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Steuerhinterziehung: Die geheimen Verstecke der Geldschmuggler

06. September 2013, aktualisiert 06. September 2013, 16:42 Uhr
Beschlagnahmte Euroscheine: Der Einfallsreichtum der Schmuggler ist erstaunlich. Quelle: dpaBild vergrößern
Beschlagnahmte Euroscheine: Der Einfallsreichtum der Schmuggler ist erstaunlich. Quelle: dpa
Quelle: Handelsblatt Online

Das Strafverfahren gegen Uli Hoeneß hat eine Lawine an Selbstanzeigen ausgelöst. Andere deutsche Steuerflüchtlinge lösen in Panik ihre Konten in der Schweiz auf. Wie Steuerflüchtlinge ihr Geld über die Grenze schaffen.

An der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz herrscht derzeit ein reger Handel. Während die Schweizer gerne die für sie günstigen Lebensmittel aus Deutschland in ihr Land bringen, lösen viele Deutsche derzeit in der Eidgenossenschaft ihre Schwarzgeldkonten auf. Zöllner auf beiden Seiten des Rheins haben alle Hände voll zu tun.

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Deutsche Steuerhinterzieher kommen dabei auf skurrile Ideen. „Wir hatten einen 72 Jahre alten Mann, der ein Damen-Korsett anhatte, in dem 150.000 Euro steckten”, sagt Markus Ückert, Sprecher des Hauptzollamts in Lörrach. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: „In einem anderen Fall trug ein Mann zwei Paar Windeln gegen Inkontinenz, zwischen denen fast 140.000 Euro steckten.”

Die Zollbehörden an der Grenze zur Schweiz haben im vergangenen Jahr zwanzig Millionen Euro an nicht deklariertem Geld gefunden. In Lindau, wo Beamte schon einmal einen Mann mit 25.000 Euro ertappten, die in einem Lebkuchenhaus verborgen waren, entdeckten die Zöllner im vergangenen Jahr insgesamt zwei Millionen Euro. Beträge über 10.000 Euro müssen dem deutschen Zoll angegeben werden.

Wegen des internationalen Drucks auf Schweizer Banken drängt die Regierung die Institute, keine unversteuerten Vermögen mehr zu verwalten. Prominente Fälle, wie die Steueraffäre des Präsidenten von Bayern München, Uli Hoeneß, und der Ankauf von Kundendaten durch deutsche Behörden versetzen nach Angaben der Zollbeamten die Steuerflüchtlinge in Aufruhr.

Nicht alle Geldschmuggler sind allerdings so einfallsreich: „Ein Rentnerpaar hatte die Scheine in den Schuhen versteckt und wir hatten den Fall, dass Geld mithilfe der Autobatterie versteckt wurde”, sagt Sprecher Harald Gabele vom Hauptzollamt Singen. „Regelmäßig gibt es Leute, die einen verborgenen Geldgürtel tragen oder es in der Unterwäsche verstecken.”

Suche nach verborgenen Konten

Die Deutschen stellen die größte Gruppe unter den ausländischen Touristen in der Schweiz, was es ihnen leicht macht, Konten zu unterhalten. Nicht nur Millionäre gehören zu den Kontenbesitzern. Steuervermeidung sei ein Volkssport, der von Zahnärzten wie Taxifahrern betrieben werde, schilderte der ehemalige Steuerfahnder und heutige Steuerberater Frank Wehrheim seine Erlebnisse aus 30 Jahren Berufstätigkeit.

Die Schweiz hat mit Österreich und Großbritannien Steuervereinbarungen getroffen, die die Einbehaltung der Steuern gewähren und gleichzeitig Anonymität garantieren sollen. Eine vergleichbare Abmachung mit Deutschland scheiterte an der Opposition.

Deutsche Zollbeamte suchen aber nicht nur Geld. Ihr Augenmerk gilt auch Dokumenten, die Hinweise auf verborgene Konten liefern könnten. „Eine Mappe mit vielen Bankauszügen in den Händen zu halten ist für viele Menschen immer noch ein gutes Gefühl”, sagt Georg Krügers, Leiter der Kontrolleinheit in Lindau am Bodensee.

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Die gefundenen Dokumente werden an die deutschen Finanzämter weitergeleitet, die dann prüfen, ob die Guthaben angegeben wurden. Im Bezirk des Hauptzollamts Ulm, zu dem auch Lindau gehört, seien im vergangenen Jahr Hinweise auf 1,3 Milliarden Euro an Auslandsvermögen gefunden worden, sagt Sprecher Hagen Kohlmann.

Oft sind die Durchsuchungen aber nicht von Erfolg gekrönt. So überprüfte das siebenköpfige Team in Lindau an einem Augustnachmittag einen alten Wagen, in dem ein hagerer Mann und seine weißhaarige Mutter saßen. Tatsächlich wurden sie fündig. In einer Tasche entdeckten die Beamten 8.000 Euro in neuen 50- Euro-Scheinen. Das war zwar merkwürdig, doch blieb die Summe unter der Grenze, die angegeben werden muss.

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