrag für Werbungskosten) und der Arbeitslohn über11.000 Euro liegt (20.900 Euro für zusammen veranlagte  Ehegatten)

  • Ehegatte in Steuerklasse V oder VI

    - der Arbeitnehmer verheiratet ist und einer der Ehegatten nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

  • Besteuerung nach Faktorverfahren

    - der Arbeitnehmer verheiratet ist und die Ehegatten nach dem sogenannten Faktorverfahren besteuert wurde.

  • Sonstige Bezüge nicht einbezogen

    - der Arbeitnehmer nacheinander bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt war und ein Arbeitgeber einen sonstigen Bezug (beispielsweise Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Abfindungen) versteuert hat, bei dem der Arbeitslohn beim anderen Arbeitgeber nicht mit einbezogen wurde.

  • Scheidung

    - der Arbeitnehmer geschieden wurde – oder der Ehegatte gestorben ist – und er im gleichen Jahr wieder geheiratet hat.

  • Verlustvortrag

    - zum Ende des Vorjahres ein sogenannter Verlustvortag festgestellt wurde – beispielsweise Verluste aus Vermietung und Verpachtung.

Wann braucht man einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein? Und für wen lohnt sich die Hilfe vom Steuerprofi besonders? Im Schnitt bekommen deutsche Steuerpflichtige durch ihre Steuererklärung rund 900 Euro zurück. Die gehen schneller für Steuerberaterkosten drauf, als viele denken.

Ab wann der Rat eines Steuerprofis sinnvoll ist, lässt sich kaum pauschal sagen. Selbst nach steuerrelevanten Änderungen der Lebensumstände wie einer Scheidung mit Unterhaltspflichten und Steuerklassewechsel, dem Eintreten eines Pflegefalls oder einer Erbschaft sind die Steuererklärungen auch für Laien grundsätzlich noch machbar. Sofern man bereit ist, sich mit den nötigen Formularen zu beschäftigen.

Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler betont, dass es keine Sachverhalte gibt, die zwingend die Beteiligung eines Steuerberaters vorschreiben. „Für die meisten Angestellten ist es Geschmacksache, ob sie einen Steuerprofi hinzuziehen oder nicht. Wem der Aufwand schlicht zu hoch ist oder wenn es sachlich zu kompliziert wird, wird sich mit einem Steuerberater wohler fühlen“, sagt Klocke.

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