Steuerparadies Malta : Das neue Panama

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Steuerparadies Malta : Das neue Panama

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Hafeneinfahrt der maltesischen Hauptstadt Valletta

von Konrad Fischer und Silke Wettach

Alle reden über Malta, das neue schwarze Loch der EU – und ein Paradies für Steuerhinterzieher. Die WirtschaftsWoche schildert, mit welchen simplen Tricks dort auch deutsche Konzerne Millionen sparen.

Marcis Vibergs ist ein hilfsbereiter Typ. Nur wenige Minuten nachdem das Anfrageformular auf der Seite seiner Kanzlei St. Publius ausgefüllt ist, meldet er sich per Telefon. Eine Firmenverlagerung nach Malta? Er könne das sehr empfehlen und auch schnell umsetzen, sagt Vibergs in osteuropäischem Akzent. Dafür müsse man zwar formell den Wohnsitz wechseln, aber das sei kein Problem. „Solange Ihre Firma einen Gewinn von bis zu 100.000 Euro im Jahr macht, schauen die deutschen Behörden nicht hin“, sagt er. Sollte die Firma größer werden, könne man einen Treuhänder einsetzen oder eine Holding-Lösung finden.

"Hohe Verdachtsmomente" Deutsche Unternehmen sollen Steuern auf Malta hinterziehen

Haben deutsche Unternehmen über unangemeldete Niederlassungen in Malta Steuern hinterzogen? Das legen laut NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans Ermittlungen nordrhein-westfälischer Steuerfahnder nahe.

Laut NRW-Finanzministerium gibt es Hinweise auf Steuerhinterziehung über Malta. Quelle: REUTERS

Wie schön Panama mal war, dass wussten Steuerflüchtlinge schon lange. Doch seit gut einem Jahr weiß es leider auch die Öffentlichkeit, als sicherer Hafen für unversteuertes Geld taugt das Land nicht mehr. Deswegen sucht man Alternativen. Und eine davon liegt dort, wo man sie in Zeiten des Datenaustausches und Zusammenarbeit zwischen befreundeten Finanzbehörden nicht vermutet: mitten in der Europäischen Union, in Malta. Wie ist das möglich?

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Die maltesische Regierung, derzeit vor allem mit der Ausfüllung ihrer EU-Ratspräsidentschaft beschäftigt, wen wundert es, beschwichtigt. Am Dienstag nutzte der Finanzminister einen Besuch in Berlin, um zu versichern: Ja, wir haben attraktive Steuersätze. Und ja, das zieht Unternehmen an. Aber nein, kriminelle Konstruktionen dulden wir nicht. Manche Steuerbehörden, allen voran die aus Nordrhein-Westfalen, sehen das aber anders und behaupten, entsprechende Daten zu haben.

Außenminister Sigmar Gabriel war Ende April am Tatort. Da weihte er den neuen Sitz der Botschaft in Maltas Hauptstadt Valletta ein. Deutschlands Diplomaten arbeiten nun mit Blick auf die Yachten in der Marina – und in direkter Nachbarschaft zur Pilatus Bank. Die steht im Verdacht, der Gattin von Premier Joseph Muscat bei der Geldwäsche geholfen zu haben. Seit im Fernsehen zu sehen war, wie Gründer Sayed Ali Sadr Hasheminejad Koffer aus dem Gebäude trug, ist Whitehall Mansions für die Malteser zu einem Gebäude geworden, in dem dubiose Dinge passieren. Noch ist nicht erwiesen, dass Muscat Geld gewaschen hat. Aber täglich neue Details lassen den Eindruck entstehen, dass in dem Land dunkle Geschäfte möglich sind. Nachdem vergangenes Jahr zwei Vertraute von Premier Muscat in den Panama-Papers auftauchten, ohne dass ihr Fall untersucht wurde, ist klar, dass Europas kleinster Mitgliedstaat gravierende Probleme hat.

Für den 3. Juni hat Muscat Neuwahlen angesetzt, und allen Vorwürfen zum Trotz führt der Sozialdemokrat die Umfragen an. Denn in Malta florieren nicht nur die Steuerkanzleien, der gesamten Wirtschaft geht es gut. Fünf Prozent BIP-Wachstum bedeuten EU-Rekord. Doch das hat einen Grund: Der Anteil der Finanzbranche an der Beschäftigung ist in Malta doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Euro-Zone. 14 Milliarden Euro sollen anderen Staaten zwischen 2012 und 2015 entgangen sein, weil Unternehmen ihre Gewinne in Malta verrechnet haben. „Es ist wie in Luxemburg oder der Schweiz“, sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. „Wenn das System von außen infrage gestellt wird, dann rücken alle zusammen.“

Paradiesische Steuersätze, lasche Aufsicht

Das System, das ist vor allem der aus Sicht vieler Konzerne und Privatleute paradiesische Steuersatz. Die Kanzlei St. Publius rechnet es anhand der Beispielkundin „Christine Müller“ vor. Der Auftrag: Die Steuerbelastung von deren GmbH zu senken. Das Beispielunternehmen macht 100.000 Euro Gewinn. In Deutschland blieben davon nach allen Steuern 50.522 Euro übrig. In Malta hingegen wird eine Körperschaftsteuer von 35 Prozent fällig, davon werden später aber 30.000 erstattet. Es bleiben: 95.000 Euro. Aus dem Steuersparmodell wird ein Hinterziehungsdelikt, wenn zwar die in Malta gezahlte Körperschaftsteuer, nicht aber die Erstattung in Deutschland gemeldet wird.

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