Neben exklusiven Wohnzonen winkt Investoren, die Arbeitsplätze schaffen, ein weiteres Privileg: die „tax holidays“. Unternehmen könnten in der Schweiz „eine Steuerbefreiung für bis zu zehn Jahre erhalten“, sagt Anwalt Ludwig. Wer den Steuervorteil in welchem Umfang erhalte, sei „von Kanton zu Kanton unterschiedlich und letztlich Verhandlungssache.“
Die Nachbarstaaten beäugen solche Angebote der Schweiz argwöhnisch. Dass ausländische Holdings in Kantonen wie Zug und Schwyz fast steuerfrei bleiben, ist nach Ansicht der EU eine massive Wettbewerbsverzerrung. Die Schweiz dürfte bald auch hier Zugeständnisse machen müssen und könnte eine höhere Mindeststeuer für Holdings einführen.
Deutsche Finanzämter nehmen Schweiz-Investoren seit jeher genau unter die Lupe und prüfen zum Beispiel, ob es tatsächlich eine Niederlassung gibt. Wer das nicht belegen kann, gerät umgehend in den Verdacht, mit einer Briefkastenfirma Steuern zu hinterziehen. „Manche kommen mit Vorstellungen zur Steueroptimierung zu uns, die am Ende nicht funktionieren“, warnt Hans Marti von der Kontaktstelle Wirtschaft des Kantons Zug während des Seminars in München.
Besonders akribisch schauen Finanzbeamte hin, wenn Unternehmer nicht nur eine Niederlassung gründen, sondern komplett umsiedeln. In solchen Fällen drohen massive Sanktionen – in erster Linie die „Wegzugssteuer“, die laut einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs rechtmäßig ist. Wer mehr als ein Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält und in ein Nicht-EU-Land wie die Schweiz zieht, muss also weiter sofort Steuern auf den Wertzuwachs des Unternehmens zahlen – ein massives Hindernis für Abwanderungswillige.
Ein weiteres Problem: Werden Auswanderer häufig in der alten Heimat gesichtet, unterstellen Fahnder schnell einen Scheinumzug. Das wurde einst Boris Becker zum Verhängnis, der statt in Monaco oft in München weilte – und deshalb weiter dort steuerpflichtig war. Die Experten Ludwig und Kubaile raten in München, angesichts der Unwägbarkeiten lieber erst mal eine Niederlassung in der Schweiz zu gründen.
Auch die britische Steuerbehörde HMRC sucht eifrig nach Scheinumzüglern. Es gebe Hinweise, dass bei abgewanderten Unternehmen „wichtige Entscheidungen“ weiter in Großbritannien getroffen würden, sagt Behörden-Vizechef Dave Hartnett. Die Briten werden nervös: Mehrere Konzerne haben ihre Europazentrale von der Insel in die Schweiz verlegt, etwa Yahoo. Im Juli kündigte McDonald’s an, das Europageschäft von Genf statt von London aus zu steuern. Zudem drohen Hedgefonds mit Abwanderung. Ein Grund: Am 1. April steigt der Spitzensteuersatz in Großbritannien auf 50 Prozent. Das erzürnt viele Top-Verdiener. Schauspieler Michael Caine droht, das Land zu verlassen, wenn der Satz noch weiter steigen sollte. „Die Grenze ist erreicht“, schimpft er. Schon weg ist Guy Hands. Der millionenschwere Private-Equity-Investor ist im Mai umgezogen – aber nicht in die Schweiz, sondern auf die Kanalinsel Guernsey, wo er nur 20 Prozent Steuern zahlt.
Neben der Schweiz mischen eben auch andere Finanzzentren im verschärften Steuerwettbewerb um Unternehmen und Reiche mit. Auf Guernsey und Jersey müssen seit 2008 nur noch Versorger, Finanz- und Immobiliengesellschaften Unternehmenssteuern zahlen. Österreich hat die Erbschaftsteuer abgeschafft, Luxemburg die Vermögensteuer.
Der Wandel vom schmuddeligen Schwarzgeldhort zum Investorenparadies ist auch in diesen Ländern voll im Gang.















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Alle Kommentare lesen09.02.2010, 21:13 UhrAnonymer Benutzer: Anonymweilangstvorrepression
die gesamte internetbranche ist flexibel genug zu flüchten... so ein Angebot hat mir gerade noch gefehlt... packe jetzt die koffer. .bin 20 Jahre unternehmer hier und schnauze voll von den finanzämtern. jedesmal gewinn ich, aber jedesmal sind 6 jahre ärger da..SCHNAUZE VOLL, drangsaliert die metzger und bäcker, die nicht wegkommen...
12.11.2009, 11:36 UhrAnonymer Benutzer: rigirutscher
Die EU muß sich endlich öffnen und in den Wettbewerb gehen, Protektionismus bringt nichts - er bremst nur. Die "Demokraturen" in der EU müssen endlich begreifen warum dieses bergige Miniland einfach finanziell erfolgreicher agiert - es ist anpassunsgfähiger als mancher EU-Technokrat zu glauben denkt.
Die bRD braucht aber keine große Angst aufzubauen, die große Masse der deutschen Wirtschaft kann sich solche Umzüge schon längst nicht mehr leisten, zu tief ist z.b. der Mittelstand von der Region abhängig, hier sind die Kunden und nicht außerhalb Deutschlands. Man kämpft in Deutschland von Seiten der Unternehmer mit ganz anderen Unabwägbarkeiten - ein planbares Abgaben- und Steuersystem, sowie die schnelle bewilligung von Kreditmitteln durch die banken. Dieser Artikel von Herrn Schönwitz ist für die oberen 30.000 Unternehmer in der bRD interessant, für die restlichen 3,1 Mio. Unternehmer niemals, denn die sind weiterhin Gefangene in einem System, das von unfähigen Politikern so gestaltet wird, dass deren Arbeit NiE ausgeht.
12.11.2009, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt
Die Schwarzgeldsache muss abgeschafft werden, da sie den Wettbewerb in Deutschland massiv verzerrt und die legale investitionstätigkeit zur Ausnahme macht.
Eine Folge dieser Entwicklung wird übrigens ein enormer Absturz der immobilienpreise sein. Es ist ein leicht zu lüftendes Geheimnis, dass viele immobilien in großem Stil mit Schwarzgeld finanziert werden. Wird das Schwarzgeld nicht mehr "um die Ecke" geparkt, können solche "Geschäfte" deutlich schwieriger werden.
Zugleich sollte man aber die Steuersätze massiv senken und investitionen generell abschreibungsfähig machen. So würden wir von heute auf morgen die Schwarzgeldmafia loswerden.