Steuern und Recht kompakt: Rechtstipp der Woche: Wann der Badumbau zu den Bürokosten zählt

Steuern und Recht kompakt: Rechtstipp der Woche: Wann der Badumbau zu den Bürokosten zählt

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Arbeitnehmer können Ausgaben für das private Arbeitszimmer nur absetzen der Raum den Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit bildet.

von Niklas Hoyer

Steuerzahler können Kosten ihres Arbeitszimmers nur noch selten absetzen. Schaffen sie es, dann sind hohe Abzüge möglich. Außerdem gibt es Neues zu Ausbildungskosten, Mietrecht und Schenkungsteuer.

Flexiblere Arbeitszeitmodelle bringen es mit sich, dass nicht nur Freiberufler, sondern auch Angestellte häufiger zu Hause arbeiten. Die Kosten eines Arbeitszimmers im Privathaushalt lassen sich aber nur noch in wenigen Fällen von der Steuer absetzen. So können Arbeitnehmer Ausgaben nur noch geltend machen, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit bildet. Das gilt in der Regel nur für Freiberufler oder Heimarbeiter, die überwiegend von zu Hause aus arbeiten.

Bildet das Arbeitszimmer zwar nicht den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit, aber steht Arbeitnehmern kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung – wie bei vielen Lehrern –, können sie zumindest einen Teil der Kosten geltend machen. Pro Jahr berücksichtigt das Finanzamt dann maximal 1250 Euro.

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Selbstständigen ohne separates Büro fällt es meist deutlich leichter, auch hohe Ausgaben steuerlich zu verrechnen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie ihr Büro wenigstens zu 90 Prozent beruflich nutzen. Ob Kosten auch berücksichtigt werden müssen, wenn das Büro stärker privat genutzt wird, muss noch der Bundesfinanzhof entscheiden (IX R 23/12, X R 32/11). Vorerst sind diese Verfahren auf Eis gelegt, da sich die Richter am Bundesfinanzhof nicht einig sind. Nun muss der Große Senat eine Grundsatzentscheidung treffen (GrS 1/14).

Recht einfach: Hochzeit

  • Praktikantin

    Ein Ehepaar aus Hannover wollte an seinem großen Tag perfekt abgelichtet werden. Für 799 Euro schlossen sie mit einem Berufsfotografen einen Vertrag. Statt eines Profis kam am Hochzeitstag jedoch nur eine Praktikantin. Die Brautleute waren mit deren Aufnahmen unzufrieden und überwiesen statt des vereinbarten Betrags nur 150 Euro. Der von dem Fotografen eingeschaltete Richter schlug sich auf die Seite der frisch Vermählten. Eine Praktikantin, so der Jurist, könne nicht mit einem voll ausgebildeten Fotografen gleichgesetzt werden (Amtsgericht Hannover, 412 C 4005/13).

  • Konservative Mutter

    Ein Kölner vermietete seine Villa für Hochzeitsfeiern. Als der Villenbesitzer erfuhr, dass es sich bei den Heiratswilligen um zwei Männer handelte, brach er die Vertragsverhandlungen b. Begründung: Seine ebenfalls auf dem Anwesen wohnende, „konservativ eingestellte“ Mutter könne sich mit gleichgeschlechtlichen Ehen nicht anfreunden. Das abgewiesene Paar zog vor Gericht. Erfolgreich. 750 Euro pro Partner musste der Vermieter zahlen. Das örtliche Amtsgericht sah in dem Platzverweis einen Verstoß gegen das
    Gleichbehandlungsgesetz (Amtsgericht Köln, 147 C 68/14).

  • Spionage

    Kurz nach seiner Festanstellung sollte einem Ingenieur gekündigt werden. Als Grund nannte sein Arbeitgeber die Angst vor möglicher Industriespionage. Hintergrund der Befürchtungen: Der Techniker hatte kurz vor der Einstellung eine Chinesin geheiratet. Die Arbeitsrichter kassierten den Rauswurf. Ein pauschaler Spitzelverdacht sei „treu- und sittenwidrig“ (Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, 3 Sa 95/11).

Lassen sich die Kosten des Arbeitszimmers unbegrenzt absetzen, werden Wohnausgaben anteilig angesetzt. Macht das Arbeitszimmer also zehn Prozent der Wohnfläche aus, zählen auch zehn Prozent der Wohnausgaben. Bei einer Mietwohnung ist die Berechnung meist einfach. Anders bei eigenen Immobilien, hier gibt es mehr Streit zwischen Steuerzahlern und Finanzamt. Neben den laufenden Kosten zählen hier auch die steuerlichen Abschreibungen mit.

Ein selbstständiger Steuerberater ließ das Bad in seinem Einfamilienhaus umfassend modernisieren: Eine Badewanne wurde entfernt, die Dusche versetzt und Zugang und Einrichtung wurden behindertengerecht umgebaut. An den Ausgaben von rund 40.000 Euro wollte der Mann das Finanzamt beteiligen. Sie seien anteilig auch als Kosten seines Arbeitszimmers zu berücksichtigen. Das Finanzamt stellte sich jedoch quer: Die Kosten beträfen ein anderes Zimmer. Anders als die Erneuerung von Dach, Fassade oder Heizung seien sie auch nicht dem ganzen Gebäude zuzurechnen.

Doch das Finanzgericht Münster zeigte mehr Verständnis für den neuen Badekomfort (11 K 829/14 E, Revision möglich): Da die Renovierung weit über Schönheitsreparaturen hinausgegangen sei, habe sie den Wert des Einfamilienhauses erhöht. Die Kosten entfielen damit sehr wohl auf das ganze Gebäude und seien anteilig anzusetzen. Schließlich sei das Badezimmer für die Hausnutzung wesentlich. Zudem würde eine Nichtberücksichtigung Eigentümer schlechter als Mieter stellen. Denn bei derart umfangreichen Umbauten müssten Mieter eine Mieterhöhung hinnehmen – und könnten die in derartigen Fällen auch anteilig als Bürokosten absetzen.

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