_

Steuersünder: Wie Schleuser Schwarzgeld in Steueroasen verschieben

von Daniel Schönwitz und Annina Reimann

Die Deutschen verstecken Milliarden im Ausland – aus Angst vor Steuerfahndern, Erbstreitigkeiten oder einer teuren Scheidung. Weil Regierungen das Bankgeheimnis ausgehebelt haben, offerieren dubiose Anwälte jetzt Geldtransfers über anonyme Tarnfirmen. Einblicke in die dunklen Machenschaften professioneller Geldschleuser.

Viele Schwarzgeldparadiese befinden sich auf Inseln in der  Karibik Quelle: fotolia.com
Viele Schwarzgeldparadiese befinden sich auf Inseln in der Karibik Quelle: fotolia.com

Schon nach 2 Minuten und 23 Sekunden redet der Rechtsanwalt Klartext: „Geld verstecken ist total einfach, also, es ist wirklich sehr einfach.“ Viel über seine Gesprächspartnerin weiß er bislang nicht. Nur, dass sie einen Teil des Geldes aus dem Verkauf ihres Unternehmens am Fiskus vorbeischleusen will – mithilfe einer diskreten Tarnfirma. Für den Juristen mit Kanzlei in Miami gar kein Problem. „Wir nennen jemand anderen als Besitzer und machen eine Firma, in der Sie einfach überhaupt nicht erscheinen. Damit sind Sie völlig anonym“, versichert er.

Anzeige

Der Amerikaner mit deutschen Wurzeln gehört zu einer Szene von Anwälten und Beratern, in der jeder weiß, wie man Geld ins Ausland schleust und dort versteckt – vorm Fiskus, der Exfrau oder erbberechtigten Angehörigen. Dienstleistungen dieser Art sind derzeit mehr gefragt denn je: Weil Regierungen das Bankgeheimnis weltweit aushebeln, haben schlichte Schwarzgeldkonten ausgedient. Wer Geld sicher deponieren will, muss heutzutage Tarnfirmen im Ausland gründen, statt auf eigenen Namen ein Konto zu eröffnen. Und spezialisierte Anwälte wissen, wie das am besten funktioniert.

10 bis 20 Milliarden Euro fließen jährlich in solche Scheinfirmen, schätzt Dieter Ondracek, Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft. Das zeigt: Der Kampf gegen Steuerbetrug und Geldwäsche ist mit dem Aus fürs Bankgeheimnis nicht vorbei. Wer sich gewiefte Berater leisten kann, hat weiter gute Chancen, den Fiskus in die Irre zu führen. Die Financial Action Task Force (FATF), die von 35 Staaten getragen wird, will deshalb im Februar eine schwarze Liste der Länder vorlegen, die dunkle Geschäfte mit Scheinfirmen dulden.

Die WirtschaftsWoche hat zum Schein Beratungsgespräche mit professionellen Geldschleusern geführt, um herauszufinden, wie sie Schwarzgeld ohne Bankgeheimnis sicher verstecken wollen – und welche Länder sie dafür empfehlen.

Voller Service für Hinterzieher

Der deutschstämmige Anwalt, für den Geld verstecken „total einfach“ ist, organisiert seine diskreten Dienste von einer kleinen Insel vor der Küste Miamis aus – ein guter Standort, um Kontakte in den Finanzzentren der Karibik zu pflegen. Auf die Insel führt eine schmale Brücke, an deren Ende ein Wärterhäuschen steht. Mit einem freundlichen Spruch schaffen es Besucher am Wachpersonal vorbei. Der Bungalow, in dem die Kanzlei residiert, ist nicht gerade ein Juwel: Die Farbe ist abgeblättert, die ramponierte Auffahrt braucht dringend eine neue Teerschicht.

Nach großem Geld sieht es hier nicht gerade aus. Aber das täuscht. Der umtriebige Anwalt weiß nicht nur, wie man Vermögen versteckt, sondern auch, wie man es sicher transferiert. Mandanten könnten das Geld „zum Beispiel auf mein Treuhandkonto“ überweisen, erklärt er. Von dort aus leite er es weiter auf die British Virgin Islands. Dorthin habe er seit „15 oder sogar 18 Jahren“ gute Kontakte. Die Gründung der Offshore-Firma könne er selbst in die Hand nehmen, persönlich erscheinen müssten Mandanten nicht.

Auf Tarnfirmen stoßen Fahnder oft. „Das ist ein Standardmodell, vor allem bei der organisierten Kriminalität, aber auch im Bereich Steuerhinterziehung“, sagt Georg Schmidt, Chef der Düsseldorfer Steuerfahndung. Bisher zeigten in der Regel aber nur Multimillionäre Interesse an den teuren und aufwendigen Konstruktionen. Doch seit das Bankgeheimnis geknackt wurde, steigt auch bei kleineren Fischen die Nachfrage. Die dubiosen Berater können ihnen ausgeklügelte Modelle präsentieren. „Die Konstruktionen werden immer komplexer“, sagt Klaus Olbing, Steueranwalt bei der Kanzlei Streck Mack Schwedhelm in Berlin.

Tarnfirmen und Treuhänder

Eine zentrale Rolle in diesen Modellen spielt der Treuhänder, der die Gesellschaft nach außen vertritt – und dem wahren Eigentümer damit ermöglicht, anonym zu bleiben. Die Rolle des Strohmanns übernimmt oft der Anwalt selbst. Einige Anwälte bieten zusätzlich Vermögenstransfers über unverdächtige Konten an. Schließlich ist es zu riskant geworden, Geld direkt in eine Steueroase zu überweisen oder gar mit einem Bargeldkoffer auf Reisen zu gehen.

