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KommentarSteuerparadiese: Die deutsche schwarze Liste ist leer - und das ist gut so

von Daniel Schönwitz

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vorerst kein einziges Steuerparadies auf die deutsche schwarze Liste unkooperativer Länder gesetzt. Zu Recht, findet WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Schönwitz.

Das Steuerparadies Caymans Quelle: rtr
Das Steuerparadies Caymans Islands Quelle: rtr

Jetzt ist es raus: Die gefürchtete deutsche schwarze Liste unkooperativer Steuerparadiese bleibt zunächst leer. 

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Das Bundesfinanzministerium hat am Dienstag verkündet, dass derzeit "kein Gebiet" die Voraussetzungen für einen Platz auf der Liste erfüllt.

Das ist  nicht nur für Steuerparadiese eine gute Nachricht, sondern auch für viele Unternehmer. Denn wer Geschäftspartner in Steuerparadiesen hat, muss vorerst keine Sanktionen und intensive Nachfragen des Fiskus fürchten. Das wäre der Fall gewesen, wenn das jeweilige Land auf der Liste gelandet wäre  

Dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kein Land für "unkooperativ" erklärt, ist aus zwei Gründen richtig. 

Erstens macht er damit deutlich, dass die Zeit der Indianerrhetorik seines Vorgängers Peer Steinbrück vorbei ist - jetzt geht es um konstruktive Lösungen im Einvernehmen mit Schweiz & Co., nicht mehr um Sanktionsdrohungen mit Schaum vor dem Mund.

Zweitens gibt es derzeit tatsächlich keinen Grund, ein Land auf die Liste zu setzen. Schließlich haben sich alle Steuerparadiese kompromissbereit gezeigt. Einige haben ihr Bankgeheimnis bereits aufgeweicht (wie Liechtenstein), die anderen verhandeln derzeit mit Deutschland über ein neues Steuerabkommen (wie die Schweiz) oder haben zumindest Gesprächsbereitschaft signalisiert (wie Singapur). 

Druck auf Steueroasen bleibt hoch

Die leere Liste ist aber keineswegs das "Ende des Kampfs gegen Steueroasen", den Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick offenbar befürchtet.

Denn aus dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums geht eindeutig hervor, dass "Staaten und Gebiete" jederzeit nachträglich auf die Liste gesetzt werden können. Das Ministerium werde "zum jeweils gegebenen Zeitpunkt" bekannt geben, ob ein Land die Voraussetzungen erfülle, heißt es.

Die Botschaft ist klar: Wenn Steuerparadiese von bereits gemachten Zusagen abrücken oder sich in den laufenden Verhandlungen gegen echte Zugeständnisse sträuben, können sie ruck-zuck doch noch auf der Liste landen. Das Damoklesschwert, das die schwarze Liste von Anfang an sein sollte, schwebt also weiter über den betroffenen Ländern.

Wer wie die Berliner "taz" meint, dass Steuerhinterzieher jetzt "aufatmen" können, liegt deshalb falsch und hat den Sinn des "Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetzes", das die schwarzen Liste vorsieht, nicht verstanden.

Das bereits im vergangenen Jahr verabschiedete Gesetz war von Anfang an vor allem eines: eine Drohgebärde, die untermauern sollte, dass Deutschland im Ernstfall zu Sanktionen bereit ist.

Bisher hat diese Strategie funktioniert. Schäuble macht also alles richtig, wenn er erstmal auf weitere Drohungen verzichtet und den weiteren Verlauf der Verhandlungen mit Steuerparadiesen wie der Schweiz abwartet.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.01.2010, 20:48 UhrRDA

    Der Kampf gegen Steueroasen ist doch eine Farce, solange manche bundesländer ihre Steuerfahndung im Sinne fragwürdiger Standortpolitik ausbremsen. Man munkelt, dass es in Hessen und baden-Württemberg die ein oder andere Merkwürdigkeit gab und dass sogar die deutsche Steuergewerkschaft einen ganzen Artikel in ihrer Mitgliederzeitschirft über eine fragwürdige Dienstanweisung für bargeldkontrollen an der Schweizer Grenze gewidmet hatte.

  • 07.01.2010, 22:23 UhrEsther

    Sehr gerne hätte ich erfahren, warum man in berlin (Frau Merkel) keine solchen (unmöglichen!) Listen mehr führt .
    Einmischung in anderer Staaten Angelegenheiten waren doch in Vergangenheit recht beliebt bei der Kanzlerin.
    Hat sich die Schweiz nicht gewehrt ?? an anderer Stelle beschwert in dieser Angelegenheit ?

  • 07.01.2010, 17:29 UhrNettozahler

    ich finde es schon eine Frechheit, Ländern mit anderem Steuersystem irgendeinen schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn Deutschland aufgrund einer immer brutaleren Steuergesetzgebung, die das Abpressen von immer mehr Geld von arbeitenden Menschen zur Folge hat, die Menschen quasi enteignet, geschieht es diesem Land recht, die Herausgabe verweigert zu bekommen. Doch daran sind nicht andere Länder schuld sondern der dt. Staat.
    Mit welcher Dreistigkeit wollen wir Singapur o.a. souveränen Staaten vorschreiben, wie es deutsche Kontoinhaber behandelt ???
    Die Kriminellen sind nicht die banken und Steuerzahler sondern das deutsche Finanzsystem, das uns Sparer erst zu Kriminellen macht !

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