Schwarzgeld im Nachlass – was Erben tun müssen

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GastbeitragSteuern: Schwarzgeld im Nachlass – was Erben tun müssen

Wer Schwarzgeld erbt, erbt zahlreiche Probleme. Wie sich Erben richtig verhalten und was sie wann tun müssen, erklärt Anke Brinkhus von der Kanzlei Schindhelm in einem Gastbeitrag.

Oft erfahren Erben erst nach dem Tod des Erblassers, dass zum Nachlass eine dem Fiskus bislang verschwiegene Kapitalanlage gehört. Besonders die Schweizer Internetseite Dormantaccounts trägt aktuell dazu bei, dass viele Erben erst nach Jahren erfahren, dass ihnen noch Vermögen in der Schweiz gehört. Denn auf der Seite werden Namen von Kunden veröffentlicht, die sich seit vielen Jahren nicht mehr bei ihrer Bank gemeldet haben. So will die Schweiz Kunden oder Erben und das Vermögen wieder zusammenführen.

Doch für Erben kann das einige Probleme mit sich bringen: Erben haben dann vielfach die Pflicht, alte Steuererklärungen nachträglich zu korrigieren. Betroffen sind nicht nur die eigenen Steuererklärungen, sondern auch die des Verstorbenen und die Erbschaftsteuererklärung. Erben müssen also auf drei Punkte achten:

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1. Berichtigung der Steuererklärungen für den Erblasser

Erkennen Erben, dass der Verstorbene seine Kapitalerträge beziehungsweise Veräußerungsgewinne nicht erklärt hat, so sind sie gesetzlich verpflichtet, dies den Steuerbehörden unverzüglich anzuzeigen. Zu berichtigen sind die noch nicht verjährten Zeiträume. Da der Erblasser in der Regel eine Steuerhinterziehung begangen hat, beträgt die steuerliche Verjährungsfrist nicht vier, sondern zehn Jahre.

Anke Brinkhus von der Kanzlei Schindhelm

Anke Brinkhus von der Kanzlei Schindhelm in Hannover ist Fachanwältin für Steuerrecht.

Die Frist beginnt jedoch erst nach Ende des Jahres zu laufen, in dem der Steuerpflichtige seine Steuererklärung abgegeben hat, spätestens jedoch nach drei Jahren. Hat der Erblasser seine Steuererklärungen sehr spät oder gar nicht abgegeben, kann sich diese steuerliche Verjährung und somit der Zeitraum, für den berichtigt werden muss, auf bis zu 13 Jahre verlängern.

2. Berichtigung der Erbschaftsteuererklärung

Neben den Steuererklärungen für den Erblasser ist auch eine bereits abgegebene Erbschaftsteuererklärung der Erben zu korrigieren, wenn noch keine steuerliche Verjährung eingetreten ist. Soweit den Erben für die Abgabe der falschen Erbschaftsteuererklärung weder Vorsatz noch Leichtfertigkeit vorgeworfen werden kann, beträgt die steuerliche Verjährungsfrist für die Berichtigung der Erbschaftsteuererklärung vier Jahre. Je nachdem, wie spät die Erklärung abgegeben wurde, kann sich die steuerliche Verjährung auf sieben Jahre verlängern.

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Quelle: Fotolia

3. Berichtigung der Steuererklärung für die Erben

Mit dem Tod des Erblassers werden Erträge wie Dividenden oder Zinsen den Erben zugerechnet. Hatten die Erben jahrelang keine Kenntnis von einer geerbten Kapitalanlage, so haben sie folglich auch die ihnen seit dem Tod des Erblassers zuzurechnenden laufenden Erträge der Kapitalanlage unwissentlich nicht erklärt. Sobald sie hiervon Kenntnis erhalten, haben sie die Pflicht, ihre Steuererklärungen unverzüglich zu berichtigen. Dies geschieht durch eine Berichtigungserklärung. Auch hier beträgt die steuerliche Verjährungsfrist vier Jahre, gegebenenfalls verlängerbar auf sieben Jahre, sodass diese Jahre zu berichtigen sind.

Fünf goldene Regeln fürs Vererben

  • Nachlass sofort prüfen

    Auch wenn es traurig ist, drängt die Zeit: Die Erben sollten den Nachlass rasch prüfen, denn nach Bekanntwerden des Erbfalls bleiben nur sechs Wochen Zeit. Innerhalb dieser Frist müssen Erben entscheiden, ob sie das Erbe antreten oder ausschlagen. Da gilt es, vorsichtig zu sein, denn im Erbrecht gilt der Grundsatz, dass nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden vererbt werden. Möchte man zum Beispiel ein überschuldetes Erbe ablehnen, muss man dies dem Nachlassgericht erklären.