Und für den Fall, dass die Behörden den Klienten nach dem Grund für den Transfer fragen sollten, liefert mancher Berater gleich noch eine Rechnung über eine angebliche Dienstleistung. „Das ist der perfekte Service zur Steuerhinterziehung“, sagt Steuer-Gewerkschaftschef Ondracek.

42 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.08.2010, 21:23 UhrAnonymer Benutzer: Jon Ventelaar

    interessante Diskussion über panamaische Anlagemöglichkeiten an dieser Stelle - und alles wegen einer fragwürdigen Person wie Herrn Dieter Wolf.

    Panamá bietet weit mehr Möglichkeiten, Vermögen zu sichern und neugierigen Augen zu entziehen mit dem Ziel, seine Privatsphäre zu sichern.

    1.
    Man kann statt im ausgelutschten Apartmentmarkt der Hauptstadt oder der nicht minder ausgelutschten Pazifikküste in neuen Wachstumsregionen in immobilien oder nur in Grundstücke („Landbanking“) investieren - natürlich im Namen der anonymisierenden juristischen Person.
    2.
    Man kann sich beteiligen (ca. 23% nach einem Jahr) beim staatlich geförderten bau von Wohneigentum für panamaische “Normalverdiener“ - natürlich im Namen der anonymisierenden juristischen Person.
    3.
    Es kann - physisch, nicht nur virtuell - Edelmetall erworben werden, das in Panamá selbst sicher verwahrt wird. in der Schweiz beispielsweise gibt es da große Probleme. Nach schweizerischem Recht dürfen „bankedelmetalle“ nur von banken verkauft werden, die ihre Kunden natürlich im Ergebnis registrieren. in Panamá kennt man derart abstruse Regelungen nicht, und man kann von wem man will sein Edelmetall beziehen und dann sicher lagern, wo immer man will - natürlich im Namen der anonymisierenden juristischen Person.
    4.
    Man muß nicht nach Hong Kong gehen, um mit sehr hoher Renditeerwartung in die seltenen aber stark nachgefragten strategische Metalle (indium, Gallium, Molybdän, Tantal, Hafnium, Wolfram, Tellur usw.) investieren zu können durch tatsächlichen konkreten Eigentumserwerb und in Verbindung mit einem „Marketmaker“, der jederzeit einen Weiterverkauf ermöglicht - natürlich im Namen der anonymisierenden juristischen Person.

    Die Ausführungen ließen sich erweitern.

  • 25.08.2010, 21:16 UhrAnonymer Benutzer: Julia Escobar

    Finanzplatz Panamá - wie er wirklich funktioniert

    im Prinzip sind die panamaischen banken für den Kapitalanleger so interessant wie „Omas Laufmasche im Nylonstrumpf“. Man nimmt Geld entgegen, man zahlt darauf die derzeit mickrigen Zinsen, man gibt Darlehen heraus zu etwas höheren Zinsen und stellt auf das Konto Debit- oder Kreditkarten aus, woran man auch noch etwas verdient. Das ist „banking à la Panamá“.
    Mangels Risiken bei diesem Geschäft haben die banken Panamás auch nichts bemerkt von der Finanz- und bankenkrise, die unserer Meinung nach nicht beendet ist. bei dieser Art von Geschäft werden die panamaischen banken aber auch in Zukunft davon nichts bemerken.
    Das Geld ist bei banken in Panamá also grundsätzlich weit sicherer als in Deutschland, der EU oder gar den USA.

    interessante Kapitalanlagen macht man aber gar nicht bei den banken in Panamá. Dafür sind sie gar nicht geschaffen.
    Kapitalanlagen tätigt man bei den „Casas de Valores“.

    Auch diese werden von der staatlichen Finanzaufsicht überwacht.
    Wer Geld an eine „Casa de Valores“ anweist, tut das nicht mit weniger Sicherheit als bei einer Anweisung an eine bank in Panamá.

    Aber diese „Casas de Valores“ sind es, mittels denen man seine eigentlichen Kapitalanlagen tätigt. Das kann jeder halten, wie er will, ob er in eher konservativ sichere Werte anlegt oder zumindest mit einem Teil etwas „zocken“ will. Über die „Casas de Valores“ legt man etwa in
    brasilianische,
    chilenische
    oder peruanische Werte
    an, sei es in dem
    bereich Rohstoffe,
    sei es im
    bereich von lateinamerikanischen Staatszertifikaten.

  • 25.08.2010, 21:13 UhrAnonymer Benutzer: Gerald Lepple

    Herr Dieter Wolf (Maite Nunez) behauptet, "fuer 500 Dollar sagt mir jeder Panamaische bankangestellte die Einzelheiten zu ihrem Konto: er verdient ja nur 400 p. Monat."
    Zunächst verdient ein entsprechender bankangestellter in Panamá knapp das Doppelte. Das bankgeheimnis unterliegt einem strengen strafbewehrten bankgeheimnis. Es käme die gesellschaftliche Ächtung innerhalb des von der bevölkerungszahl kleinen Landes hinzu. Folgerichtig ist ein derartiger Fall bislang nicht bekannt geworden. Hier tritt jemand nach, der gerade mit "Schimpf und Schande" das Land verlassen mußte.

Alle Kommentare lesen

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Gastbeitrag: Renditechancen in den USA?
Gastbeitrag: Renditechancen in den USA?

Doug Forsyth, Manager des Fonds Allianz US High Yield, erläutert in einem Gastbeitrag, warum er die Risiken von...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.