Steuern: Wie der Fiskus Privatanleger abzockt

Steuern: Wie der Fiskus Privatanleger abzockt

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Das Schild eines Finanzamtes

von Daniel Schönwitz

Nicht nur Inflation und Spesen kosten Rendite, auch der Staat will sein Teil. Gewinne sind steuerpflichtig, Verluste erkennen Finanzämter oft nicht an, vor allem bei Zertifikaten. Das könnte verfassungswidrig sein.

Der Knock-out kam schnell. Wenige Wochen, nachdem ein Privatanleger aus Hessen „Turbozertifikate“ auf den Goldpreis gekauft hatte, rutschte das Edelmetall unter die von der Emittentin vorgegebenen Barriere – Totalverlust. Und es kam noch schlimmer: Das Finanzamt weigerte sich, den Verlust steuermindernd von Gewinnen aus anderen Deals abzuziehen. Der Anleger zog vor Gericht – und bekam nun vom Hessischen Finanzgericht recht: Es verletze elementare Grundsätze des Steuerrechts, wenn der Staat Gewinne aus Knock-out-Papieren besteuere, Verluste jedoch ignoriere, so die Kasseler Richter (8 V 1268/10).

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, macht aber Hoffnung. Was der hessische Anleger erlebte, hat System: „Während alle erdenklichen Gewinne mit Wertpapieren steuerpflichtig sind, erkennen die Finanzbehörden Verluste in vielen Fällen nicht an“, kritisiert Kurt Gratz, Steuerberater bei CMS Hasche Sigle in Stuttgart.

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Tiefschlag für Knock-Outs

Besonders nach der Einführung der Abgeltungsteuer, die seit 2009 für Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinne gilt, ist dieses Vorgehen fragwürdig. Die Verfechter der Steuer hatten ursprünglich angekündigt, dass Anleger zwar unabhängig von Spekulationsfristen für sämtliche Verkaufsgewinne Steuern zahlen müssen – dafür aber sämtliche Verluste verrechnen dürften. Gratz: „Alles andere widerspricht der Systematik der Abgeltungsteuer.“

Gerade bei Derivaten sind Widersprüche jedoch an der Tagesordnung. Bei Knock-outs – auch Hebel- oder Turbozertifikate genannt – haben Anleger die Chance auf enorme Renditen. Wenn der Basiswert (Aktie, Index) steigt, legt das Zertifikat deutlich stärker zu. Im Gegenzug verfällt es jedoch wertlos, wenn der Basiswert unter eine bestimmte, vorher definierte Schwelle rutscht.

Die Finanzverwaltung argumentiert, dass eben kein Verkauf vorliege, wenn Knock-out-Zertifikate oder Optionen wertlos verfallen. Und ohne Verkauf gebe es keinen verrechenbaren Verkaufsverlust. So steht es in einem Anwendungserlass, den das Bundesfinanzministerium im vergangenen Jahr veröffentlicht hat (IV C 1 S 2252/10/10010). Diese Argumentation „geht aber völlig an der wirtschaftlichen Realität vorbei“, sagt die auf Kapitalanlagen spezialisierte Münchner Steuerberaterin Birgit Hosemann.

Zahlreiche Emittenten sind angesichts der fiskalischen Wortklauberei dazu übergegangen, für einen Verkauf zu sorgen: Sie kaufen ihren Kunden die Zertifikate für Cent-Beträge ab, kurz bevor sie verfallen. Dafür generieren IT-Programme automatische Verkaufsorders, wenn der Basiswert unter die Schwelle rutscht. Doch selbst in solchen Fällen akzeptiert der Fiskus Verluste der Anleger nicht: Es handele sich um steuerlichen „Gestaltungsmissbrauch“, schreibt die Oberfinanzdirektion Münster in der „Kurzinformation Einkommensteuer 021/2009“.

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