    Quelle: Postbank

  • Bestattungskosten absetzen

    Traueranzeige, Grabstätte und Sterbeurkunde gehen ins Geld. "Ist das Erbe geringer als die Kosten für die Beerdigung, können diese als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden", erklärt Anja Maultzsch von der Postbank. "Das Finanzamt erkennt Beerdigungskosten bis zu einer angemessenen Höhe von 7.500 Euro an."

  • Erbengemeinschaft: Tipps zur "Auseinandersetzung"

    Zwei oder mehr Erben bilden die sogenannte Erbengemeinschaft. Unter ihren Mitgliedern muss der Nachlass gemäß der jeweiligen Erbquote aufgeteilt werden. Da die Gemeinschaft das Erbe gemeinsam verwaltet und nur gemeinsam über sämtliche Nachlassgegenstände bestimmen kann, birgt dies eine Menge Konfliktpotenzial. Es sollte deshalb möglichst zügig zur Aufteilung des Erbes kommen. Der Fachbegriff hierfür lautet "Auseinandersetzung". "Die Auseinandersetzung sollte schriftlich fixiert und von allen Miterben unterschrieben werden", empfiehlt die Postbank Expertin. "Hier kann zum Beispiel vereinbart werden, dass ein Erbe den gesamten Nachlass erhält und er dafür den anderen Erbberechtigten eine Abfindung zahlt. Handelt es sich bei dem Erbe um ein Grundstück oder GmbH-Anteile, muss der Vertrag notariell beglaubigt werden."

  • Ohne Erbschein geht nichts

    Ein Erbschein wird beim Nachlassgericht beantragt. Er weist einen Erben offiziell als solchen aus und beurkundet sein Recht am Nachlass. Benötigt wird er unter anderem gegenüber Behörden, Grundbuchämtern und Banken. Nur wenn der Erblasser zu Lebzeiten eine Bankvollmacht ausgestellt hat, können die Erben nach seinem Tod ohne Erbschein auf Bankkonten und Sparbücher zugreifen. Dies kann Zeit und Geld sparen, denn der Erbschein ist gebührenpflichtig. Maßgeblich für die Höhe der Kosten ist der Wert des Erbes.

  • Achtung - sonst geht ein unverheirateter Lebenspartner leer aus

    Liegt nach dem Tod des Partners kein Testament oder Erbvertrag vor, greift die gesetzliche Erbfolge. Es erbt, wer im verwandtschaftlichen Verhältnis am nächsten zum Erblasser steht. Unverheiratete stehen im schlimmsten Fall am Ende mit leeren Händen da. Um dies zu verhindern, ist ein Erbvertrag sinnvoll, in dem zum Beispiel der jeweils andere den Partner zum Alleinerben einsetzt. Ein gemeinsames Testament können Unverheiratete aber nicht aufsetzen. Achtung: Bei einer Trennung des Paares wird der Erbvertrag nicht automatisch unwirksam.

Leider wird bei Korrekturen von Steuererklärungen der Erben seitens der Finanzverwaltung zum Teil zunächst unterstellt, dass die Erben in der Vergangenheit wissentlich falsche Steuererklärungen abgegeben haben. Es steht somit der Vorwurf einer Steuerhinterziehung der Erben im Raum. Im Fall einer Steuerhinterziehung wäre jedoch keine einfache Berichtigungserklärung, sondern eine Selbstanzeige abzugeben. Die Selbstanzeige umfasst als Korrekturzeitraum zehn Jahre und unterliegt strengeren 8780232Anforderungen als eine Berichtigungserklärung. Zwar hat das Bundesministerium der Finanzen in seinem Schreiben vom 23. Mai 2016 mitgeteilt, dass nicht jede objektive Unrichtigkeit einer Steuererklärung den Verdacht einer Steuerstraftrat oder Steuerordnungswidrigkeit nahelegt. In der Praxis wird aber eine genaue Abwägung der Umstände des Einzelfalles notwendig sein, um zu klären, inwieweit den Erben hinsichtlich der Korrektur ihrer eigenen Steuererklärungen eine bloße Berichtigungserklärung oder sicherheitshalber eine Selbstanzeige anzuraten ist.

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